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Jennifer Schroth im Jahr 2024 bei ihrem Antritt als Geschäftsführerin des Krankenhauses Land Hadeln in Otterndorf. Seither ist sie so gut wie pausenlos mit neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen konfrontiert worden. Foto: Kramp
Jennifer Schroth im Jahr 2024 bei ihrem Antritt als Geschäftsführerin des Krankenhauses Land Hadeln in Otterndorf. Seither ist sie so gut wie pausenlos mit neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen konfrontiert worden. Foto: Kramp
Krankenhausversorgung

Welche Perspektiven hat das Krankenhaus Land Hadeln nach dem großen Schnitt ab 2028?

von Maren Reese-Winne | 29.10.2026 Zuletzt aktualisiert: 29.10.2026 17:32 Uhr

Das Krankenhaus Land Hadeln steht vor großen Umbrüchen. Die Krankenhausreform stellt insbesondere kleine Krankenhäuser vor Herausforderungen. Das heißt nicht, dass es keine Zukunftsperspektiven gibt. Was im Raum steht.

Die geplante Verlagerung der Arztsitze aus dem MVZ Rohdestraße nach Otterndorf und Nordholz kann nach Ansicht des Landkreises Cuxhaven und der Krankenhausspitze nur im Zusammenhang mit einer Stabilisierung des Krankenhauses Land Hadeln betrachtet werden. Dessen Erhalt sei unabdingbar für den Flächenkreis Cuxhaven, betont Landrat Thorsten Krüger.

Dabei kommen auf das Haus - wie auf alle Einrichtungen dieser Größenordnung, vor allem im ländlichen Raum - enorme Veränderungen zu. Es geht buchstäblich ums Überleben. Parallel zu den Überprüfungen, in welchen Leistungsbereichen die Otterndorfer Klinik ab 2028 noch tätig sein darf, laufen weitere Abwägungen über dessen zukünftige Ausrichtung.

Hier kommt insbesondere die Sicherung einer Basisversorgung ins Spiel, die auffängt, was in großen Zentren nicht mehr gewährleistet wird; insbesondere die Versorgung internistischer, zumeist älterer Patientinnen und Patienten mit hohem Pflegebedarf. Diese Personengruppe ist Verlierer in einem Abrechungssystem, das auf schnelle Einnahmen durch aufwendige Prozeduren und kurze Liegezeiten setzt. Die Fallpauschalen (DRG) garantieren den Kliniken nur einen Festbetrag pro Fall; unabhängig von der wirklich benötigten Genesungszeit. Längere Liegezeiten sind da nicht gern gesehen.  

Grundversorgung in der Region sichern

Das soll in den neuen Einrichtungen anders werden, die zum Beispiel in Rheinland-Pfalz Regio-Kliniken heißen und nach einem Prinzip funktionieren, das auch in Niedersachsen als "Regionales Gesundheitszentrum" Schule machen soll; zumindest zum Teil gestützt durch eine Rückkehr zu den früheren Bettenpauschalen.

Die Allgemeinmedizinerin und Hausärztin Dr. Stefanie Renz aus Cuxhaven, die die Redaktion unseres Medienhauses als erste hierauf aufmerksam gemacht hat, kennt nicht nur das Modell der Regio-Kliniken, sondern auch die ärztliche Direktorin des ersten rheinland-pfälzischen Regio-Krankenhauses in der Stadt Hermeskeil. Es sei der Gegenpol zum Gewinnstreben, das durch die Abgabe gesundheitlicher Einrichtungen an profitorientierte Unternehmen eingeleitet worden sei. Die vorhersehbare Folge: Hierdurch fließe regelmäßig Geld aus dem System ab. 

Krankenhaus Land Hadeln in Otterndorf: Seit 2021 sind der Landkreis und die Samtgemeinde Land Hadeln zuständig. Archivfoto: Egbert Schröder

Für das Krankenhaus Land Hadeln bricht sie eine Lanze: Schon jetzt sei es regelmäßig bereit, Patientinnen und Patienten aufzunehmen, für die eine Genesung in häuslicher Umgebung undenkbar sei, berichtet die Medizinerin, die unlängst für die Partei Volt in den Rat der Stadt eingezogen ist. Die Übernahme des Krankenhauses durch den öffentlichen Träger sei weithin mit großer Erleichterung aufgenommen worden. Dennoch sei die sich abzeichnende Entwicklung  für das MVZ Rohdestraße sehr bedauerlich, zumal die ärztliche Versorgung einen wichtigen Standortfaktor in einer Stadt darstelle.

Die Idee der Regionalklinik erklärte auch Klinikgeschäftsführerin Jennifer Schroth am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Die Bettenzahl sei dabei auf maximal 50 Betten (aktuell: 94) beschränkt, werde aber flankiert durch ein reichhaltiges, vornehmlich auf die alternde Bevölkerung zugeschnittenes Angebot, etwa Pflege, Demenz- oder Palliativbetreuung.

Entscheidung des Sozialministeriums entscheidend  

Die Anfang 2028 in Kraft tretenden Regelungen der Krankenhausreform - unter anderem Mindestfallzahlen und eine Mindestfacharztquote für die einzelnen Leistungsgruppen (Fachabteilungen) - setzen insbesondere kleine Einrichtungen unter Druck. Das Otterndorfer Krankenhaus hat die Zulassung seiner Leistungsgruppen beim Sozialministerium beantragt, die nun durch den Medizinischen Dienst geprüft werden. Die Entscheidung des Ministeriums sei bindend, so Jennifer Schroth: "Eine Nichtzulassung bedeutet ein Leistungsverbot." Auch der Rettungsdienst dürfte dann die Klinik nicht mehr ansteuern.

Speziell Häuser mit unter 120 Betten im ländlichen Raum sind für die Umwandlung in regionale Gesundheitszentren vorgesehen. Hierfür werden unter anderem der Altersdurchschnitt, die Facharzt- und die Hausarztquote in einer Region betrachtet. Als Alternative könnte sich für Otterndorf die Umwandlung in eine Fachklinik anbieten, auch hierfür werden Möglichkeiten geprüft. 

Noch weiter wird der Kreis mit einem weiteren Arbeitsauftrag der Kreispolitik an Landrat Thorsten Krüger gezogen. Er soll mit potenziellen Partnern in der Region die Möglichkeiten für einen gemeinsamen Klinikneubau ausloten und dabei auch über Kreisgrenzen hinweg schauen. Am besten zügig, denn die in einem Transformationsfonds bereitgestellten Fördermittel dürften begehrt sein. "Die alte Struktur ist nicht mehr zukunftsfähig", gibt Erster Kreisrat Friedhelm Ottens zu bedenken. Wer jetzt nicht handle, stehe in zehn Jahren ohne neues Krankenhaus da.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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