Ein Festvial-Selbstversuch: Kuriose Tauschgeschäfte auf dem Deichbrand-Campingplatz
Ein warmes Bier, eine mit rotem Schnaps gefüllte Wasserpistole und ein Bierpong-Set: Auf dem Deichbrand-Campingplatz wird aus einer einfachen Tauschaktion eine Reise voller kurioser Begegnungen, Musik und spontaner Festival-Momente.
Deichbrand am Sonnabend: Festival-Fans feiern bereits seit Mittwoch in Wanhöden. Wir sind seit Donnerstag live vor Ort und berichten über die großen und kleinen Momente des Festivals. Eine Mission haben wir noch: Tauschen, was sich tauschen lässt, ein Selbstversuch.
Das Bier ist warm und leicht geschüttelt. Der erste Gegenstand unserer Tauschaktion verspricht also keinen leichten Start. Trotzdem ziehen wir los über den Campingplatz des Deichbrand-Festivals.
Regel 1: Kein Downgrade
Die ersten Camper lachen. Müll hätten sie anzubieten. Alte Verpackungen, leere Dosen. Doch die Regel lautet: kein Downgrade. Das warme Bier soll mindestens seinen Wert behalten.
Doch dann kommt Bewegung ins Spiel. Die Gruppe findet noch eine Wasserpistole. Ein guter Deal? Erst beim genaueren Hinsehen stellt sich heraus, dass darin gar kein Wasser steckt. Die Spritzpistole ist mit rotem Schnaps gefüllt. Willkommen auf dem Festival.

Regel 2: Tausch-Pause, wenn du tanzen kannst
Während wir weiterziehen, schallt Blasmusik zwischen den Zelten hervor. Die Bremen-Vier-Blaskapelle marschiert über den Campingplatz, hinter ihr bildet sich eine spontane Polonaise. Menschen tanzen zwischen Pavillons und Zeltschnüren, Becher werden gehoben, Fremde singen miteinander. Für einen Moment gerät das Tauschen in Vergessenheit.

Doch die nächste Runde wartet. Warmes Bier oder Schnaps-Pistole?
Unter einem Pavillon sitzen vier junge Frauen, bestens vorbereitet. Campingtisch, Deko, alles an seinem Platz. Sie beraten sich, wühlen durch Kisten und Taschen. Sie möchten auf jeden Fall die Wasserpistole haben. Schließlich legen sie ein Bierpong-Set auf den Tisch. Dazu gibt es noch bunte Zuckerperlenketten. Deal.

Plötzlich ist aus einem warmen Bier ein kleines Festivalpaket geworden. Vor uns liegen jetzt drei Gegenstände: das Bierpong-Set, die Zuckerperlenketten - und ein weiteres warmes Bier haben wir auch noch in der Tasche.

Nicht überall geht es so schnell. Die nächsten Camper durchsuchen Taschen und Kisten. "Ich hab nichts mehr", sagt einer und grinst entschuldigend. Dann fällt sein Blick auf die Zuckerperlenketten. Die hätte er doch gern. Er verschwindet kurz zwischen den Zelten. Wenig später kommt er zurück - mit einem weiteren warmen Bier. Das nehmen wir im Tausch gegen drei Zuckerperlenketten an. Der Tausch ist perfekt. Glücklich zieht er zurück in sein Camp und wir weiter über den Platz.

Regel 3: Unterhaltungswert sticht Materiellen
Und plötzlich stehen wir wieder da wie am Anfang. Nur irgendwie doch nicht. Zwei warme Bier, ein Bierpong-Set und Zuckerperlenketten. Der materielle Wert? Fraglich. Der Unterhaltungswert? Unbezahlbar. Denn auf dem Deichbrand-Campingplatz geht es beim Tauschen längst nicht nur um Gegenstände. Es geht um spontane Ideen, um Gespräche mit Fremden und um die kleinen Geschichten, die zwischen Zelten, Musik und warmem Bier entstehen.
Von Bengta Brettschneider und Märthe Werder

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