Der Jungtierbestand der Seehunde im Wattenmeer ist stabil und auf hohem Niveau. Foto: Mohssen/dpa
Der Jungtierbestand der Seehunde im Wattenmeer ist stabil und auf hohem Niveau. Foto: Mohssen/dpa
Seehund-Zählflüge im Weltnaturerbe

Zählungen abgeschlossen: So steht es um die Seehunde vor Cuxhaven und im Wattenmeer 

von Redaktion | 29.08.2026

Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat eine Abschlussbilanz der Seehund-Zählflüge im UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer veröffentlicht. So steht es um den Jungtierbestand zwischen Ems und Elbe.

Der Seehundbestand an der niedersächsischen Küste bleibt auf hohem Niveau. In diesem Sommer haben die Zähler des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) 2.395 Jungtiere erfasst. Das sind 60 mehr als im vergangenen Jahr.

Bei den insgesamt gezählten Seehunden ist dagegen ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Während der Zählflüge im Wattenmeer zwischen Ems und Elbe wurden 7.957 Tiere registriert. Im Vorjahr waren es 8.443. Der Rückgang um knapp 450 Tiere bewegt sich nach Angaben des LAVES jedoch im Bereich der normalen Bestandsschwankungen.

Die Seehunde machten bei den Zählungen einen gesunden und vitalen Eindruck. Bereits bei den ersten Flügen konnten die Mitarbeiter mehrere Geburten auf den Sandbänken beobachten. Als mariner Top-Prädator gilt der Seehund zudem als wichtiger Bioindikator für das Wattenmeer. Bestandsentwicklung und Gesundheitszustand der Tiere können Hinweise auf Veränderungen im Ökosystem geben, etwa beim Fischbestand oder bei der Wasserqualität.

Keine Hinweise auf größere Viruserkrankungen

Auch bei den Untersuchungen verendeter oder erkrankter Seehunde gibt es bislang keine Hinweise auf größere Viruserkrankungen. Das LAVES untersucht Tiere, die tot an der Küste angespült werden, sichtbar erkrankt sind oder eingeschläfert werden mussten. Die bisherigen Untersuchungen an den LAVES-Standorten in Oldenburg und Braunschweig/Hannover sowie am Institut für Fische und Fischereierzeugnisse haben keine Anzeichen für Seehundstaupe oder Vogelgrippe (Influenza H5N1) ergeben.

Infektionskrankheiten kommen bei Meeressäugern dennoch regelmäßig vor. Bei Untersuchungen von Seehunden, Kegelrobben und Schweinswalen werden insbesondere in Lunge und Darm verschiedene Parasiten nachgewiesen. Das sei bei Wildtieren zunächst nichts Ungewöhnliches, müsse aber beobachtet werden, teilt das LAVES mit. Als mögliche Ursache für eine Beeinträchtigung des Immunsystems kommen demnach unter anderem Umwelteinflüsse und Schadstoffbelastungen infrage.

Pro Jahr werden in den LAVES-Instituten etwa 50 Meeressäuger pathologisch untersucht. Den größten Anteil machen Seehunde aus. An der niedersächsischen Küste stranden jährlich rund 180 Tiere. Im Vergleich zur übrigen Nordseeküste ist das eine vergleichsweise geringe Zahl.

Erfassung der Seehunde mit einem Flugzeug

Die Seehunde wurden in diesem Sommer bei insgesamt zehn Flügen an fünf Terminen gezählt. Der Zeitraum zwischen Juni und August eignet sich dafür besonders: Bei Niedrigwasser ruhen die Tiere auf den Sandbänken und sind aus der Luft gut zu erfassen. In den Sommermonaten ziehen sie dort ihren Nachwuchs auf, sonnen sich und wechseln ihr Fell.

Für die Zählung wird die niedersächsische Küste in zwei etwa gleich große Bereiche aufgeteilt. Der westliche Abschnitt reicht vom Dollart bis Wangerooge. Der östliche Teil beginnt am Jadebusen und führt über die Vogelinsel Mellum und Cuxhaven bis zur Elbe. Die einzelnen Flüge dauerten bis zu vier Stunden.

Das LAVES organisiert und koordiniert das jährliche Seehundmonitoring in Niedersachsen seit 2005. Systematisch erfasst wird der Seehundbestand im Land bereits seit 1958. Bis 1972 wurden die Tiere von Schiffen aus gezählt, seitdem erfolgt die Erfassung aus der Luft.

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