Schleiereulen finden bei dichter Schneedecke keine Mäuse und können verhungern. Foto: NABU/Rosl Rößner
Schleiereulen finden bei dichter Schneedecke keine Mäuse und können verhungern. Foto: NABU/Rosl Rößner
Aktiver Tierschutz

Damit Schleiereulen nicht verhungern: Appell an Landwirte im Kreis Cuxhaven

von Wiebke Kramp | 06.01.2026

Eulen-Experten aus Cuxhaven appellieren an Landwirte und Resthofbesitzer,  Scheunen zu öffnen und Einfluggelegenheiten zu schaffen, damit Schleiereulen angesichts der dichten Schneedecke nicht verhungern.

Die gegenwärtige Schneelage kann für Schleiereulen den Hungertod bedeuten. Sie ernähren sich hauptsächlich von Mäusen. Matthias Timm von der Eulen AG im NABU Cuxhaven weiß, dass je nach Ernährungsstand die Vögel zwar fünf bis sieben Tage ohne Futter auskommen können, allerdings schaffen sie es ihm zufolge nur, bis zu einer Schneehöhe von bis zu acht Zentimetern die Mäuse zu hören und zu fangen. Ist die Schneedecke höher, verhungern sie elendig. Eine lang anhaltende Schneeperiode kann lokale Populationen dezimieren. 

Im Winter jagen Schleiereulen unter anderem gerne in Scheunen, in denen durch gelagertes Getreide Mäuse angelockt werden.  "Es wäre gut, wenn mehr Scheunen geöffnet sind oder auch wieder ein Eulenloch haben", appelliert der Experte angesichts der Wetterlage an Landwirte und Resthofbesitzer. Für gutwillige Landwirte mit Herz für Schleiereulen verweist er zudem auf die Möglichkeit, Mäuse-Futterstellen in Scheunen aufzustellen oder tote Mäuse als Futter auszulegen.

"Schleiereulen sind meist standorttreu und bleiben auch im Winter hier", weiß Matthias Timm. Sie leben heimlich und versteckt und kommen in der Regel erst in der Nacht hervor. Die Schleiereule gilt als nützlicher Jäger. Bis zu fünf Mäuse kann sie pro Tag fressen. Daher schätzten Bauern schon früher diese Vögel.

Aber immer häufiger gehen ihnen ihre Wohnstätten aus. Alte Gehöfte oder landschaftliche Gebäude, aber auch Kirchen, konnten früher gut von ihnen beflogen werden, weil meistens ein Tor oder Fenster geöffnet war. Heute hat es die Eule nicht mehr so leicht. Meist, um Tauben und Rabenvögel fernzuhalten, gibt es immer weniger Einfluglöcher für die Schleiereule. Hinzu kommt, dass bei neueren landwirtschaftlichen Gebäude die Ställe mit Trapezblechen gebaut werden. Wenn man dort keine Öffnung schafft, können keine Eulen mehr zum Brüten hineingelangen. Hilfreich ist auch das Anbringen von selbstgebauten Schleiereulenkästen.

Der in Nordholz lebende Tierfreund Timm betreut rund 20 Schleiereulennistkästen zwischen Cuxhaven und Bremerhaven. Er ist auch befugt, die Vögel zu beringen. Insgesamt seien es um die 400 selbst gebaute Nistkästen, die vor allem von dem damaligen "Eulenvater" Helmut von Deesten im Landkreis Cuxhaven angebracht wurden. Heute schauen dort die rund zehn Ehrenamtlichen der Eulen AG im NABU nach dem Rechten.

Die Schleiereule im Porträt:

Äußerlich lässt sich die Schleiereule (Tyto alba) durch ihren herzförmigen, weißen Gesichtsschleier von allen übrigen Eulen gut unterscheiden. Auch ihre Federn und Zehen sind verschieden. Ohrfedern fehlen, die Augen sind relativ klein und schwarz. Sie sind 32 bis 40 Zentimeter lang und bis 620 Gramm schwer.

Am auffälligsten ist der kreischende, lang gezogene Revierruf des Männchens. Zur Warnung ruft die Schleiereule hastig kraich-kraich, in Abwehrsituationen ist Fauchen und Schnabelknappen zu hören.

Die geräuschlosen Nachtjäger erbeuten hauptsächlich Kleinsäuger wie Feld- und Spitzmäuse, seltener Vögel und vereinzelt Amphibien, Reptilien und Großinsekten. Unverdauliche Nahrungsbestandteile (Knochen, Haare) werden in Form von so genannten Gewöllen ausgewürgt.

Die Kombination von geeigneten Brutplätzen und günstigem Jagdgebiet ist für die Auswahl eines passenden Lebensraums ausschlaggebend. Einzeln stehende, exponierte Gebäude wie Kirchtürme oder Scheunen werden als Brutplatz bevorzugt. Zur Jagd sucht die Schleiereule offenes Gelände auf.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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