Emden oder Bremerhaven? Gerüchte um Marinehafen-Entscheidung mit klarer Tendenz
Im Tauziehen um den neuen Marinehafen an der Nordsee stehen Bremerhaven und Emden im Fokus. Die Entscheidung scheint inzwischen nah - mit einer klaren Tendenz. Was bisher bekannt ist.
Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) Mitte Juli 2026 bei seinem Besuch in Bremerhaven. Natürlich wollte jeder wissen, wo der neue Marinehafen an der Nordsee gebaut werden soll. Als Kandidaten mit guter Aussicht galten bislang Bremerhaven und Emden. "Die Entscheidung wird in den nächsten zwei bis drei Monaten fallen. Ansonsten gebe ich keine Wasserstandsmeldungen ab", betonte Pistorius. In seinem Ministerium ist in der Tat noch keine Entscheidung gefallen. Und noch mühen sich alle verantwortlichen Politiker aus dem Land Bremen, ihren Einfluss in Berlin zugunsten Bremerhavens geltend zu machen. Aber die Führung der Marine um Vizeadmiral Jan C. Kaack soll sich bereits für Emden ausgesprochen haben.
Bremerhaven hat viele Pluspunkte
Da es keine offiziellen Verlautbarungen gibt, lassen sich die Gründe für die Auswahl nur schwerlich nachvollziehen. Bremerhaven galt eigentlich als Top-Kandidat. Der Marinehafen sollte im Blexer Bogen gebaut werden. Hier gibt es bereits umfangreiche Vorplanungen für den Energy-Port, die eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren möglich machen. Dahinter liegen erschlossene Flächen auf dem ehemaligen Flugplatz Luneort. Da die Bundeswehr ihr Aufrüstungsprogramm schnell umsetzen will, galt der Faktor Zeit als besonders wichtig.
Weitere Pluspunkte Bremerhavens sind die bereits vorhandene militärische Präsenz durch die Marineoperationsschule, eine starke maritime Industrie, die für die Bundeswehr Fregatten baut und repariert, ein Hafen, der gerade mit Milliarden der Bundeswehr als Nato-Drehscheibe ausgebaut wird, eine breite Wissenschaftslandschaft sowie ausreichend Wohnraum und Infrastruktur für Soldaten und Zivilbeschäftigte. Also: Was fehlt Bremerhaven?
Sicherung der Nachschubwege auf See
Offenbar die richtige Lage. Im Krisenfall muss nicht nur ungeheuer viel Material und Personal der Alliierten über Bremerhaven nach Osteuropa geschleust werden. Das alles muss auch erst einmal den Nato-Hafen Bremerhaven erreichen. Und zwar über den Atlantik und den Ärmelkanal. Diese Seegebiete sind ein wichtiger Nachschubweg nach Europa. Und da die USA unter Präsident Trump offenbar darauf drängen, dass die Europäer selbst diese Absicherungen übernehmen sollen, ist die Bundesmarine künftig gefordert, mit ihren neuen Fregatten den wichtigen Seeweg vor U-Booten und anderen Kriegsschiffen zu schützen. Womöglich, so die Spekulationen, spricht für Emden einfach der Umstand, dass es westlicher und damit näher als Bremerhaven an dieser Zone liegt.
Schon länger wurde in Bremen erwartet, dass man nicht überall vorne liegen wird. 1,35 Milliarden Euro investiert das Verteidigungsministerium in Bremerhavens Hafen, und Bremen wird eine Außenstelle des Beschaffungsamtes bekommen, was ein großer Vorteil für die Bremer Rüstungsunternehmen bedeutet. Und dann auch noch den Marinehafen?
Im Hintergrund wird weiter verhandelt
Im Verteidigungsministerium ist noch keine Entscheidung gefallen. Deshalb wird im Hintergrund das Feld weiterhin von hochrangigen Politikern aus Bremen bearbeitet. Kann man Pistorius noch umstimmen? Kann Bremerhaven wenigstens einen zweiten, kleineren Stützpunkt bekommen? Aber die Lage ist schwieriger geworden. Nicht nur wegen der Entscheidung der Marine. Wenn tatsächlich VW in Emden das Werk schließen sollte, könnte Pistorius den niedersächsischen Freunden mit dem Marinehafen einen großen Gefallen erweisen.
Von Klaus Mündelein
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