Die Brötchendeern muss schließen: Kein Lieferservice mehr in Cuxhaven und umzu
"Brötchendeern", der beliebte Brötchenlieferdienst in Cuxhaven und umzu, ist dicht. Kleinunternehmerin Maren Fischer muss schweren Herzens ihr Geschäft aufgeben. "Meine Existenz ist mir weggenommen worden", sagt die Mutter einer achtjährigen Tochter.
In der Corona-Pandemie hatte die "Brötchendeern" einen gigantischen Erfolg, nun offenbarte ihr ein genauer Blick in die Unterlagen: Maren Fischer wird ihre Mitarbeiter bald nicht mehr bezahlen können.
Sie zog die Reißleine: Am 31. Mai 2023 stellte die Brötchendeern nach viereinhalb Jahren ihren Dienst ein. Ihre Fahrer hatten wochenends Brötchen, Brot und Gebäck von Elsfleth bis Drochtersen und Cuxhaven bis Lilienthal an die Haustür geliefert.
Mit dem Krieg wird alles anders
"Der große Knick kam mit Beginn des Kriegs in der Ukraine", sagt die Bexhövederin nachdenklich, die das Ende hatte kommen sehen. Miete, Lohn, Energie, Sprit sind immer teurer geworden. Auf der anderen Seite standen Kunden, die selbst sparen müssen.
Fischers Service war zu einem Luxus geworden, den viele zuerst gestrichen hatten. Allein 2022 verlor sie 30 Prozent der Kundschaft. Beispiel: In Neuenwalde blieben von 35 am Ende nur noch fünf Kunden.
Brötchendeern sieht keine Zukunft mehr
Im selben Jahr sind auch die Bäckerpreise nach eigenen Angaben dreimal gestiegen. Alles Kosten, die sie an die Kunden weitergeben musste. Zuletzt zahlten Käufer für ein Mehrkornbrötchen über einen Euro, für ein Croissant 1,80 Euro, die Lieferkosten musste Fischer auf 2,49 Euro erhöhen. "Das ist einfach zu viel", sagt die Kleinunternehmerin, "und die Preise steigen weiter. Ich sehe keine Zukunft mehr." Die Backwaren kamen von örtlichen Bäckereien.
Für ihre Kundschaft kam die Schließung wie aus dem Nichts. Erst im April hatte Fischer das Liefergebiet erweitert und in den Sozialen Medien geteilt. "Ein letzter Versuch, Kunden zu gewinnen", sagt sie. Aber was bringen viele Likes, wenn am Ende nur zwei Leute bestellen? Und längst nicht jeder, der bestellt, bezahlt, sagt sie ernüchtert.
So steht es um andere Unternehmen im Cuxland
Auch das Ende ihrer Firma zum 31. Mai postete sie. Manch einem kam diese Info zu spät, die meisten aber bedauerten das Aus und sendeten gute Wünsche. In einem Kommentar heißt es unter anderem. "Es ist ein Trauerspiel das derzeit viele kleine Unternehmen aufgrund z.B von immer höher werdenden Mindestlöhnen […] und z.B. Energiekosten untergehen. Es ist schade, die "Kleinen" gehen unter, die "Großen" werden immer mächtiger […]."
Zumindest in der Zahl der Insolvenzverfahren lässt sich dieser Trend im Cuxland nicht ablesen. Für das erste Quartal meldet das Statistische Landesamt 11 Insolvenzen, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es sieben und 2019 noch 16, sagt Henrik Gerken, Referent für Volkswirtschaft der Industrie- und Handelskammer. Ein Großteil der Betriebe hat zurückgemeldet, dass die Finanzlage okay ist und die Mehrkosten nicht existenzbedrohend sind. Die Entwicklungen übers Jahr müsse man jedoch weiter im Auge behalten.
Ein Abschied, der schwerfällt
Maren Fischer geht mit ihrem Unternehmen den Schritt in die Insolvenz. "Ich verkaufe Brötchen, keine Computer. Da ist nicht viel Spielraum drin. Meine Existenz ist mir weggenommen worden", sagt die Mutter einer achtjährigen Tochter.
Wie es für die beiden weitergeht? Das weiß sie noch nicht. Vielleicht lohnt es sich irgendwann wieder, ihr Geschäft aufzubauen? Gerade ältere Leute seien so dankbar für ihr Angebot gewesen. Das macht Fischer den Abschied nicht leichter.
Die letzte Tour ist sie selbst mitgefahren. "Wenn man morgens dem Sonnenaufgang entgegenfährt… das ist etwas Besonderes. Mein Geschäft war mein zweites Baby und ich werde es sehr vermissen. Tut's schon jetzt. Aber so richtig angekommen ist es bei mir noch nicht."
Von Katja Gallas
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