"Die Reisenden" in Hemmoor nur auf der Durchreise: Ziel erst 2027 erreicht
Feierlich enthüllt und nach ein paar Stunden schon wieder weg in einem sicheren Quartier: Das neue Kunstwerk "Die Reisenden" in Hemmoor wird frühestens in einem Jahr dauerhaft am Bahnhof zu sehen sein.
Von Egbert Schröder
Hemmoor. Großer Bahnhof für "Die Reisenden": Am Freitagnachmittag wurde das gleichnamige Kunstwerk des 2008 verstorbenen Hemmoorer Bildhauers Frijo Müller-Belecke vor der "Weser-Elbe Sparkasse" am Rathausplatz enthüllt. Das Kunstwerk ist aber schon wieder verschwunden - diesmal aber nicht von Metalldieben geklaut. Der Abtransport in eine sichere Unterkunft war geplant.
Wie berichtet, war das Kunstwerk zu Lebzeiten des Künstlers nicht mehr realisiert worden. Es existierte jedoch eine dreidimensionale Vorlage, die Susanne Müller-Belecke im Atelier ihres Mannes entdeckt hatte und die nun aus sogenanntem Corthenstahl zu einer rund drei Meter langen und 1,80 Meter hohen Skulptur entwickelt wurde. Bei "Die Reisenden" handelt es sich um die Darstellung eines Mannes, einer Frau und eines Kindes, die es mit Koffer und Tasche in der Hand offensichtlich eilig haben - vielleicht, um noch einen Zug zu erwischen?
"Reiseziel" ist 2027 der Bahnhof
Passend dazu wird die Skulptur langfristig am Bahnhof aufgestellt und verankert. Doch da dort mehrmonatige Bauarbeiten vorgesehen sind, erfolgt nach der ersten Präsentation am Freitagnachmittag nun eine Einlagerung in einer Halle, bevor sie dann endgültig zum Bahnhof gebracht wird.
Ermöglicht haben das Projekt die sogenannte "Archiv-Gruppe" des Geschichts- und Heimatvereins und die "Weser-Elbe Sparkasse", die 10.000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Begleitet wurde das Vorhaben auch von der Stadt Hemmoor. Für die handwerklich hochwertige Gestaltung des zweidimensionalen Kunstwerkes sorgte Lars-Uwe Kähler.
Mehrere Rednerinnen und Redner gingen auf verschiedene Facetten dieses Gemeinschaftsvorhabens ein. So galt insbesondere der Weser-Elbe Sparkasse der Dank für die Bereitstellung von 10.000 Euro, die einen Großteil der Finanzierung ausmachen. Kerstin Tiedemann rückte ihrerseits als Sprecherin der WESPA die Förderung identitätsstiftender Projekte durch das Geldinstitut in den Mittelpunkt. Und dies sei bei "Die Reisenden" absolut gegeben.
Treibende Kraft im Geschichts- und Heimatverein bei diesem Vorhaben war wieder einmal die "Archiv-Gruppe" des Geschichts- und Heimatvereins, die bereits bei der Rekonstruktion des entwendeten und zerstückelten "Zementpackers" - wir berichteten ausführlich - alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt hatte. Heute steht die Skulptur in ganzer Pracht vor dem Hemmoorer Rathaus.
Für "Die Reisenden" war die Enthüllung - durch Susanne Müller-Belecke am Freitag - übrigens nur ein kurzes Gastspiel: Die "dreiköpfige Familie" begab sich danach auf die Reise in ein sicheres Zwischenlager, bis die "Endstation" am Bahnhof nach den Umbauarbeiten 2027 erreicht sein wird.
Susanne Müller-Belecke wurde von Heinz-Günter Wolf (einem der Mitglieder der Archiv-Gruppe) gefragt, wie wohl die Reaktion ihres verstorbenen Mannes auf die Gestaltung seines Entwurfs ausgefallen wäre. Ihre Antwort: "Frijo wäre echt begeistert gewesen." Ohne "die Jungs" vom Archiv mit deren Einsatz, Beharrlichkeit und Kreativität wäre das Vorhaben aber nie Realität geworden. Ihnen gelte ihr großer und persönlicher Dank.
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