Kosmetikstudio-Inhaberin aus Bremerhaven vor Gericht: 148 Fälle von Botox-Betrug?
In Bremerhaven steht eine Kosmetikstudio-Inhaberin vor Gericht. Es geht um Botox-Betrug und Körperverletzung in Behandlung. Deshalb sitzt sie aktuell sogar in Untersuchungshaft. Kundinnen berichten von gesundheitlichen Problemen.
Vollere Lippen, glattere Haut: der Wunsch vieler Frauen. Erfüllt wird dieser oft in Kosmetikstudios. Doch die Inhaberin eines solchen Salons in Bremerhaven muss sich derzeit vor dem Landgericht Bremen verantworten. Der Frau werden zahlreiche Straftaten im Zusammenhang mit kosmetischen Behandlungen vorgeworfen. Die Angeklagte befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.
Im Zentrum des Verfahrens steht der Vorwurf, die Angeklagte habe in ihrem Kosmetikstudio über einen längeren Zeitraum Unterspritzungen mit Hyaluronsäure und Botulinumtoxin angeboten und vorgenommen, obwohl sie dazu nicht berechtigt gewesen sein soll. Sie habe gegenüber Kunden den Eindruck erweckt, die erforderliche Qualifikation und Erlaubnis für diese Eingriffe zu besitzen. Tatsächlich habe diese Berechtigung aber nicht vorgelegen.

Botox-Behandlungen: 148 Fälle von Körperverletzung in Tateinheit mit Betrug
Nach Angaben des Landgerichts Bremen werden der Studio-Inhaberin für den Zeitraum vom 28. Mai 2022 bis zum 28. Dezember 2025 insgesamt 148 Fälle der Körperverletzung in Tateinheit mit Betrug zur Last gelegt. In 49 dieser Fälle soll sie zudem gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben.
Ermittelt wurde unter anderem wegen des Verdachts der unerlaubten Ausübung der Heilkunde, möglicher Verstöße gegen das Arzneimittelrecht sowie wegen Körperverletzungsdelikten. Das Studio soll im Zuge der Ermittlungen auch durchsucht worden sein, um weitere mögliche Zeugen zu finden.
Beschwerden gegen Kosmetikstudio-Inhaberin von ehemaligen Kundinnen
Öffentliches Aufsehen hatte der Fall auch durch Berichte ehemaliger Kundinnen in sozialen Netzwerken erregt. Dort schilderten mehrere Frauen Beschwerden nach Behandlungen, darunter Schwellungen, Knötchen, Hämatome und weitere gesundheitliche Probleme. Ob und in welchem Umfang diese Schilderungen einzelnen angeklagten Taten zuzuordnen sind, ist Gegenstand des laufenden Verfahrens.
Auch in den sozialen Netzwerken werden weitere schwere Vorwürfe gegen die Studio-Inhaberin erhoben. Mehrere Nutzerinnen berichten dort, nach negativen Erfahrungen unter Druck gesetzt oder bedroht worden zu sein. Eine Frau schreibt, sie habe nach einer Google-Bewertung Drohungen erhalten. Eine andere gibt an, der Ehemann der Inhaberin habe sie mehrfach angerufen und versucht, sie zu einer Falschaussage zu bewegen. Eine weitere Nutzerin veröffentlichte ein Foto ihres Gesichts und berichtet, sie sei zweimal in dem Studio behandelt worden. Beide Unterspritzungen seien nach ihrer Darstellung misslungen.
Google-Bewertungen des Kosmetikstudios in Bremerhaven sind durchweg positiv
Ein anderes Bild zeichnen dagegen die Google-Bewertungen des Studios: Dort fallen die Rezensionen nahezu durchweg positiv aus. Bei maximal fünf Sternen erreicht das Studio eine Bewertung von 4,9 Sternen. Viele Kundinnen und Kunden äußern sich zufrieden mit den Behandlungen. Inzwischen wurde die Bewertungsfunktion jedoch deaktiviert, neue Rezensionen können momentan nicht mehr veröffentlicht werden.
Das betroffene Studio ist derzeit geschlossen. Vor dem Landgericht Bremen wird der Prozess in den kommenden Tagen fortgesetzt: Für den 3. und den 7. Juli 2026 sind nach Gerichtsangaben weitere Verhandlungstage angesetzt, an denen Zeuginnen und Zeugen vernommen werden sollen. Dann dürfte sich auch genauer zeigen, wie die Angeklagte die gegen sie erhobenen Vorwürfe entkräftet - und welche Rolle die Aussagen ehemaliger Kundinnen für die Beweisführung spielen werden.
Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
Von Feenke Hornbostel
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