Suche in Burweg: Soldaten der Fallschirmjägerkaserne der Bundeswehr in Seedorf besprechen sich, vor der Suche am Ufer der Oste. Foto: Philipp Schulze/dpa
Suche in Burweg: Soldaten der Fallschirmjägerkaserne der Bundeswehr in Seedorf besprechen sich, vor der Suche am Ufer der Oste. Foto: Philipp Schulze/dpa
Nichts wird unversucht gelassen

Arian (6) aus Bremervörde seit vier Tagen vermisst: Polizei stellt Suche auf null

25.04.2024

Die Suche im Wald bringt die Suchtrupps nach dem vermissten Arian aus Bremervörde trotz erster Spuren nicht weiter. Der Sechsjährige bleibt vermisst. Jetzt wird die Suche auf null gestellt.

Die Polizei spricht von einer ernsten Lage, hat aber noch immer Hoffnung auf ein glückliches Ende: Auch nach vier Tagen wird nichts unversucht gelassen, den autistischen Jungen aus Bremervörde-Elm zu finden, der seit Montagabend vermisst wird. Hunderte Einsatzkräfte sind weiterhin im Einsatz, die Suche ist bis ins rund zehn Kilometer entfernte Kranenburg im Kreis Stade verlagert worden. Ohne Erfolg.

"Wir glauben immer noch fest daran, dass wir Arian wohlbehalten finden können", sagte Polizeihauptkommissar Michael Butt am Donnerstag. Die Suche ist zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden.

Taucher der DLRG und Stader Feuerwehr in Tümpeln im Einsatz

Die Taucher der DLRG und der Stader Feuerwehr sind am Donnerstagmorgen nach Kranenburg alarmiert worden, um in drei Teichen nach dem verschwundenen Arian zu suchen. Auch ein Boot mit Sonar der DLRG Buxtehude war im Einsatz, berichtet Rainer Bohmbach, stellvertretender Stader DLRG-Bezirksleiter.

Eine Menschenkette sucht in einem der Teiche in Kranenburg nach dem Jungen. Foto: Braun/Feuerwehr Stade

Die Feuerwehrtaucher setzten erstmalig ihr neues Handsonargerät ein, mit dem man schnell einen vor dem Gerät liegenden Abschnitt absuchen kann und das Sonar eine mögliche Person unter Wasser anzeigt. Unterstützt von Mitgliedern der Ortsfeuerwehren Kranenburg, Düdenbüttel und Bremervörde wurde man in allen drei Gewässern nicht fündig. 

Taucher der DLRG Stade haben am Donnerstag in mehreren Teichen nach dem vermissten Jungen gesucht. Foto: DLRG Stade

Suche nach Arian: Ortsteil wird erneut durchkämmt

Nach Abschluss dieser Suche an der Oste wollten die Einsatzkräfte erneut den Ortsteil Elm und das Neubaugebiet, in dem Arian wohnt, durchsuchen. Es sollen nach Angaben eines Feuerwehrsprechers alle Schuppen und Garagen geöffnet und kontrolliert werden. Demnach sollen auch Mülltonnen durchsucht werden. Die Müllabfuhr für diesen Freitag sei abgesagt worden. Zudem sollten Gullydeckel geöffnet werden. Die Feuerwehr wollte über Lautsprecher über die geplanten Maßnahmen informieren.

Eine Hundeführerin hält einen Beutel mit Arians Schuhen für die Suchhunde in der Hand. Foto: Philipp Schulze/dpa

Michael Butt von der Bremervörder Polizei richtete sich am Donnerstag mit einer Ansprache an die Einsatzkräfte in der Sporthalle in Elm. Dafür, dass der Junge noch wohlbehalten aufgefunden werden könne, gebe es in der Vergangenheit einige Beispiele, hieß es in einer Mitteilung der Polizei weiter. Mit Abschluss der Suche an der Oste stellt die Polizei alles wieder auf null und beginnt noch einmal in der Ortschaft Elm.

Hunderte Einsatzkräfte versammelten sich in der Sporthalle in Elm. Foto: Polizei

Arian ist den Angaben zufolge Autist und reagiert nicht auf Ansprachen. Die Einsatzkräfte gingen davon aus, dass er sich nicht melden wird, wenn er Menschen in der Nähe bemerkt. Nach mehreren kalten Nächten hatte der Polizeisprecher von einer sehr ernsten Lage gesprochen. Die Polizei geht davon aus, dass der Junge sein Zuhause selbstständig verließ.

