In Hechthausen und Stade: Zeugen berichten von Drogenhandel unter Jugendlichen
Der Prozess am Landgericht um einen Stader Vater bietet aufschlussreiche Einblicke in die Drogenszene in Hechthausen und Stade. Am sechsten Prozesstag standen "Emmas" im Mittelpunkt: Ecstasy-Pillen.
Solche "Emmas" hatte eine damals 14-jährige Stader Jugendliche 2023 offenbar von einem Schulfreund bekommen - dem damals 15-jährigen Sohn des Angeklagten. In seiner Schule war er demnach als Dealer bekannt, wie ein Stader Kriminaloberkommissar berichtete, der vor der 2. Großen Strafkammer des Stader Landgerichts unter Vorsitz von Richter Dr. Zazoff am Freitag als Zeuge gehört wurde. Der Prozess hatte - wie berichtet - im Mai begonnen. Tatorte sollen Stade und Hechthausen gewesen sein.
Wie er berichtete, hatte die Polizei den 15-jährigen Dealer im Visier und überwachte sein Handy. In seinem Chatverlauf las die Polizei, dass er einer damals 14-jährigen Mitschülerin "zwei Steine" gegeben haben soll. "Das ist ebenso wie 'Emma' Umgangssprache für MDMA oder Ecstasy", erklärte der Beamte. Die erste Abgabe sei unentgeltlich erfolgt. Die 14-Jährige bestellte demnach zwei "Emmas" nach. Dabei sei Geld geflossen.
2024 gab der Sohn des Angeklagten bei einer polizeilichen Vernehmung zu Protokoll, dass sein Vater ihn zum Drogenkonsum ermuntert und zur Kundenwerbung in seinem Umfeld eingespannt habe. Mehrere Jugendliche hatten im Laufe des Prozesses schon von Treffen in der Wohnung des Angeklagten berichtet, bei denen Ecstasy, Cannabis und andere Drogen konsumiert worden sein sollen.
Der Kriminaloberkommissar gab dem Gericht auch zur Vernehmung einer anderen Frau Auskunft, deren Alter nicht genannt wurde. Klar wurde, dass sie über einen Freund, der Anfang 20 war, im Frühjahr 2024 mit dem Angeklagten in Kontakt kam und mit ihm eine Beziehung einging, die sie selbst weniger ernst nahm als er. Der 43-Jährige wohnte zu diesem Zeitpunkt in Hechthausen.
Zeugin: Drogen auch in Hechthausen
Er habe täglich konsumiert, vor allem Amphetamin. Nach Angaben der jungen Frau, die im Frühjahr und Sommer 2024 einige Monate größtenteils bei dem 43-Jährigen wohnte, habe er nach dem Aufstehen, bei der Arbeit als Gerüstbauer und abends nach Feierabend konsumiert. Sie habe mitgemacht und durch den Konsum binnen kurzer Zeit rund 40 Kilo Gewicht verloren.
Unter Einfluss von Alkohol und anderen Drogen sei der Angeklagte oft aggressiv geworden und habe ihr mit erhobener Hand gedroht, wenn sie die Wohnung verlassen wollte. Einmal habe er sie am Bauch verletzt, weil er eine Tabakdose nach ihr geworfen haben soll.
Jeden Tag seien Kunden in die Wohnung gekommen, um Drogen zu kaufen - mal ein oder zwei, manchmal auch vier. Die Ware, vor allem Amphetamin, soll der 43-Jährige in Mengen von jeweils 70 bis 100 Gramm über Instagram bestellt und zum Preis von zehn Euro pro Gramm verkauft haben.
"In seinen Augen noch Kinder"
Der Polizist nahm auch die Aussage eines Arbeitskollegen aus der Gerüstbaufirma zu Protokoll, der von dem Angeklagten Marihuana bezogen habe. Sie trafen sich demnach dazu unter anderem bei einem Stader Döner-Imbiss, aber auch in der Wohnung des Angeklagten, der bis Februar 2024 in Stade wohnte. Dort habe er überwiegend Jugendliche, "in seinen Augen noch Kinder", angetroffen und dem Kollegen deswegen Vorwürfe gemacht.
Der Prozess wird am Montag, 27. Juli, um 10.15 Uhr, fortgesetzt.
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