Jochen Bendel über Wölfe im Kreis Cuxhaven: Diesen Fehler machen viele Hundehalter
Wölfe werden auch im Cuxland immer häufiger gesichtet. Für Hundehalter stellt sich damit die Frage, wie sie sich bei Spaziergängen richtig verhalten sollten. Hundetrainer und Moderator Jochen Bendel aus Cuxhaven gibt Tipps für einen sicheren Umgang.
In der Region werden immer häufiger Wölfe gesichtet. Viele Menschen sind verunsichert. Welche Fehler machen Hundehalter in solchen Situationen am häufigsten?
Der größte Fehler ist, Hunde in Gebieten mit bekannter Wolfspräsenz frei laufen zu lassen. Gerade in Regionen wie dem Cuxland, in denen regelmäßig Wölfe nachgewiesen werden, sollte man seinen Hund nicht weit vorauslaufen lassen oder sogar den Sichtkontakt verlieren. Viele Hundehalter lassen ihre Tiere stöbern und wissen oft gar nicht mehr genau, wo sie sich befinden. Außerdem sollte niemand auf die Idee kommen, aktiv nach Wölfen zu suchen oder sie fotografieren zu wollen. Und auch die Vorstellung, ein großer Hund könne einen Wolf problemlos vertreiben, ist unrealistisch. Kommt es zu einer Begegnung, sollte der Hund sofort unter Kontrolle gebracht und möglichst dicht beim Menschen gehalten werden.
Was empfehlen Sie konkret?
Ich empfehle grundsätzlich eine Leine oder eine Schleppleine. Eine zehn Meter lange Schleppleine gibt dem Hund Bewegungsfreiheit, sorgt aber dafür, dass der Halter jederzeit eingreifen kann. Der Hund bleibt im kontrollierbaren Radius und entfernt sich nicht zu weit. Ein freilaufender Hund kann von einem Wolf als Eindringling in dessen Revier wahrgenommen werden. Es hat bereits Fälle gegeben, in denen Hunde Wölfe aufgestöbert haben und es anschließend zu gefährlichen Situationen kam.
Wie reagieren Hunde typischerweise auf einen Wolf?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Hunde sind neugierig und würden auf den Wolf zulaufen. Andere bellen oder versuchen ihn zu vertreiben. Wieder andere reagieren ängstlich und suchen Schutz beim Halter. Besonders problematisch können jagdlich motivierte Hunde sein, die versuchen, den Wolf zu verfolgen. Man darf nicht vergessen: Ein Wolf ist ein großes Raubtier. Die meisten Konflikte entstehen dann, wenn sich Hunde frei bewegen und dem Wolf nähern. Deshalb ist es so wichtig, den Hund in solchen Gebieten bei sich zu behalten.
Wölfe gelten als menschenscheu. Teilen Sie diese Einschätzung?
Ja, grundsätzlich schon. Wölfe vermeiden normalerweise den Kontakt zu Menschen. Sie sind keine Tiere, die aktiv die Nähe des Menschen suchen. Anders sieht es aus, wenn ein Hund ins Spiel kommt. Ein Hund kann für einen Wolf Konkurrent, Revier-Eindringling oder in bestimmten Situationen sogar Beute sein. Deshalb sollte man Begegnungen niemals unterschätzen.
Gibt es Hunderassen, bei denen besondere Vorsicht geboten ist?
Vor allem bei Jagdhunden. Sie haben oft einen starken Drang, Wild zu verfolgen. Aber auch Hunde mit ausgeprägtem Territorialverhalten können problematisch reagieren. Dazu zählen beispielsweise Herdenschutzhunde oder Mischlinge mit entsprechenden Anteilen. Viele Hunde aus dem Auslandstierschutz, etwa aus Rumänien, bringen solche Eigenschaften mit. Sie bewachen ihre Menschen oft sehr aufmerksam und reagieren schneller auf vermeintliche Eindringlinge. Das kann bei einer Wolfsbegegnung zu Konflikten führen. Auch kleine Hunde sollten nicht unterschätzt werden. Sie laufen häufig weiter vom Halter weg, weil viele Menschen sie einfach flitzen lassen. Genau das kann jedoch problematisch werden.

