Eine Menge Zeugen: Viele Kunden der mutmaßlichen Botox-Betrügerin aus Bremerhaven sagen vor dem Landgericht Bremen aus. Foto: Schuldt
Eine Menge Zeugen: Viele Kunden der mutmaßlichen Botox-Betrügerin aus Bremerhaven sagen vor dem Landgericht Bremen aus. Foto: Schuldt
Gerichtsprozess

Botox-Skandal in Bremerhaven: Kundinnen klagen über Taubheitsgefühle und Schwellungen

09.07.2026

Im Gerichtsverfahren gegen die Inhaberin eines Bremerhavener Kosmetikstudios schildern weitere Zeuginnen ihre Erfahrungen. Die Eingriffe führten teils zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen wie Gesichtslähmung.

Der Prozess gegen die Inhaberin eines Kosmetikstudios aus Bremerhaven geht weiter. Sie wird wegen 148 Fällen der schweren Körperverletzung in Tateinheit mit Betrug angeklagt. Grund dafür: Sie soll Botox- und Hyaluronunterspritzungen durchgeführt haben, ohne die Zulassung dafür zu besitzen. Zudem steht der Verdacht im Raum, dass die Substanzen illegal auf dem Schwarzmarkt erworben wurden.

Eine Zeugin klagt, auch drei Jahre später noch, über Knötchen und ein Taubheitsgefühl in den Lippen. Zwar wurde sie im Studio beruhigt, doch die Realität sieht anders aus. Sie habe harte Knoten, das Gewebe sei bis heute taub, schilderte sie. Beim Trinken von Heißgetränken verbrenne sie sich regelmäßig, weil das Gefühl fehlt.

Werbung, Diplome und Zertifikate wirkten seriös auf Kunden

Besonders perfide: Die Angeklagte täuschte offenbar systematisch medizinische Expertise vor. Mehreren Kundinnen erzählte sie, sie sei Krankenschwester, einer anderen spiegelte sie ein sechsjähriges Medizinstudium und Arbeit in der Intensivmedizin vor. Im Studio hingen zahlreiche Diplome und Zertifikate aus. "Wenn man diese Werbung und Zertifikate sieht, geht man davon aus, dass alles echt ist", fasste es eine weitere Geschädigte zusammen. Bezahlt wurde ausschließlich bar oder per PayPal, Quittungen gab es nie.

Als die Ermittlungen anliefen, begann der psychische Druck. Der Mann der Angeklagten habe Zeuginnen zu Falschaussagen gedrängt - sie sollten angeben, es seien nur "Beratungsgespräche" gewesen. Als eine Kundin wegen anhaltender Schwellungen einen plastischen Chirurgen aufsuchte und die Angeklagte mit der fehlenden Zulassung konfrontierte, flog sie hochkant aus dem Studio. Es folgten Androhungen von Klagen wegen Unterstellung und WhatsApp-Nachrichten voller Vorwürfe: Die Kundin sei "einfach alt und habe Narben", ein Behandlungsfehler liege nicht vor.

Illegale Botox-Behandlungen: Die Angeklagte hat auf die Kunden, denen sie Botox oder Hyaluron injiziert hat, einen seriösen Eindruck gemacht. Foto: Hildenbrand

Wie gefährlich die illegalen Eingriffe im Detail waren, zeigt die Aussage einer weiteren Zeugin, die ab Mai 2022 Kundin war. Nach einer Botox- und Hyaluronbehandlung im vergangenen November befand sie sich in keinem guten Zustand: "Nach drei Stunden setzten Schwellungen ein, mir ging es gar nicht gut." Am Folgetag war das Auge geschwollen, auch Schwindel und Schmerzen traten auf. Die Angeklagte tat dies per Nachricht ab: Die Kundin solle Ibuprofen nehmen und Wasser trinken.

Der anschließende Ärztemarathon offenbart das ganze Drama: Ein Hausarzt vermutete eine Infektion und verschrieb Antibiotika. Schließlich hing der Zeugin der Mundwinkel herunter. "Man dachte, ich hätte einen Schlaganfall", berichtete sie. Ein Neurologe vermutete schließlich, dass die Angeklagte offenbar einen Nerv bei der Kundin getroffen haben könnte.

Gewünschter Effekt der Behandlungen blieb teilweise aus

Erst die Injektion von Hylase - ein Enzym, das das Hyaluron auflöst - rettete die Situation teilweise. Bis Ende April konnte die Frau nicht richtig lachen oder trinken, das Gesicht läuft bei hohem Blutdruck bis heute heiß an. "Das hat mich psychisch fertiggemacht. Man schaut in den Spiegel, muss Gesichtsübungen machen und fragt sich ständig, was die anderen denken."

Dass der gewünschte Effekt der Behandlungen häufig komplett ausblieb oder in extremen, tagelangen Schwellungen endete, bestätigten auch die übrigen Zeuginnen. Eine Kundin, die lediglich ihre Lachfalten mit Hyaluron füllen lassen wollte, ging komplett leer aus - der gewünschte Effekt blieb weg. Ein Urteil ist bislang noch nicht in Sicht. Der Prozess wird an den kommenden Verhandlungstagen fortgesetzt.

Von Feenke Hornborstel

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