Suche nach Adrian im Kreis Stade: "Hier scheint er nicht zu sein"

Nach Tagen der Suche schien es erste vielversprechende Spuren zu geben. "Es wurden Fußspuren im Bereich der Oste gefunden, die eventuell ein Muster ergeben. Sie führen nordwärts in Richtung Kranenburg und darüber hinaus. Auch Mantrailer-Hunde haben am Mittwochabend in diesem Gebiet im Nachbarkreis Stade angeschlagen. Die Suche konzentriert sich nun auf Gebiete entlang des Flusses. Kranenburg liegt rund zehn Kilometer von Elm entfernt. Die näheren Elmer Waldgebiete wurden bereits akribisch abgesucht. Hier scheint er nicht zu sein", erklärte Polizeisprecher Heiner van der Werp am Nachmittag.

Polizeisprecher Heiner van der Werp berichtete am Donnerstag gegenüber vielen Medien über die Suchaktion. Foto: Pape

Da der Junge Wasser möge, sei es möglich, dass er am Fluss entlanggelaufen sei, hieß es von der Polizei. Am Vorabend hatten die Einsatzkräfte Fußspuren gefunden, die möglicherweise zu dem Jungen gehören könnten.

Viele Feuerwehrleute aus dem Kreis Stade unterstützen die Suche

Eine so große Suchaktion habe er noch nicht erlebt, sagt Feuerwehrsprecher Rolf Hillyer-Funke. Am Mittwoch hätten sich die Helfer aus dem Kreis vor allem von Gräpel aus in Richtung Hude bewegt, so der Sprecher.

Aus dem Kreis Stade im Einsatz seien abwechselnd vor allem die Feuerwehren Kranenburg, Estorf, Engelschoff, Hammah, Himmelpforten, Oldendorf, Mittelsdorf, Deinste, Aspe, Mulsum, Schwinge, Hagenah, Neuland, Gräpel und Burweg. Auch das Feuerwehrboot aus Gräpel und die Drohne aus Estorf würden bei der Suche eingesetzt.

Bundeswehr hilft bei Suche nach vermisstem Sechsjährigen

Bei der Suche unterstützte auch die Bundeswehr. Rund 250 Soldaten trafen mittlerweile ein. Dies sind laut Polizei Kräfte des Heers aus der Gemeinde Seedorf in Niedersachsen. Während der Suche setzten die Helfer Drohnen ein, einen Hubschrauber und ein Tornado-Flugzeug, das Luftaufnahmen mit einer Wärmebildkamera erstellte. Noch am Abend sollten rund 60 weitere Kräfte der Luftwaffe eintreffen.

Die Soldaten marschieren über den Deich. Foto: Philipp Schulze/dpa

Die Welle der Hilfsbereitschaft ist nach wie vor groß. Am Donnerstag kam beispielsweise ein Mann aus dem Landkreis Friesland nach Elm. "Ich möchte bei der Suche helfen. Ich habe mit meinem Hund geübt, wie er Menschen findet", erklärte der Mann der "Bremervörder Zeitung". Viele weitere Menschen möchten ebenfalls bei der Suche helfen.

Polizeisprecher Heiner van der Werp hat Verständnis für so viel Elan, bittet aber darum, sich nicht eigenständig auf die Suche nach dem Jungen zu begeben. "Die Einsatzkräfte gehen koordiniert vor. Da können private Suchkräfte womöglich die professionellen Mantrailer-Hunde stören", erklärte der Polizeisprecher. Die vielen Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundeswehr, DRK und DLRG seien nach wie vor hoch motiviert. "Wir geben nicht auf", betonte van der Werp. 

Autismus-Ambulanz informiert über Arians Besonderheiten

Es wurden bereits mehrere Schritte unternommen, um eine Spur zu dem Jungen zu bekommen. Beispielsweise wurde in der Nacht zu Donnerstag Feuerwerk abgebrannt, da der Junge auch dies möge, wie van der Werp sagte.

In einem Waldgebiet, das an das Wohnhaus der Familie des Jungen angrenzt, hängte die Feuerwehr auf Wunsch der Eltern Luftballons und Süßigkeiten auf. "Die haben es dem Jungen angetan", sagte ein Polizeisprecher. Im Wald positionierten die Helfer Wildkameras, die den Jungen entdecken sollen.

