Hühner getreten und geworfen: Landkreis Stade reagiert auf erschreckende Aufnahmen
Nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegen einen Hähnchenmastbetrieb in Deinste zieht der Landkreis Stade Konsequenzen und stellt Strafanzeige. Zuvor hatten heimliche Aufnahmen den Umgang mit den Tieren dokumentiert.
Rund drei Wochen ist es her, seitdem die Tierschutzorganisation Aninova in zwei niedersächsischen Hähnchenmastbetrieben tierschutzwidriges Verhalten aufdeckte. Die von Aninova veröffentlichten Aufnahmen zeigen kranke und verletzte Hähnchen, tote Tiere zwischen lebenden Artgenossen und einen brutalen Umgang beim sogenannten Ausstallen.
Einer der betroffenen Betriebe, der Zulieferer der PHW-Gruppe und ihrer Marke Wiesenhof ist, befindet sich wie berichtet in Deinste. Nachdem Aninova Anzeige bei der Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Oldenburg erstattet hatte und bereits ermittelt wird, stellt auch der Landkreis Stade Strafanzeige. Das bestätigte Pressesprecher Daniel Beneke am Dienstag auf Tageblatt-Nachfrage.
Anzeige gestellt: Mitarbeiter traten und warfen Hühner
Die im Februar 2026 entstandenen Aufnahmen wurden Aninova Ende Juli zugespielt. Besonders das dort gezeigte Verhalten von Beschäftigten einer sogenannten Fangkolonne steht in der Kritik: Die Hähnchen seien von den Mitarbeitern getreten, geworfen und grob in Transportbehälter befördert worden.

Das zuständige Amt Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis habe gegenüber der Tierschutzorganisation von einem "hochgradig tierschutzwidrigen Verhalten einzelner Mitglieder der Fängerkolonne" beim Fangen und Verladen der Hähnchen gesprochen, so Aninova. Die Behörde hatte daraufhin angekündigt, Strafanzeige wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu erstatten. "Das bestätigt die Dramatik der Aufnahmen", sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von Aninova.
Kritik äußerte er aber am Vorgehen der Behörde: "Besonders erschreckend ist, dass in dem Betrieb bereits zuvor wiederholt Mängel festgestellt wurden. Kontrollen müssen dazu führen, dass Missstände tatsächlich abgestellt und Tierleid verhindert wird", so Jan Peifer.
15 Kontrollen hatte es durch das Amt Veterinärwesen und Verbraucherschutz im vergangenen Jahr in Deinste gegeben. Darüber hatte das Tageblatt bereits berichtet. Hierbei seien wiederholt Mängel festgestellt worden. "In dem Betrieb wurden anlässlich der Lebenduntersuchungen mehrfach Mängel festgestellt, deren Abstellung von den Amtstierärzten angeordnet und nachkontrolliert wurde", erklärte Daniel Beneke am Dienstag.

Die letzte Kontrolle fand am 4. September 2026 statt - auch hier seien "Mängel im Bereich der Biosicherheit" festgestellt worden. Um welche Mängel es sich dabei genau gehandelt hat, könne der Landkreis aufgrund des laufenden Verfahrens nicht mitteilen, so Beneke.
PHW-Gruppe: Verhalten "nicht akzeptabel"
Auch die PHW-Gruppe, zu der die Marke Wiesenhof gehört, hatte das Vorgehen der Fangkolonne kritisiert. Nach eigenen Angaben hatte das Unternehmen dem Landwirt zudem angeraten, umgehend selbst Strafanzeige gegen die beteiligten Personen der Fangkolonne zu erstatten.
"Jetzt müssen die Vorgänge umfassend strafrechtlich aufgearbeitet werden. Dabei darf der Blick nicht allein auf einzelne Personen der Fangkolonne gerichtet werden", so Peifer. Entscheidend sei für ihn auch die Frage, wie solche Zustände trotz bestehender Kontroll- und Qualitätssicherungssysteme möglich seien.

Lange Fahrt zur Schlachtbank
Aninova kritisiert in ihrer Mitteilung auch die zu langen Transportwege: Interne Unterlagen, die der Organisation vorliegen, zeigen, dass aus einem Mastdurchgang rund 10.000 Hähnchen zum PHW-Schlachthof nach Möckern in Sachsen-Anhalt transportiert wurden. Für die Tiere bedeutet dies eine fast 300 Kilometer lange Fahrt. Rund 10.000 weitere Tiere aus demselben Bestand wurden dagegen zum deutlich näher (rund 170 Kilometer) gelegenen PHW-Schlachthof in Lohne in Niedersachsen transportiert.
"Dass Tiere aus demselben Stall teilweise fast 300 Kilometer quer durch Deutschland transportiert werden, obwohl ein deutlich näher gelegener Schlachthof beliefert wird, zeigt, wie sehr das Tier in diesem System zur Ware wird", sagt Peifer. "Es wird dorthin transportiert, wo es wirtschaftlich oder logistisch in die Abläufe passt. Die Belastungen für das einzelne Tier spielen dabei offenbar nur eine untergeordnete Rolle."
Von Pauline Meyer
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