Die "Moorfrösche" der Kindertagesstätte Bülkau waren in den zurückliegenden Wochen in verschiedenen Handwerksbetrieben unterwegs - auch die neuen Siemens-Schwalbenhäuser wurden inspiziert. Foto: Steimel
Die "Moorfrösche" der Kindertagesstätte Bülkau waren in den zurückliegenden Wochen in verschiedenen Handwerksbetrieben unterwegs - auch die neuen Siemens-Schwalbenhäuser wurden inspiziert. Foto: Steimel
Handwerk und Naturschutz

Schwalben müssen umziehen: Siemens errichtet Nist-Apartments in Cuxhaven

von Tim Larschow | 06.03.2026

Eine große Rauchschwalbenkolonie auf dem Gelände von Siemens Gamesa in Cuxhaven muss umziehen. Neue Holz-Apartments aus Bülkau sollen den Vögeln künftig als Zuhause dienen - inspiziert wurden sie bereits von neugierigen Kita-Kindern.

Eine Rauchschwalbe (Hirundo rustica) auf dem Tau eines Schiffes im Hafen. Foto: Sauer/dpa

Rauchschwalben bauen ihre Schlammnester normalerweise an Durchgängen und Stallöffnungen. Doch eine der größten Populationen Norddeutschlands lebt in einem Logistikzelt auf dem Gelände von Siemens Gamesa in Cuxhaven. Jetzt müssen die Vögel umziehen. Eine Gruppe Kita-Kinder aus Bülkau hat das neue Zuhause bereits inspiziert.

Das Logistikzelt wurde inzwischen abgebaut. Für die Rauchschwalben, die auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten stehen, wird jedoch selbstverständlich ein neues Zuhause geschaffen. Bereits mit dem Aufstellen des Zeltes vor gut fünf Jahren waren die ersten Rauchschwalben eingezogen und hatten ihre Nester gebaut. Nicht jeder war sofort ein Fan der gefiederten Bewohner, denn die Bauteile darunter wurden häufig verschmutzt. Dennoch durften die Vögel bleiben - stattdessen wurden die Teile einfach abgedeckt. "Insgesamt waren es zuletzt rund 25 Nester mit je vier Küken", berichtet Werksmitarbeiter und Umweltfachkraft Alexander Reiss.

Holz-Apartments mit 20 Nistmöglichkeiten

"Im Winter mussten die Zelte ebenfalls geöffnet bleiben, damit die Tiere hinein- und herausfliegen konnten", schildert Michaela Finnie, Pressesprecherin bei Siemens in Cuxhaven. Doch nun wird der Platz benötigt, denn auf dem Gelände stehen Erweiterungspläne an. "Wir werden ein weiteres Lager auf unserem Gelände bauen. Wir mussten uns jedoch zunächst der Frage stellen, wie wir mit unseren Schwalben umgehen", erklärt Finnie.

Bei der Suche nach einer Lösung stieß Alexander Reiss auf ein Modell aus Kanada: spezielle Schwalbenhäuser mit mehreren Nistplätzen. Zwei dieser Holz-Apartments mit jeweils 20 Nistmöglichkeiten sollten gebaut werden. Das Projekt wurde mit dem Umweltamt abgestimmt, anschließend erhielt Holzbau Simon in Bülkau den Auftrag. Die Skizzen entstanden anhand von im Internet gefundenen Bildern des kanadischen Vorbilds. Am Montag sollen die neuen Häuser aufgestellt werden. Perspektivisch könnte zudem am Elberadweg, der hinter dem Werksgelände verläuft, eine Infotafel entstehen, die über das Projekt und die Tiere informiert.

"Die geschützten Vögel haben jedes Jahr bei uns im Außenbereich genistet. Von Beginn an stehen wir mit dem Umweltamt und dem NABU in Kontakt. Wir sind gespannt, wie die Rauchschwalben die neuen Apartments annehmen werden", freut sich Finnie auf den Abschluss des Projektes.

Die "Moorfrösche" melden Eigenbedarf an

Doch das Projekt hatte noch einen weiteren Höhepunkt. Im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs "Kleine Hände, große Zukunft - Der Kita-Wettbewerb des Handwerks" besuchten Kinder der Gruppe "Moorfrösche" aus der benachbarten Kindertagesstätte in Bülkau am Dienstag den Handwerksbetrieb Holzbau Simon.

Teig kneten, hämmern, schneiden - oder den Profis beim Bau von Schwalbenhäusern über die Schulter schauen: Die Handwerkskammer hatte diesen und andere Besuche im Rahmen des Wettbewerbs möglich gemacht.

Spielerisch erfuhren die Kinder zunächst, warum derzeit neue Nistplätze entstehen. Die kleinen "Moorfrösche" zeigten sofort großes Interesse - einige meldeten scherzhaft sogar schon Eigenbedarf für die kleinen Häuser an, berichtete Konstanze Steimel vom Team von Holzbau Simon.

Bei einem Rundgang durch die Werkstatt konnten die Kinder Holz fühlen, Materialien entdecken und einen Rahmen gestalten, der das Projekt symbolisch darstellt. "Die Aktion verbindet Naturschutz und Nachwuchsförderung: Während neue Lebensräume für Schwalben entstehen. Die Kinder konnten lernen, wie es bei einem Zimmermann im Betrieb läuft und sich ein spannendes Projekt angucken. Nicht nur Kinder brauchen eben ein Haus, sondern auch die Schwalben", sagt Steimel.

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Tim Larschow

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