Hier gibt es in Cuxhaven echte Schnäppchen: So läuft eine Fahrradversteigerung
Auf dem Cuxhavener Rathausparkplatz wurden 100 Fundräder versteigert und lockten zahlreiche Besucher an. Begehrte E-Bikes und Mountainbikes wechselten den Besitzer. Doch nicht alle Räder fanden einen Käufer. Eine Reportage.
100 Fundräder, rund 100 Besucher und die Hoffnung auf ein Schnäppchen: Auf dem Cuxhavener Rathausparkplatz kamen alte Damenräder, Mountainbikes und Pedelecs unter den Hammer. 79 Fahrräder fanden am Ende einen neuen Besitzer - teils für kleines Geld.
Kai Thomas lässt seinen kleinen Holzhammer kreisen und schaut ein letztes Mal in die Runde. "Zum Ersten, zum Zweiten …", sagt der Leiter der Abteilung Bürgerservice. Plötzlich hebt einer der rund 100 Teilnehmer der Fahrradversteigerung noch einmal seine Hand: "130 Euro." Ein Raunen geht durch die Menge. Einige Besucher drehen sich neugierig zu dem neuen Bieter um. Der bisherige Höchstbietende zögert, schüttelt dann aber den Kopf. Thomas wartet noch einen Moment. "130 Euro zum Dritten!" Der Hammer fällt auf das Pult, das alte Pedelec hat einen neuen Besitzer. Während der erfolgreiche Bieter erleichtert lächelt, kommentieren Umstehende den Preis: Für ein E-Bike sei das noch immer ein gutes Geschäft - vorausgesetzt, der Akku funktioniere.

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. Schon wird das nächste Fahrrad nach vorn geschoben: ein Jugend-Mountainbike, ein wenig verkratzt und verschmutzt, aber offenbar noch gut in Schuss. Thomas nennt die wichtigsten Daten, dann beginnt das Bieten von vorn. Mehrere Hände schnellen in die Höhe, doch schon nach wenigen Geboten bleiben nur noch zwei Interessenten übrig. Für 25 Euro geht das Rad schließlich an einen Vater, der es für seinen Sohn ersteigert hat. Zufrieden schiebt er das Mountainbike zur Seite und betrachtet noch einmal Reifen und Bremsen. Der eine oder andere Kratzer störe ihn nicht, sagt er. Mit etwas Pflege könne sein Sohn das Fahrrad sicher noch lange nutzen.
Insgesamt 100 Fahrräder kommen an diesem Nachmittag auf dem Rathausparkplatz unter den Hammer. Sie haben sich in den vergangenen Monaten in den Lagern des Fundbüros angesammelt. Teils verbeult, teils verrostet, manchmal ohne Sattel und immer von irgendjemandem vergessen oder zurückgelassen.
Manche Modelle brauchen nur etwas Luft in den Reifen
Vom alten Damenrad bis zum modernen E-Bike ist alles dabei. Manche Modelle brauchen nur etwas Luft in den Reifen, andere müssen gründlich repariert werden. Eine Garantie gibt es nicht - gekauft wird wie gesehen. Gerade das macht für viele Besucher den Reiz der Versteigerung aus. Sie hoffen auf ein Schnäppchen und nehmen kleinere Mängel gern in Kauf. Immer wieder werden die erzielten Preise mit zustimmendem Nicken, überraschten Blicken oder einem leisen Lachen kommentiert. Besonders begehrte Räder sorgen für kurze Bietergefechte, bei denen die Spannung mit jedem zusätzlichen Gebot steigt.
Ganz ohne Risiko ist der Kauf allerdings nicht, denn Probefahrten sind nicht möglich. Deshalb prüfen viele Interessenten vor Beginn der Versteigerung Bremsen, Reifen und Ketten ganz genau. Einige haben Werkzeug dabei, andere notieren sich die Nummern ihrer Favoriten und persönliche Preisgrenzen. Ein Besucher dreht prüfend an einem Vorderrad, ein anderer leuchtet mit dem Mobiltelefon auf eine rostige Kette. Dabei wird gefachsimpelt und gerechnet: Lohnt sich die Reparatur noch, oder wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen am Ende doch ein teurer Kauf?

Am Ende finden 79 der angebotenen Fahrräder einen neuen Besitzer. 21 Räder bleiben ohne Gebot. Da sie weder von ihren ursprünglichen Eigentümern abgeholt noch bei der Versteigerung verkauft wurden, sollen sie nun verschrottet werden, erklärt Marcel Kolbenstetter, Pressesprecher der Stadt Cuxhaven. Insgesamt nimmt die Stadt bei der Versteigerung 1993 Euro ein. Den höchsten Preis erzielt ein Pedelec, für das ein Bieter 350 Euro bezahlt.
Bei der jüngsten Begehung sind zehn Räder aufgefallen
Dass sich immer mehr herrenlose Fahrräder am Bahnhof oder an anderen stark frequentierten Orten ansammeln, beobachtet die Stadt nach Angaben Kolbenstetters nicht. Der Bahnhof werde etwa alle sechs Monate gemeinsam mit der Abfallbehörde kontrolliert. Fahrräder, die dort offenbar schon länger stehen oder sich in einem schlechten Zustand befinden, würden zunächst mit einer Banderole gekennzeichnet. Einige Wochen später erfolge eine weitere Kontrolle. Stehen die Räder dann noch immer dort, können sie entfernt werden. Bei der jüngsten Begehung seien lediglich zehn Fahrräder aufgefallen - gemessen an der Zahl der vorhandenen Stellplätze eine eher geringe Anzahl.

Auf dem Rathausparkplatz leert sich unterdessen langsam die Fläche. Die neuen Besitzer schieben ihre Räder davon, manche direkt fahrbereit, andere als Reparaturprojekt für die kommenden Tage. Für die meisten von ihnen beginnt damit die Arbeit erst. Doch vielleicht rollt schon bald manches Fahrrad, das monatelang vergessen im Fundbüro stand, wieder durch Cuxhavens Straßen.

Was machen andere Kommunen mit Fundrädern?
Wie gehen andere Kommunen mit herrenlosen und heruntergekommenen Fahrrädern um? In der Samtgemeinde Land Hadeln werden die eingesammelten Drahtesel - im vergangenen Jahr waren es etwa 30 - nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt, wie Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule informiert. Die Samtgemeinde Hemmoor gibt gefundene Räder unter anderem an Geflüchtete ab. Auch die Jugendwerkstatt Hemmoor erhält Fahrräder und bereitet diese wieder auf. Die Gemeinde Wurster Nordseeküste setzt auf Versteigerung. "Nicht mehr verkehrstaugliche Fahrräder werden entsorgt", erklärt Ordnungsamtsleiter Norbert Linkel. Aus dem Rathaus der Samtgemeinde Börde Lamstedt gab es keine Rückmeldung auf NEZ/CN-Anfrage.
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