Blaulicht-Gespräch in Cuxhaven: Bevölkerungsschutz vor neuen Herausforderungen
In den vergangenen Monaten gab es mehrere Blaulicht-Gespräche in Cuxhaven und im Landkreis. Auch Innenministerin Daniela Behrens nahm kürzlich teil. Hybride Bedrohungen und Gefahren für kritische Infrastruktur machen den Austausch unerlässlich.
Feuer, Unfälle, Sturmfluten und Hochwasser gehören zum Alltag vieler Einsatzkräfte. Doch die Herausforderungen für den Bevölkerungsschutz werden größer. Klimawandel, hybride Bedrohungen, mögliche Versorgungsengpässe und die Rückkehr der Zivilschutzplanung verändern die Anforderungen an Feuerwehr, THW, DLRG, DRK, Johanniter, Polizei und weitere Organisationen. Darüber sprach Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens beim Blaulicht-Gespräch in den Räumen des DRK in Cuxhaven.
Vertreter der verschiedenen Hilfsorganisationen kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Probleme zu diskutieren. Zu Beginn hielt Tim Fritsche, seit dem 1. Februar 2026 Regierungsbrandmeister, einen Vortrag über die aktuelle Lage und Herausforderungen. Anschließend stellte sich Daniela Behrens den Fragen der "Blaulicht-Familie".
"Wir können gar nicht genug darüber reden"
"Die neuen Gefahrenlagen nehmen erheblich zu und fordern das Ehrenamt auf ein nie dagewesenes Level", sagte die Ministerin. Die bekannten Einsatzlagen blieben bestehen. Gleichzeitig kämen neue Sicherheitsfragen hinzu. Dazu gehören etwa Drohnen, Spionage und Sabotage.
Gerade die kritische Infrastruktur rückt dabei stärker in den Fokus. Für Cuxhaven gilt das insbesondere mit Blick auf den Hafen. Hybride Bedrohungen könnten darauf abzielen, wichtige Strukturen auszuspionieren, zu stören oder zu sabotieren. Auch die Verbreitung von Falschmeldungen und die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Wahrnehmung gehören dazu. "Wir können gar nicht genug darüber reden, um die Basis der Zusammenarbeit zu stärken", sagte Behrens.
Gleichzeitig muss sich der Katastrophenschutz auf die Folgen des Klimawandels einstellen. Gewitter, Hagel und Starkregen können ebenso zu großen Einsatzlagen führen wie Sturmfluten, Stürme oder starker Schneefall.
Hinzu kommen mögliche Versorgungsmangellagen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hätte gezeigt, welche Bedeutung etwa die Frage einer ausreichenden Gasversorgung bekommen kann. Eine Mangellage würde nicht nur die Wärmeversorgung betreffen. Auch Industrie, Landwirtschaft und Tierhaltung wären betroffen.

Redundanzen sollen aufgebaut werden
Die verschiedenen Szenarien könnten zudem gleichzeitig auftreten. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen: Der Bevölkerungsschutz muss auf mehr mögliche Krisen vorbereitet sein, ohne dass automatisch mehr Personal zur Verfügung steht.
Eine Frage, die die meisten Teilnehmer beschäftigte, war die nach den verfügbaren Helfern im Ernstfall. Viele Ehrenamtliche haben mehrere Aufgaben. Ein Feuerwehrmitglied kann beispielsweise zugleich beim THW aktiv sein. Andere Helfer sind Soldaten oder arbeiten in der kritischen Infrastruktur. Im Ernstfall können diese Menschen an unterschiedlichen Stellen gebraucht werden oder gar nicht erst vor Ort sein.
Eine flächendeckende zentrale Datenbank, in der solche Mehrfachmitgliedschaften erfasst werden, gibt es nicht. Behrens sieht ein solches Register auch nicht als zwingende Lösung. Stattdessen müssten die Organisationen selbst in Erfahrung bringen, welche Helfer möglicherweise noch andere Aufgaben haben.
Denn wenn mehrere Organisationen auf dieselben Personen zurückgreifen oder Helfer wegen ihrer beruflichen Tätigkeit nicht zur Verfügung stehen, können Lücken entstehen. Bestimmte Einheiten könnten dann personell zu stark, andere dagegen zu schwach besetzt sein.
Deshalb müssten nach den Vorstellungen der Ministerin Redundanzen aufgebaut werden. Der Katastrophenschutz müsse damit rechnen, dass im Ernstfall nicht jeder eingeplante Helfer tatsächlich zur Verfügung steht. "Wir sind noch weit davon entfernt eine Lösung für diese Frage präsentieren zu können", sagte die Ministerin.
Bevölkerung soll besser vorbereitet sein
Eine größere Rolle soll deshalb auch die Bevölkerung selbst übernehmen. Der Katastrophenschutz kann sich bei einer größeren Lage zunächst nicht um alle Menschen gleichzeitig kümmern. Gefahrenschwerpunkte, wichtige Schutzziele und besonders gefährdete Gruppen müssen zuerst versorgt werden.
Die Landesregierung will deshalb die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung stärken und eine entsprechende Bevölkerungsschutzkampagne aufbauen. Menschen sollen stärker für mögliche Gefahren sensibilisiert und zugleich für ein Engagement im Katastrophenschutz gewonnen werden.
Dabei geht es um einfache Maßnahmen: einen Notvorrat anlegen, Warnungen beachten, Erste-Hilfe-Kenntnisse erwerben und im Ernstfall auch die Nachbarschaft unterstützen. "Eine gute Eigenvorsorge entlastet die Rettungskräfte und hilft dabei, die ersten Tage einer Krise zu überbrücken", so Behrens.
Das Blaulicht-Gespräch zeigte damit vor allem eines: Der Bevölkerungsschutz muss sich auf eine Welt einstellen, in der nicht mehr nur die nächste Sturmflut oder das nächste Hochwasser geplant werden muss. Die Einsatzkräfte müssen mit hybriden Bedrohungen, Angriffen auf kritische Infrastruktur und einer möglichen militärischen Lage rechnen.
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