"Nicht alle Wünsche sind erfüllbar": Akteure aus Cuxhaven über Thema Leihmutterschaft
Zwischen tiefen Sehnsüchten und ethischen Grenzen: Nach dem Rücktritt von Jens Spahn wirft die Debatte um Leihmutterschaft Fragen auf, die bis ins Cuxland reichen. CNV-Medien hat sich umgehört.
Der Rücktritt von Jens Spahn hat eine Debatte neu entfacht, die viele für erledigt hielten: Wie weit darf der Wunsch nach einem eigenen Kind gehen? Akteure aus dem Kreis Cuxhaven äußern sich.
Der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln verweist dazu auf eine aktuelle Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie bringt die Position klar auf den Punkt: "Leihmutterschaft, insbesondere ihre kommerzielle Form, verletzt in vielen Fällen die Würde von Menschen. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Ausbeutungslagen armer Menschen durch Wohlhabende, sondern auch um mögliche seelische Belastungen für die Frauen, die ein Kind austragen und es nach der Geburt abgeben sollen.
Kind verdient besonderen Schutz
Hinzu kommt das grundlegende Problem, dass ein Kind zum Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen wird. Das Recht des Kindes auf Schutz und Unversehrtheit wie auch der Schutz der Mütter wiegen dabei immer schwerer als der Leidensdruck eines unerfüllten Kinderwunsches. Ihre Verletzlichkeit verdient besonderen Schutz."
Die EKD verschließt sich dem Leid Betroffener dabei nicht. "Als Kirche sehen wir gleichwohl die Not von Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Der Wunsch nach einem Kind ist mehr als eine beliebige Lebensoption; er gehört zu den tiefen Sehnsüchten vieler Menschen. Dennoch kann solche Not kein Unrecht als kalkuliertes Risiko in Kauf nehmen."

Die Kirche erinnert zudem an eine biblische Grundüberzeugung: "Nicht alle unsere Wünsche sind erfüllbar. Kinder erscheinen in der Bibel nicht lediglich als Bestandteil menschlicher Lebensplanung, sondern immer auch als Gabe und Verheißung. Die Erzählungen von Sara, Abraham und Isaak und vielen anderen machen deutlich, dass Leben sich dem menschlichen Entschluss entzieht. Kinder wurden und werden bis heute, trotz aller Fortschritte in der Reproduktionsmedizin, als Geschenk erfahren."
Kein Fall in Cuxland
Ein anderes Bild zeichnet die Diakonie Cuxland. Dort ist Leihmutterschaft bislang kein Thema der Praxis. Die Beratungsstelle antwortet auf Anfrage unseres Medienhauses: "Bezugnehmend auf Ihre Fragen kann ich zusammenfassend sagen, dass bisher in keiner unserer 3 Dienststellen - Cuxhaven, Cadenberge, Bad Bederkesa - Leihmutterschaft ein Thema war."
Der Leidensdruck selbst sei den Beraterinnen jedoch sehr wohlbekannt: "Der große Leidensdruck hingegen, den ein unerfüllter Kinderwunsch mit sich bringt, ist hier in der Schwangerenberatung schon häufig formuliert worden." Für Betroffene bietet die Diakonie ein eigenes Gruppenangebot an. Der Wunsch nach einer Leihmutterschaft sei dort bislang nicht geäußert worden, wohl aber der nach Adoption.

Hebamme sieht beide Seiten
Eine differenziertere Position vertritt das Geburtshaus Cuxhaven. "Leihmutterschaft ist ein schwieriges, sehr sensibles Thema. Wir sind weder dafür noch dagegen", erklärt die Hebamme Dorothea Kruft vom Geburtshaus, die sich darüber auch mit Studierenden ausgetauscht hat. Unter bestimmten Voraussetzungen sei Leihmutterschaft für sie vorstellbar, allerdings müsste es sich dabei grundsätzlich um eine bewusste, ausdrückliche Entscheidung der Frau handeln und sie müsse vor, während und nach der Schwangerschaft von Fachleuten beraten und begleitet werden.
Von Jens Potschka und Wiebke Kramp
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.