Hier sollen 18 Anlagen stehen: Windpark-Ärger um Rittergut Niendieck in Geversdorf
Weite Wiesen, stille Landschaft, ein Gebäude mit Geschichte: Das Rittergut Niendieck in Cadenberge-Geversdorf wirkt wie aus der Zeit gefallen. Doch genau hier sind 18 Windanlagen geplant. Die Gutsbesitzer fürchten um den Charme ihres Anwesens.
Wenn Günter Holzheu im Café des Ritterguts Niendieck aus dem Fenster blickt, sieht er Windräder. Vertraut wirken sie noch immer nicht, auch wenn sie längst Teil seines Alltags geworden sind. "Vor allem nachts hören wir sie", sagt der aus Altenbruch stammende Gutsbesitzer. "Das ist wie ein Brummen auf dem Flughafen."
An die bestehenden Windräder hat er sich im Laufe der Zeit gewöhnt. Doch die nächste Veränderung kündigt sich bereits an: Auf Flächen hinter dem Rittergut, die zu den Gemeinden Cadenberge, Wingst und Oberndorf zählen, soll ein weiteres Windanlagenfeld entstehen - der Windpark Voigtding-Geversdorf. Insgesamt 18 Anlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern sind dort geplant.

Die Pläne sind nicht neu. Schon seit 2017 verfolgen Flächeneigner und Projektierer entsprechende Planungen für die Nutzung der Flächen. Immer wieder gab es Verzögerungen. Jetzt kommt Bewegung in die Sache: In seiner Sitzung am Donnerstag, 9. April 2026, will der Gemeinderat Cadenberge den Plänen seinen Segen geben und gleichzeitig eine Änderung des Flächennutzungsplans anschieben. Gleiches soll im Oberndorfer Rat passieren. Die Gemeinde Wingst hat bereits zugestimmt. "Bei all diesen Beratungen und Beschlüssen werden immer auch die Anmerkungen der Bürgerinnen und Bürger abgewogen und im Rahmen der Interessenabwägung in den Räten bewertet", betont Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule.
Initiatoren erhoffen sich Rückenwind für ihr Projekt
Die Initiatoren des Windparks erhoffen sich mit diesen Ratsbeschlüssen Rückenwind für ihr Projekt, das beim Landkreis Cuxhaven derzeit noch feststeckt. Auf seiner Karte für mögliche Windpark-Standorte im Rahmen des Regionalen Raumordnungsprogramms hat der Kreis den Windpark Voigtding-Geversdorf (noch) nicht als Potenzialfläche für die Aufstellung von Windrädern ausgewiesen. Frank Thielebeule kündigte gegenüber cnv-medien.de an, "die Gespräche mit dem Landkreis zu intensivieren und die Möglichkeiten einer Realisierung weiter auszuloten".

Günter Holzheu sieht nur geringe Chancen, den Windpark-Bau noch aufzuhalten. "Aber die Hoffnung stirbt zuletzt", erklärt der Gutsbesitzer und betont die Gefahren für die Tierwelt sowie die negative Wirkung auf das historische Erscheinungsbild. Seine Frau Renate und er machen sich auch Sorgen um den Café- und Veranstaltungsbetrieb auf ihrem Anwesen. "Das hat möglicherweise Auswirkungen auf die Besucherzahlen."
Die Altenbrucher haben das Anwesen mit Herrenhaus aus rotem Backstein und parkähnlichem Garten im Jahr 2005 erworben, es nach und nach aus dem Dornröschenschlaf erweckt und zum Veranstaltungs- und Begegnungszentrum ausgebaut.
Jeder Winkel des Hauses haucht Geschichte. Das frühere Rittergut Niendieck befand sich einst im Besitz des Adelsgeschlechts von Katte (Katte = Katze), das im 16. und 17. Jahrhundert von großer Bedeutung an der Oste war. Nachdem das ursprüngliche Gebäude 1895 durch einen Brand zerstört worden war, wurde das heutige Gebäude 1905 im Stil der Gründerzeit errichtet. "Die Gäste sind immer sehr interessiert an der Geschichte", erzählt Günter Holzheu. Das Anwesen umfasst immerhin 6000 Quadratmeter - da gibt es viel zu sehen. Sowohl von außen als auch von innen.

Sollte der Windpark hinter dem Rittergut tatsächlich realisiert werden, erwarten die Holzheus und andere Anwohner eine "Wiedergutmachung" in Form einer finanziellen Beteiligung. Das sei auch gesetzlich so vorgesehen, betont Günter Holzheu: Das im April 2024 verabschiedete niedersächsische Windgesetz verpflichtet Betreiber von Wind- und PV-Anlagen, Anwohner im Umkreis von 2,5 Kilometern finanziell zu beteiligen.
Wingst sieht Windparkprojekt positiv
Die Gemeinde Wingst betrachtet nach jüngstem Ratsbeschluss das Windparkprojekt Voigtding-Geversdorf mit insgesamt 18 Anlagen ausdrücklich positiv. Sie bittet die zuständige Samtgemeinde Land Hadeln, den Flächennutzungsplan dementsprechend zu ändern. Im Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms beim Landkreis Cuxhaven ist allerdings dieses Gebiet nicht als Windpark vorgesehen.
16 Standorte für diese der geplanten Anlagen liegen in Wingst-Voigtding. Jeweils ein Standort ist in Geversdorf und in der Gemeinde Oberndorf. Die Gemeinde Wingst hegt den ausdrücklichen Wunsch, dass diese Fläche beplant wird, sowohl aus Gründen des Ausbaus von erneuerbarer Energie als auch aus finanzieller Sicht. Die Firma sei seit mittlerweile sechs Jahren mit den Eigentümern in Gesprächen.