Es gibt Pläne, den Raiffeisenmarkt in Lamstedt in großem Stil zu erweitern. In Hemmoor beobachtet man die Pläne und deren Folgen auf politischer Ebene ganz genau. Foto: Schröder
Es gibt Pläne, den Raiffeisenmarkt in Lamstedt in großem Stil zu erweitern. In Hemmoor beobachtet man die Pläne und deren Folgen auf politischer Ebene ganz genau. Foto: Schröder
"Raiffeisen" will expandieren

Droht ein Nachbarschaftsstreit zwischen Hemmoor und Lamstedt?

von Egbert Schröder | 28.08.2026

Die geplante großflächige Erweiterung des Raiffeisenmarktes in Lamstedt wird in der Hemmoorer Politik nicht nur aufmerksam verfolgt, sondern kritisch begleitet. Welche Folgen hätte das Projekt für Hemmoor? Jetzt soll sich ein Gutachter äußern.

Man liest es ja immer wieder: Ein Nachbarschaftsstreit kann auch eskalieren. Dazu soll es zwar aus Sicht der Stadt Hemmoor nicht kommen, aber der Plan für die Erweiterung des "Raiffeisenmarktes" in der Nachbargemeinde Lamstedt wird in Hemmoor kritisch unter die Lupe genommen und hat durchaus das Potenzial für eine kommunale "Beziehungskrise".

Worum geht es? Auf den ersten Blick eigentlich nur um eine Erweiterung eines bestehenden "Raiffeisen"-Marktes an der Lamstedter Ortsdurchfahrt. Noch handelt es sich um eine Verkaufsfläche von 600 Quadratmetern, doch dabei soll es nicht bleiben. Das Ziel des Unternehmens: 1500 Quadratmeter.

Gut für Lamstedt, schlecht für Hemmoor? Da gibt es mindestens zwei Meinungen und ziemlich viel Ratlosigkeit. Politik und Verwaltung der Stadt Hemmoor wurden die Unterlagen für die sogenannte "Bauleitplanung" hinsichtlich des Marktes zugeschickt. Im Behördendeutsch gilt Hemmoor als ein "Träger öffentlicher Belange" und hätte sich zu der Erweiterung äußern können. Aber das ist bislang nicht geschehen. Einer der Gründe sei die politische Sommerpause gewesen, hieß es seitens der Verwaltung. Nun gab es in Absprache mit Lamstedt eine Fristverlängerung bis zum 4. September.

Wohin orientieren sich die Kunden?

In Hemmoor - und das wurde auf Fachausschuss- und Stadtratssitzungen in dieser Woche deutlich - bemüht man sich, kein Spielverderber zu sein. Doch es geht auch um die Frage, wie sich eine derart massive Erweiterung des Marktes auf die Stadt auswirken würde. 

Bei dem Thema packte man in beiden Hemmoorer Gremien nicht die Box-, sondern eher die Arbeits- und Samthandschuhe aus. Birgit Meyn-Horeis (SPD) leitet den Stadtentwicklungsausschuss und stellte in der Ratssitzung klar: "Die Situation ist nicht ganz einfach." Was sie damit unter anderem meinte, ist die per Raumordnung übertragene Funktion Hemmoors als sogenanntes "Mittelzentrum" mit besonderen Aufgaben auch im wirtschaftlichen Bereich: "Da haben wir schon eine bestimmte Funktion."

Andere Orte - so wie Lamstedt - firmieren in der Raumplanung nur als "Grundzentrum". Meyn-Horeis: "Es gibt schon Zweifel, ob dieses Vorhaben 'raumverträglich' ist." Zudem wies sie darauf hin, dass eine Markterweiterung in der geplanten Form möglicherweise auch Auswirkungen auf Einzelhändler und Arbeitsplätze in Hemmoor haben könnte. Dies müsse auch der Landkreis bei einer Genehmigung eines solchen Projektes in seine Überlegungen einbeziehen: "Wir möchten, dass im Kreishaus auch die Interessen der Stadt Hemmoor Gehör finden."

"Wir brauchen eine saubere Prüfung"

Aber wie? Dirk Brauer, der als Parteiloser in der CDU-Fraktion sitzt, verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Hemmoor seit vielen Jahren über ein fundiertes Einzelhandelskonzept verfüge. Dies sei in Lamstedt nicht der Fall. Das dort veröffentlichte - isolierte und ausschließlich projektbezogene - Gutachten zur Markterweiterung sei vom Investor in Auftrag gegeben worden.

Er warb vor diesem Hintergrund dafür, dass das von der Stadt Hemmoor eingeschaltete Gutachterbüro das Lamstedter Vorhaben checke: "Wir möchten nicht konfrontativ die Sache angehen, aber wir brauchen eine saubere Prüfung." Unterstützt wurde er von Lasse Weritz (CDU): "Wir können uns bei diesem Thema nicht auf irgendein Bauchgefühl verlassen."

Grüne: Keine "Bedrohungslage"

Tobias Söhl (Grüne) warnte vor übertriebener Panikmache, wenn im Nachbarort eine solche Erweiterung umgesetzt werde: "Da dürfte es wohl kaum größere Wanderbewegungen von Hemmoor nach Lamstedt geben. Wir sollten hier nicht von einer 'Bedrohungslage' ausgehen."

Am Ende der Diskussion gab es eine breite Mehrheit im Stadtrat dafür, das Vorhaben in Lamstedt auch unter den Gesichtspunkten des Hemmoorer Einzelhandelskonzeptes auf den Prüfstand zu stellen und gleichzeitig dem Landkreis mitzuteilen, dass es "Zweifel" geben würde, ob die Markterweiterung tatsächlich keine Auswirkungen auf Hemmoor habe.

Ein Nachbarschaftsstreit ist damit zumindest vorerst abgewendet worden - aber das kann ja noch kommen ...

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