Markus Söder macht CDU-Wahlkampf in Stade: Lacher im Saal, Protest vor der Tür
Markus Söder zu Gast im norddeutschen "Exil": Vor 650 Gästen machte der bayerische Ministerpräsident Wahlkampf für die CDU - mit Witzen, klaren Ansagen und Protest vor der Tür.
Niedersachsen trifft Bayern. Unter diesem Motto hatte die CDU zum Höhepunkt ihres Kommunalwahlkampfes im Landkreis Stade eingeladen. Als Stargast lockte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) 650 Gäste und darunter viel Parteiprominenz am Donnerstag ins Stadeum.
Söder gehört zu den bekanntesten deutschen Politikern. Seit 2018 regiert er als bayerischer Ministerpräsident, seit 2019 führt er die CSU als Parteivorsitzender. In beiden Ämtern trat er die Nachfolge von Horst Seehofer an. Söder hatte der niedersächsischen CDU einen Auftritt im Kommunalwahlkampf angeboten. Die Kommunalwahl steht am 13. September dieses Jahres an, am 26. September 2027 wird zudem ein neuer Landtag gewählt.
Darum kam Söder nach Stade
Dass die Wahl auf Stade und das Stadeum fiel, verdankten die Christdemokraten in der Region zwei Faktoren: Erstens gibt es offenbar keine gute direkte Flugverbindung von München nach Hannover. Und zweitens pflegt der Stader CDU-Landrat Kai Seefried gute Kontakte zur Landesgeschäftsstelle. Seefried war drei Jahre lang niedersächsischer CDU-Generalsekretär in Hannover.

Söder landete auf dem Hamburger Flughafen und machte sich von dort mit dem Auto auf den Weg nach Stade. Er traf um 17.15 Uhr vor dem Stadeum ein. Da hatten das Blasorchester Himmelpforten und eine Gesprächsrunde mit dem Stader CDU-Bürgermeisterkandidaten Arne Kramer die Wahlkampfveranstaltung schon eröffnet. Neben Landrat Seefried waren die Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel sowie die beiden Landtagsabgeordneten Melanie Reinecke aus Stade und Birgit Butter aus Buxtehude mit dabei.
Reinecke hatte die Veranstaltung als Kreisvorsitzende organisiert. Um 17.33 Uhr betrat Söder gemeinsam mit Sebastian Lechner, CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzender in Niedersachsen, unter dem Applaus der Gäste den Saal.

Proteste vor dem Stadeum
Draußen vor dem Stadeum, etwa 30 Meter neben dem Eingang, hatten sich den Nachmittag über gut 30 Protestierende zusammengefunden. Sie zeigten Transparente ("Abschiebungen nur nach Bayern") und skandierten: "Wir sind hier, wir sind laut, weil Söder uns die Zukunft raubt". Zu der Demonstration hatte ein Bündnis aus Jusos, Grüner Jugend und Linksjugend aus den Kreisverbänden Stade aufgerufen. In ihrem Protest ging es auch um Asyl-Politik und Abschiedepraktiken.
Söder selbst bekamen sie nicht zu Gesicht. Der Ministerpräsident nahm den Hintereingang. Dafür stellte sich CDU-Chef Lechner. Er kam mit der Protestgruppe ins Gespräch. Auf die Frage einer Lehrerin, was sie den von Abschiebung bedrohten Schülern sagen solle, erbat Lechner sich die Namen. "Wir haben eine Härtefallkommission in Niedersachsen", sagte er.

Söder: "Bayern ist das sicherste Land"
Drinnen lieferten sich Söder und Lechner - moderiert von Theresa Hein - eine launige Gesprächsrunde. Söder betonte die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Bayern und Niedersachsen. In beiden Ländern dominiert die Automobilindustrie. Bayern und Niedersachsen sind zudem die größten Agrarländer der Bundesrepublik. "Ihr habt mehr Schweine, wir mehr Rindviecher", sagte Söder. Sebastian Lechner erinnerte daran, dass Heinrich der Löwe, ein Niedersachse, die Stadt München gründete. "Seit der bei euch weg ist, habt ihr SPD-Regierungen", konterte Söder.
Lechner versprach, Niedersachsen werde unter seiner Führung Bayern wirtschaftlich überholen. "Konkurrenz ist gut", sagte Söder. Aber: "Ich denke da an den Fußball. Da gibt es auch immer wieder Vereine, die Bayern schlagen wollten. Meistens wird daraus aber nichts."

Zum Thema Sicherheit erklärte Söder: "Bayern ist das sicherste Land, weil wir seit Jahren in Polizei und die Infrastruktur investieren." Müsse ein Polizist einen schweren Weg gehen, könne er sich auf die Unterstützung seiner Vorgesetzten verlassen. "Das Leben eines Polizisten zählt im Zweifel mehr als das eines Schwerverbrechers", so Söder.
Lechner versprach in seiner Rede ein Abschiebezentrum, will sich dabei an Bayern orientieren. "Wer sich hier einbringt, darf bleiben. Straftäter müssen gehen", so Lechner.

Söder in Beliebtheit überholt
Als Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender vereint Söder zwei Schlüsselrollen, die ihm bundesweit mediale Aufmerksamkeit sichern. Doch erstmals hat ihn Parteikollege Alexander Dobrindt in der Wählergunst überholt. Laut einer aktuellen INSA-Umfrage, durchgeführt für die "Bild"-Zeitung, liegt Dobrindt nun vor Söder.
Der Bundesinnenminister hat sich vor allem mit den Themen Grenzkontrollen, Migration und innerer Sicherheit profiliert. Am vergangenen Sonnabend betonte er bei seinem Auftritt in Stade in der Seminarturnhalle, die illegale Migration sei seit seinem Amtsantritt um 75 Prozent zurückgegangen. (tip)
Von Karsten Wisser und Anping Richter

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