Nach Wolfsrissen im Kreis Cuxhaven: Forderung nach Abschuss ganzer Rudel wird lauter
Claus Seebeck stapft durch den Schnee des Cuxlands und spricht Klartext: Trotz Zäunen und Herdenschutzhunden wurden erneut Schafe gerissen. Für den CDU-Landtagsabgeordneten ist klar: Die bisherigen Schutzmaßnahmen greifen nicht mehr.
Claus Seebeck wandert durch das verschneite Cuxland. "Neues Jahr, alte Probleme", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete aus Flögeln beim Gehen in seine Handy-Kamera. Wie man das heute eben so macht. Sein Tonfall ist ernst. "Wieder haben die Wölfe bei uns im Cuxland zugeschlagen", sagt Claus Seebeck in dem Video, das er später im Internet veröffentlichen wird.
Schafe in Flögeln wurden trotz Schutz getötet
In Flögeln wurden sieben Schafe getötet. Nach erster Einschätzung eines Wolfsexperten handelt es sich um einen Wolfsriss. Und das, obwohl der Schäfer nicht nur vermeintlich wolfsabweisende Zäune errichtet hatte, sondern sogar zwei Herdenschutzhunde auf der Weide hält. Doch selbst die beiden Spezialhunde konnten den oder die Wölfe offenbar nicht abwehren.
"Das bedeutet, dass das Ganze eine ganz neue Dimension erhält, weil die vom Land geförderten Schutzmaßnahmen nicht mehr helfen", sagt der Politiker. "Unser Landkreis ist trauriger Spitzenreiter in Niedersachsen." So wurden 2024 im Cuxland 52 Wolfsangriffe registriert, bei denen 147 Nutztiere getötet wurden.

Die Schlussfolgerung von Claus Seebeck: "Wir müssen diese Wölfe entnehmen. Am besten das ganze Rudel." Denn die Gefahr, die hier von den Raubtieren ausgeht, sei den Menschen nicht mehr zu vermitteln.
In der Verantwortung sieht der CDU-Politiker vor allem die rot-grüne Landesregierung in Hannover. "Ich fordere Umweltminister Christian Meyer und Ministerpräsident Olaf Lies noch mal auf, dem Grauen endlich ein Ende zu setzen, damit unsere Weidetiere und unsere Weidetierhalter endlich geschützt werden", sagt Claus Seebeck. Problemwölfe sollten schnell und unbürokratisch entnommen werden können.
Nach gerissenen Schafen im Kreis Cuxhaven: Darf ein ganzes Wolfsrudel gejagt werden?
Doch ist das so einfach? Normalerweise werden Ausnahmegenehmigungen für den Abschuss von Wölfen meist für einzelne Tiere erteilt. Aber: In der Vergangenheit ist es in Niedersachsen auch schon vorgekommen, dass mehrere Tiere gejagt werden durften.
So wurden im Frühjahr 2022 bei Neuhaus zwei Wölfe eines Rudels legal getötet. Ziel sollte allerdings nicht die Ausrottung des gesamten Rudels sein. Eine Genehmigung vom Herbst 2023 für den Abschuss mehrerer Tiere im Raum Hannover wurde hingegen nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts wieder zurückgenommen.
Die Fälle zeigen: Ein Abschuss mehrerer Wölfe eines Rudels ist möglich, aber nicht einfach durchzusetzen. Zumal sich die Rechtslage seitdem geändert hat und die Gesetze derzeit gerade wieder angepasst werden.
So hatte Umweltminister Christian Meyer (Grüne) die Einführung einer Ausnahmeregelung für einen Schnellabschuss im Bund mit vorangetrieben. Im Oktober hat dann der Landesbetrieb für Naturschutz eine solche neue Ausnahmeregelung für den Landkreis Cuxhaven erteilt.

Sie galt drei Wochen lang für den nächstbesten Wolf im Territorium Nordholz. Dort gab es in diesem Jahr bereits neun Risse. Und dort lebt die Problemwölfin GW2841f, der im vergangenen Jahr die meisten Angriffe im Cuxland zugeordnet werden konnten. In Flögeln wurde sie bisher allerdings noch nicht nachgewiesen.
Die Abschussgenehmigung wurde zwar von Gerichten gegen Einsprüche bestätigt. Ein Wolf konnte innerhalb der Frist von drei Wochen im Landkreis Cuxhaven allerdings nicht erlegt werden.
Wie geht es mit dem Jagdgesetz weiter?
Der Gesetzgebungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Nachdem die EU den Schutzstatus des Wolfs gesenkt hat, diskutiert der Bundestag derzeit über einen Entwurf zur Änderung des Jagd‑ und Naturschutzrechts. Dabei soll der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden, um die Jagd auf Wölfe zu erleichtern. Aus dem Bundesumweltministerium heißt es: "Wichtig ist: Der Wolf darf bleiben. Es geht nicht darum, den Wolf wieder zu vertreiben, sondern um gangbare Wege, friedlich mit ihm zu leben."
Konkret wird der Gesetzesentwurf am 16. Januar zur ersten Lesung in den Bundestag eingebracht. Danach wird er im Umweltausschuss diskutiert. Dann folgen weitere Lesungen im Bundestag, bis der Gesetzentwurf schließlich verabschiedet wird und in Kraft tritt - voraussichtlich im Frühjahr oder Sommer.
Wölfe reißen immer wieder Schafe: Claus Seebeck drängt auf schnelles Handeln
Dem Landtagsabgeordneten Claus Seebeck dauert das offenbar alles zu lange. Sein Video endet mit den Worten: "Aufhören zu schnacken! Machen! Jetzt!"
Wobei der CDU-Politiker seine Forderungen nur an die rot-grüne Landesregierung in Hannover richtet. Die CDU/SPD-Bundesregierung in Berlin, die derzeit das Jagdrecht überarbeitet, kritisiert er hingegen nicht.
Von Jan Iven