Bauarbeiten am Deichbrand-Gelände: Fans müssen längere Wege zum Infield einplanen
Rund um das Deichbrand-Gelände (Kreis Cuxhaven) wird gebaut: Baumstämme stapeln sich, Archäologen untersuchen den Boden. Das Infield bleibt zwar unangetastet - doch beim Camping und bei den Wegen für Fans könnte sich in diesem Jahr einiges ändern.
Eigentlich ist es im Wanhödener Industrie- und Gewerbegebiet am Flughafen Cuxhaven-Nordholz ruhig um diese Jahreszeit. Doch in den zurückliegenden Wochen wurde mächtig geackert. Bis zum letzten Februartag rollten Harvester durch den Wald, wo sich künftig Gewerbe ansiedeln soll.
Die Holzerntemaschinen arbeiten schnell und effektiv. Hektar für Hektar Mischwald haben sie gefällt, entastet, sortiert. Am Ende werden es rund acht Hektar sein, die für die Pläne der Gemeinde Wurster Nordseeküste, das Industriegebiet am Flughafen zu erweitern, weichen müssen. Im Gegenzug soll Wald an anderer Stelle aufgeforstet werden.

Naturschutzfachliche Begehung vor Rodungsbeginn
Den Fällarbeiten ist ein Waldumwandlungsverfahren vorangegangen. "Das Regionale Raumordnungsprogramm schreibt uns vor, dass zwischen Bebauung und Waldrand 100 Meter liegen müssen", erklärt Bürgermeister der Gemeinde Wurster Nordseeküste, Jörg-Andreas Sagemühl, den Grund.
Unmittelbar vor Beginn der Rodungsarbeiten sei zudem eine artenschutzrechtliche Begehung durchgeführt worden. Dabei seien keine Einwände gegen das Vorhaben aufgetaucht.
Der Bürgermeister weiß, dass die Baumfällarbeiten trotzdem nicht bei allen gut ankommen. "Ich kann das nachvollziehen", sagt er, "aber hier sind wir in einem Industriegebiet."
Industriegebiet existiert bereits mehr als 20 Jahre
Vor mehr als 20 Jahren hatte die Gemeinde Nordholz eine sechs Hektar große Fläche als Industriegebiet ausgewiesen und erschlossen. Viele Jahre lang erschien das überdimensioniert - angesichts des Betonwerks und einer Halle, die die Deichbrand-Veranstalter gebaut hatten.
Weil dem benachbarten Militärflugplatz durch Putins Krieg gegen die Ukraine eine viel größere Bedeutung beigemessen wird, wird der Nordholzer Marinefliegerstützpunkt aufgerüstet. Neue Hubschrauber und neue Flächenflugzeuge sind bereits vor Ort oder werden noch geliefert. Damit diese schnell gewartet und repariert werden können, wollen sich Betriebe auf dem benachbarten Industriegelände ansiedeln.

Weil das Fluggerät hier auf kurzen Wegen zwischen Marinefliegern und Gewerbegebiet geschleppt und nicht geflogen wird, ist das nicht nur wirtschaftlich, sondern aus Sicht der Gemeinde auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sinnvoll.
Gemeinde will möglichst viel Fläche hinzugewinnen
Nach Auskunft des Bürgermeisters gibt es derzeit so viele Interessenten, dass die Gemeinde ihr Gewerbegebiet vergrößern muss, um alle berücksichtigen zu können. Acht Hektar sind zu den bereits erschlossenen sechs Hektar bislang ausgewiesen.
Doch die Gemeinde möchte alles überplanen, was zur Verfügung steht, und insgesamt bis zu 25 Hektar bereitstellen. "Wir haben den ganzen Bereich inklusive des Waldes überplant, um möglichst viel Fläche zu gewinnen", sagt Sagemühl.

Die dafür erforderlichen Beschlüsse hat die Gemeinde bereits gefasst. Herr des Bauleitverfahrens ist aber der Landkreis. Laut Sagemühl müssen noch viele Dinge abgearbeitet werden, ehe Baugenehmigungen für den noch nicht erschlossenen Bereich erteilt werden können.
Airbus möchte Wartungswerk 2028 in Betrieb nehmen
Die Zeit drängt. Airbus, das einzige Unternehmen, das seine Werkspläne für Wanhöden bislang öffentlich bekannt gegeben hat, will auf die Erweiterungsfläche ziehen. Der Konzern möchte seinen Helikopter-Wartungsstützpunkt mit voraussichtlich über 100 Mitarbeitern 2028 in Betrieb nehmen.

Ob das zu schaffen ist? "Das ist nach wie vor sportlich", sagt Sagemühl und verweist darauf, dass es am Ende der Landkreis ist, der die Baugenehmigung erteilt. "Aber es ist durchaus realistisch, wenn wir in dem Tempo weiterarbeiten wie bisher."
Infield des Deichbrand-Festivals bleibt am alten Standort
Aktuell liegen unzählige Baumstämme wie eine Mauer am Rande des Areals - dort, wo im Sommer die Deichbrand-Fans vom Greencamp zum Infield strömen. Das Herzstück der Rockcity Wanhöden mit seinen zahlreichen Bühnen und Gastroständen bleibt davon aber unberührt.
Was sich ändert, sind einige angrenzende Campingflächen. Das Greencamp wird in diesem Jahr allenfalls in einer verkleinerten Version zur Verfügung stehen. Und auf dem ehemaligen Camp Central türmen sich Erdhäufchen zwischen abgeschälten Grasstreifen. Hier wird der Boden gerade auf archäologische Funde untersucht, berichtet Gemeindebürgermeister Jörg-Andreas Sagemühl (CDU).
Keine Gefahr für Deichbrand, nur längere Wege zum Infield
Mehrere Unternehmen beabsichtigen, sich auf der bereits erschlossenen Fläche anzusiedeln. Namen nennt Sagemühl noch nicht. Doch er geht davon aus, dass er in Kürze mehr sagen kann.
Die Festivalveranstalter, so Sagemühl, würden über ausreichend Ersatz-Campingflächen verfügen. "Vielleicht sind die Wege vom Campingplatz zum Infield künftig zum Teil etwas länger, aber das sind sie auf anderen Festivals auch."
Von Heike Leuschner