Gibt es weitere Risikofaktoren?
Ja. Problematisch kann es auch werden, wenn mehrere Hunde gemeinsam frei laufen. Treffen beispielsweise fünf Hunde auf einen Wolf, der sich gerade ausruht oder in der Nähe seiner Jungen befindet, kann die Situation schnell eskalieren. Deshalb lautet meine Kernaussage ganz klar: In Wolfsgebieten den Hund anleinen oder zumindest sehr kontrolliert führen. Die meisten Probleme entstehen erst dann, wenn Hunde unbeaufsichtigt vorauslaufen.
Sind Sie selbst schon einem Wolf begegnet?
In freier Wildbahn noch nicht. Nur in einem Wolfspark. Ich glaube aber, dass eine solche Begegnung sehr faszinierend sein muss. Gleichzeitig sollte man bedenken, dass Wölfe, die plötzlich in Ortschaften auftauchen, meist selbst in einer Ausnahmesituation sind. Normalerweise suchen sie die Nähe des Menschen nicht.
Wie bewerten Sie die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland?
Ökologisch betrachtet halte ich die Rückkehr des Wolfes grundsätzlich für positiv. Er gehört zum natürlichen Ökosystem. Gleichzeitig darf man die Herausforderungen für Weidetierhalter und Hundehalter nicht ignorieren. Die entscheidende Frage ist für mich nicht, ob der Wolf hier leben soll, sondern wie man Konflikte möglichst gering hält. Dazu gehören Herdenschutzmaßnahmen, gute Zäune und eine vernünftige Unterstützung der Tierhalter.
Welche Rolle spielen Herdenschutzhunde dabei?
Herdenschutzhunde gehören zu den ältesten und wirksamsten Mitteln gegen Wolfsübergriffe. Allerdings reicht es nicht, einfach einen Herdenschutzhund anzuschaffen. Diese Hunde müssen für ihre Aufgabe ausgebildet werden und gemeinsam mit der Herde aufwachsen. Das erfordert viel Fachwissen und Aufwand.
Ist das Thema Wolf auch Bestandteil Ihrer Arbeit in der "Holydog Academy"?
Ja, auf jeden Fall. Wir beschäftigen uns regelmäßig mit dem Verhalten von Hunden in Wald und Natur. Gemeinsam mit einem Jäger führen wir beispielsweise Exkursionen durch, bei denen Hundebesitzer lernen, Wildspuren zu erkennen und die Umwelt aus der Perspektive ihres Hundes besser zu verstehen. Dabei geht es auch darum, Situationen frühzeitig einzuschätzen und den Hund rechtzeitig anzuleinen. Wer aufmerksam unterwegs ist und seinen Hund kontrolliert führt, muss vor dem Wolf keine übertriebene Angst haben.

Die wichtigsten Empfehlungen von Jochen Bendel
- In Wolfsgebieten Hunde anleinen oder an der Schleppleine führen.
- Hunde nicht außer Sichtweite laufen lassen.
- Warnhinweise zu Wolfsaktivitäten ernst nehmen.
- Wölfe nicht aktiv aufsuchen oder verfolgen.
- Besonders bei Jagdhunden und territorial veranlagten Hunden aufmerksam sein.
- Bei einer Wolfsbegegnung Ruhe bewahren und den Hund sofort sichern.
Moderator und Hundetrainer Jochen Bendel
Jochen Bendel, am 18. November 1967 in Alzenau geboren, ist seit mehr als 30 Jahren eine feste Größe im Unterhaltungsfernsehen ("Ruck Zuck"). Seit 2018 ist er ausgebildeter Hundetrainer. Er hat zwei Hundebücher geschrieben und führte bereits durch mehrere Tiersendungen. Er hat dem illegalen Welpenhandel den Kampf angesagt und engagiert sich besonders für diskriminierte Hunde wie Listen- oder Kampfhunde. Mit seinem Mann Matthias und den Hunden lebt der gebürtige Franke in Cuxhaven. 2025 hat das Paar in einer ehemaligen Gärtnerei die Hundeschule "Holydog Academy" eröffnet.
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