Durststrecke im Kreis Cuxhaven: Öffentliche Trinkwasserspender sind Mangelware
Hitze macht durstig - doch kostenlose Trinkwasserstellen sind im Landkreis Cuxhaven kaum zu finden. Dabei gelten sie längst als wichtiger Baustein der Klimaanpassung. Unsere Recherche zeigt, wo Pläne für Trinkbrunnen wachsen und wo sie noch fehlen.
Die Sonne brennt, das Thermometer kratzt an der 30-Grad-Marke - doch wer unterwegs im Cuxland seine Wasserflasche kostenlos auffüllen möchte, sucht oft vergeblich. Während viele Städte öffentliche Trinkbrunnen inzwischen als festen Bestandteil ihrer Hitzevorsorge ausbauen, sind sie im Landkreis Cuxhaven nach wie vor eine Seltenheit. Das hat eine Umfrage unserer Zeitung unter den Kommunen ergeben.
Dabei wächst der Bedarf. Hitzewellen werden häufiger, die Sommer heißer. Gerade für ältere Menschen, Kinder oder gesundheitlich angeschlagene Personen sind frei zugängliche Trinkwasserstellen ein wichtiger Beitrag zum Gesundheitsschutz. Auch für wohnungslose Menschen können sie an heißen Tagen entscheidend sein. Gleichzeitig fördern Trinkbrunnen nachhaltiges Verhalten, weil unterwegs Wasserflaschen nachgefüllt werden können und weniger Einwegplastik anfällt.
Viele Menschen empfinden zunehmende Hitze als Belastung
Dass viele Menschen die zunehmende Hitze als Belastung empfinden, bestätigt auch eine aktuelle Umfrage der Barmer und des F.A.Z.-Instituts. Demnach betrachten 64 Prozent der Befragten in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein steigende Hitzebelastungen mit großer Sorge. Drei Viertel reagieren bereits auf Hitzewarnungen, indem sie mehr trinken, körperliche Aktivitäten einschränken oder zusätzliche Ruhepausen einlegen.
Die Recherche unserer Zeitung zeigt jedoch: Öffentliche Trinkwasserspender lassen sich im Landkreis Cuxhaven an zwei Händen abzählen. In mehreren Kommunen gibt es derzeit überhaupt keine frei zugänglichen Anlagen.
So verfügt die Stadt Cuxhaven bislang über keinen einzigen öffentlichen Trinkwasserspender, wie die Verwaltung auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Das soll sich zumindest ansatzweise ändern: Im Zuge der Bauarbeiten in der Deichstraße wird derzeit ein Pilot-Wasserspender installiert. Ob anschließend weitere Standorte folgen, soll von den Erfahrungen mit diesem Modell abhängen.
"Der Klimawandel führt auch in Cuxhaven zu steigenden Temperaturen. Die Stadt prüft derzeit verschiedene Möglichkeiten, Menschen mit Trinkwasser im öffentlichen Raum zu versorgen", erklärt Referatsleiterin Cora Strate. Neben Trinkbrunnen würden dabei auch Wasserspender an öffentlichen Gebäuden sowie Kooperationen mit lokalen Geschäften in Betracht gezogen.
Ganz billig sind die Anlagen allerdings nicht. Die Stadt rechnet mit Investitionskosten von rund 15.000 Euro je Trinkbrunnen. Hinzu kommen jährlich etwa 2000 bis 3000 Euro für Reinigung, Wartung, Wasserproben und Betrieb.

Dass sich in Cuxhaven überhaupt etwas bewegt, geht auch auf einen politischen Vorstoß zurück. Bereits im September vergangenen Jahres beantragte die SPD-Fraktion, öffentliche Trinkbrunnen zunächst am Kaemmererplatz und/oder in der Nordersteinstraße einzurichten. In der Begründung bezeichnete sie Trinkbrunnen als "Basisbaustein einer guten Hitzevorsorge".
Nach Angaben der Stadt wurde der Antrag gemeinsam mit EWE Netz und dem Gesundheitsamt geprüft. Eine Entscheidung über weitere Standorte soll nun auf Grundlage der Erfahrungen mit dem Pilotprojekt in der Deichstraße fallen.
Auch andernorts stehen Trinkwasserspender bislang eher auf der Ideenliste als kurz vor der Umsetzung.
In der Gemeinde Wurster Nordseeküste gibt es derzeit keine öffentlichen Trinkwasserstellen. Nachhaltigkeitsmanagerin Sonja Thomas betont jedoch, dass das Thema im derzeit entstehenden Klimaanpassungskonzept berücksichtigt werde. "Öffentliche Trinkwasserspender können dabei einen möglichen Baustein eines umfassenden Maßnahmenpakets darstellen", erklärt sie. Ob und wann tatsächlich ein Trinkwasserspender errichtet wird, sei allerdings noch offen.
Maßnahmen gegen zunehmende Hitzewellen
Ähnlich klingt es in der Samtgemeinde Börde Lamstedt. Dort gibt es ebenfalls keinen Trinkwasserspender. Im Rahmen des gemeinsamen Klimafolgenanpassungskonzeptes mit dem Landkreis würden Maßnahmen gegen zunehmende Hitzewellen entwickelt. Dazu gehöre auch die Verbesserung der öffentlichen Trinkwasserversorgung. "Eine Detailplanung liegt hierzu derzeit jedoch noch nicht vor", teilt Sprecherin Gina von Thaden mit.
Die Samtgemeinde Land Hadeln hat sich nach Angaben von Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule zwar bereits mit möglichen Standorten beschäftigt, bislang aber keine Anlagen gebaut. Als Gründe nennt er unter anderem die hohen hygienischen Anforderungen an öffentliche Trinkwasserstellen. Stattdessen verweist er auf das sogenannte Refill-Netzwerk: "Einige Geschäfte und Dienstleister haben sich bereits als Refill-Station registriert. Dort können unentgeltlich Wasserflaschen nachgefüllt werden." Ein Ausbau dieses Angebots könne künftig eine sinnvolle Ergänzung sein.
Die Samtgemeinde Hemmoor beantwortete die Anfrage unserer Zeitung trotz mehrfacher Nachfrage nicht.
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