Ballons, Süßigkeiten und eine Wildkamera stehen auf einem Feld bei Bremervörde. Foto: Markus Hibbeler/dpa

Jutta Bertholdt von der Autismus-Ambulanz der Lebenshilfe Bremervörde-Zeven informierte die führenden Einsatzkräfte noch einmal intensiv über das Krankheitsbild Autismus. "Das Kind spürt wahrscheinlich weder Hunger noch Durst und empfindet womöglich keinen Schmerz. Er könnte weiterlaufen, bis er nicht mehr kann. Auch empfindet er kaum Ekel und könnte Wasser aus der Oste oder aus anderen Gewässern trinken", erklärte Bertholdt.

"Wir stehen in engem Kontakt mit der Familie", sagte van der Werp. Die Familie werde professionell betreut.

Überwachungskamera filmt Arians Verschwinden

Um über ein Ende der Suchaktion zu sprechen, sei es noch zu früh, betonte die Polizei. Aufgrund der niedrigen Temperaturen und der vergleichsweise leichten Bekleidung Arians - er trug einen Pullover, aber keine Jacke - beschrieb die Polizei die Lage als sehr ernst.

Am Mittwoch hatte die Polizei mitgeteilt, dass der Junge am Montag gegen 19.15 Uhr von einer privaten Überwachungskamera in seinem Wohngebiet gefilmt wurde. "Mit den Aufnahmen haben sich alle Angaben der Familie bestätigt", sagte der Polizeisprecher. Demnach ging Arian allein durch das Wohngebiet, in dem er lebt. Nach Einschätzung der Polizei bestätigt das die Annahme, dass der Junge allein verschwunden ist.

Unterdessen wurden neue Details zu den Aufnahmen der Überwachungskamera bekannt: Es sei zu sehen, dass Arian einen Stock mit sich führte, mit dem er auf der Straße herumgewedelt und gespielt habe. Dann sei er recht zügig Richtung Wald gelaufen, fast gerannt, sagte der Polizeisprecher.

Von dem Viertel, in dem der Sechsjährige wohnt, führt eine kleine unbefestigte Straße an einem Rapsfeld vorbei zu einem Wald. Die Polizei hielt es für möglich, dass der Sechsjährige dorthin ging.

Die Helfer hängten bei der Suche auch Luftballons und Schokolade auf in der Hoffnung, so den Jungen zu finden. Laut Feuerwehr durchkämmten Kräfte das Gebiet entlang der Oste in nördliche Richtung.

Seelsorger sind in Bremervörde im Einsatz

Notfallseelsorger aus dem Evangelischen Kirchenkreis Bremervörde-Zeven begleiten die Familie seit Montagnacht in dieser schwierigen Situation. Viele sind von Angst und Sorge um Arian erfüllt. Die Evangelische Kirche will in dieser Zeit der Ungewissheit und Sorge für die Menschen da sein. Wie Superintendent Carsten Stock mitteilte, wird die Elmer Kirche ab Donnerstag für alle geöffnet.

Hier soll ein Ort sein, um zur Ruhe zu kommen, still zu gedenken und zu beten. Niemand muss mit seinen Ängsten und Sorgen alleine sein, heißt es dazu in einer Mitteilung. Von 17 bis 19 Uhr stehen Pastorin Petra Lemmel und Pastor Simon Laufer auch für Gespräche zur Verfügung.

Auch am Freitag soll die Kirche geöffnet werden - die genaue Uhrzeit wird noch bekannt gegeben. Fest steht bereits: Auch am Freitag gibt es die Möglichkeit zum Gespräch, von 17 bis 19 Uhr. Am Samstag ist ebenfalls geplant, die Kirche zu öffnen.

Für die Grundschule Engeo, die Arians Bruder besucht, stehen Diakonin Edda Nolte und Pastor Markus Stamme als Ansprechpartner zur Verfügung. Eventuell bietet die Kirche in den Folgetagen auch in anderen Gemeinden Angebote zu stillem Gedenken, Gebet und Gespräch an. Darüber, so heißt es, wolle man fortlaufend informieren.

Superintendent Carsten Stock teilt mit: "An verschiedenen Stellen habe ich erlebt, dass für Arian, die Familie und Freunde, Einsatzkräfte und die Elmer Bevölkerung gebetet wird. Schließen Sie bitte alle Beteiligten weiterhin in Ihre Gebete ein, gerne auch in die Fürbitten am Sonntag." (dpa/vdb/fe/tip/bz)

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