Hohe Energiekosten und Konkurrenzdruck: Dow streicht 110 Stellen in Stade
Schlechte Nachrichten für die Beschäftigten der Dow in Stade: Im Zuge eines weltweiten Sparprogramms plant der Konzern den Abbau von 110 Stellen. Die Unternehmensführung verweist auf die angespannte Lage der Chemieindustrie.
Ist das die befürchtete Entwicklung im Chemie-Park Stade oder kommt der Dow-Standort mit einem blauen Auge davon? Durch den Jobverlust für 110 Betroffene reduziert sich die Mitarbeiterzahl der Dow auf etwa 1000. Der Belegschaft wurden am Mittwoch die schlechten Neuigkeiten mitgeteilt.
Teure Energie in Deutschland, billige Produkte auf dem Markt
Seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine, den ausbleibenden Gaslieferungen und den horrend gestiegenen Energiepreisen kämpft auch die Dow in Stade mit einem wirtschaftlichen Betrieb. Hinzu kommen Absatzprobleme, weil auf dem Markt viele günstiger produzierte Produkte platziert werden. Die neuerlichen kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten, provoziert vom US-Präsidenten Donald Trump, treffen auch den in Michigan (USA) ansässigen Dow-Konzern.
Er hatte im Januar dieses Jahres die interne Aktion "Transform to Outperform" initiiert - eine unternehmensweite Initiative mit dem Ziel, Wachstum und Produktivität zu steigern, wie es auf Tageblatt-Nachfrage in einer Dow-Antwort vom Mittwochabend heißt.
Der Ansatz: Das Betriebsmodell sollte vereinfacht, Prozesse verschlankt, die Kostenstruktur neu ausgerichtet und die Kundenorientierung verbessert werden.

Dow Chemical durchforstet alle Standorte weltweit
Transform to Outperform ziele darauf ab, die Ertragskraft des weltweit operierenden Konzerns kurzfristig um mindestens zwei Milliarden US‑Dollar zu erhöhen. Rund zwei Drittel dieser Verbesserung sollen aus Produktivitätsgewinnen stammen, darunter eine vereinfachte Organisation mit weniger Managementebenen, standardisierte und zunehmend automatisierte Prozesse, Effizienzsteigerungen in Produktion und Lieferketten sowie eine Reduzierung externer Ausgaben. Etwa ein Drittel wird durch Wachstumsinitiativen erwartet.
Dow will dafür weltweit 4500 Stellen streichen. Nach derzeitiger Planung sind 110 Beschäftigte am Standort Stade von dem beabsichtigten Abbau betroffen. Die geplanten organisatorischen Veränderungen, ihre möglichen Auswirkungen und der weitere Zeitplan werden nun in den anstehenden Beratungen mit den Arbeitnehmervertretungen erörtert, heißt es in der Dow-Presseauskunft.

Stader Werkleiter verspricht sozialverträgliche Umsetzung
"Unser Ziel ist es, einen sozialverträglichen Umsetzungsplan zu erarbeiten. Wir verpflichten uns, allen mit Respekt zu begegnen, transparent zu kommunizieren und die Mitarbeitenden während des gesamten Prozesses zu unterstützen", so Carl Parnham, Werkleiter Dow Stade in einer ersten Stellungnahme.
"Mit Transform to Outperform ergreifen wir entschlossene Maßnahmen aus eigener Kraft, um Dows Wettbewerbsfähigkeit weltweit zu stärken", so Ute Spring, Präsidentin Dow Deutschland. Gleichzeitig betont sie die Bedeutung wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen und führt damit den Verantwortlichen in der Politik die Schwächen des Wirtschaftsstandorts Deutschland vor Augen.
Dow-Chefin: Chemie-Industrie wieder wettbewerbsfähig machen
"Europa und Deutschland stehen vor großen strukturellen Herausforderungen für die Industrie - insbesondere durch hohe Energie- und CO₂-Kosten, komplexe und langsame Regulierung, unzureichende Anti-Dumping-Maßnahmen und fehlende langfristige Planungssicherheit." Diese Themen müssten konsequent angegangen werden, "damit die industrielle Transformation gelingen kann und die chemische Industrie wieder wettbewerbsfähig wird."
Von Lars Strüning
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