Das Deichvorland bei Altenbruch. Künftig müssen im gesamten Landkreis Cuxhaven bereits ab dem 5. Oktober alle beweglichen Bauten verschwunden sein, um potenzielle Gefahren bei immer früher und höher auflaufenden Sturmfluten abzuwenden. Foto: Rohde
Das Deichvorland bei Altenbruch. Künftig müssen im gesamten Landkreis Cuxhaven bereits ab dem 5. Oktober alle beweglichen Bauten verschwunden sein, um potenzielle Gefahren bei immer früher und höher auflaufenden Sturmfluten abzuwenden. Foto: Rohde
Klimawandel

Ansteigender Meeresspiegel: Deichvorland im Kreis Cuxhaven besser schützen

von Ulrich Rohde | 11.08.2026

Der Landkreis Cuxhaven reagiert auf den steigenden Meeresspiegel mit neuen Regelungen, um Deiche vor Sturmfluten zu schützen. Die Anpassung der Deichvorlandverordnung soll Gefahren abwehren und die Küstenregion sichern.

Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist das Stichwort. Das Worst-Case-Szenario des Weltklimarates IPCC geht bei ungebremst steigenden Treibhausgasemissionen und einer massiven Ausweitung fossiler Energien davon aus, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2130 um etwa 80 Zentimeter ansteigt. Dagegen will sich der Landkreis Cuxhaven wappnen.

Selbst wenn dieses Extremszenario Dank des weltweiten Ausbaus erneuerbarer Energien nicht wahrscheinlich ist, wird es absehbar dennoch einen Anstieg des Meeresspiegels geben. Gemäß der Extremprognose des Weltklimarates könnten dies bis zu 30 Zentimeter mittleres Tidehoch- und -niedrigwasser in 30 Jahren sein.

Bei Kettentiden kann das Hinterland nicht entwässert werden

Hinzu könnten so genannte Kettentiden kommen. Das wäre eine zeitlich unmittelbare Abfolge mehrerer Sperr- oder Sturmfluttiden, bei denen Sperrwerke an Küsten oder Flüssen über mehrere Tage geschlossen bleiben müssten. Diese verhindern die natürliche Entwässerung des Binnenlandes und erhöhen das Risiko von Überschwemmungen. Von Fünfer- bis Sechser-Kettentiden sowie einer Zunahme schwerer Sturmfluten wird dabei ausgegangen.

Das dies keine ferne Zukunftsmusik ist, wird daran deutlich, dass sich Veränderungen an der Küste schon jetzt bemerkbar machen. Das Sielen der Binnenabflüsse bei Ebbe sei in fünf Tiden nicht mehr möglich. Hinzu kämen höher auflaufende Sturmfluten schon vor Mitte Oktober.

Anpassung an steigenden Meeresspiegel

Um Schäden von den Deichen abzuwenden und an die künftige Klimaentwicklung anzupassen, hat der Landkreis seine Deichvorlandverordnung angepasst. Darin geht es um die Nutzung des Deichvorlandes, die zu einer Gefährdung des Hauptdeichs führen könnte. Der Landkreis regelt, wann aufschwimmende und somit deichgefährdende fliegende Bauten, Container und ähnliches aus dem Vorland zu entfernen sind. Das soll sowohl der Einheitlichkeit, als auch der Entlastung der für die Deichverteidigung zuständigen Deichverbände dienen, die bei Gefahr die Aufräumarbeiten im Vorland übernehmen müssen.

Über bereits bestehende Regelungen hinaus soll demnach die Nutzung des Deichvorlandes und der Anlegestellen zwischen dem 5. Oktober und dem 15. März für alle den Hauptdeich potenziell gefährdenden Vorhaben verboten werden. Alle fliegenden Bauten, Anhänger, und Container müssen danach bis spätestens zum 5. Oktober aus dem Deichvorland entfernt sein. Frühestens am 16. März dürfen sie wieder aufgebaut werden.

Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 5000 Euro

Davon nicht betroffen sind Fahrzeuge, die tagsüber im Deichvorland in Anwesenheit des Betreibers stehen und abends nach binnendeichs gebracht werden. Grundsätzlich liegen das Risiko und die Haftung bei den Nutzern des Deichvorlandes. Bergungen durch die Feuerwehr oder andere Hilfskräfte gehen das ganze Jahr über zu Lasten der Nutzer. Wer gegen die Regeln der Deichvorlandverordnung verstößt, wird von der Deichbehörde je nach Schwere des Verstoßes mit einem Bußgeld belegt, das bis zu 5000 Euro betragen kann.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Ulrich Rohde
Ulrich Rohde

Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

rohde@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Startschwierigkeiten für DB Regio

Chaos zwischen Hamburg und Cuxhaven: Deutsche Bahn nennt Grund für Zugausfälle

von Christian Mangels

Die Deutsche Bahn hat sich zu den chaotischen ersten Betriebstagen auf der Strecke RE5 zwischen Hamburg und Cuxhaven geäußert und die Gründe dafür benannt. Auch die mangelhafte Information wird thematisiert.

Mysteriöse Flight-Tracker-Anzeige

Rätselhafter Nato-Flug über dem Kreis Cuxhaven: Warum die Boeing hier Kreise zieht

von Kai Koppe

Kreisrund über dem Cuxland, dazu ein auffälliger Zickzackkurs über der Nordsee: Die Flugbewegungen einer Nato-Maschine und eines Hubschraubers sorgten für Rätsel. Was hinter den Routen steckt - und warum das "fliegende Auge" regelmäßig unterwegs ist.

Klare Tendenz

Emden oder Bremerhaven? Gerüchte um Marinehafen-Entscheidung mit klarer Tendenz

Im Tauziehen um den neuen Marinehafen an der Nordsee stehen Bremerhaven und Emden im Fokus. Die Entscheidung scheint inzwischen nah - mit einer klaren Tendenz. Was bisher bekannt ist.

Fahrer schwer verletzt

Rettungshubschrauber nach Unfall im Alten Land: Motorrad prallt gegen Transporter

von Redaktion

Im Alten Land ist ein Motorradfahrer bei einem Zusammenstoß mit einem Transporter schwer verletzt worden. Der Unfall ereignete sich am Montagabend auf der L140 in Hollern-Twielenfleth und führte zu einem Einsatz von Rettungskräften.