In Apensen (Kreis Stade) ist am Freitag eine Frau lebensgefährlich verletzt worden, sie starb im Krankenhaus an den Folgen. Foto: Vasel
In Apensen (Kreis Stade) ist am Freitag eine Frau lebensgefährlich verletzt worden, sie starb im Krankenhaus an den Folgen. Foto: Vasel
Femizid

Frau stirbt nach Messerangriff im Kreis Stade - Ex-Partner weiter auf der Flucht

21.12.2025

Blaulicht, Spurensicherung - und vor allem: Der Tatverdächtige ist noch auf der Flucht. Nach der Messerattacke am Freitagmorgen in Apensen (Kreis Stade), bei der eine 40-Jährige später im Krankenhaus starb, läuft die Großfahndung weiter.

Vor der Tür steht ein Streifenwagen. Die Forensiker der Polizeiinspektion Stade sichern in ihren weißen Overalls akribisch die Spuren einer Gewalttat. Gegen 8 Uhr soll am Freitagmorgen (19. Dezember 2025) ein 57-Jähriger seine Ex-Partnerin getötet haben. Die Polizisten tragen Masken und Handschuhe. Spurensicherungsbeutel der Kriminaltechniker stapeln sich vor dem alten Wohnhaus an der vielbefahrenen Stader Straße (L130) in Apensen.

Die Ermittler durchsuchen das Haus. Sie haben die Umgebung fest im Blick. Überall ist Polizei unterwegs - im Dorf und auf den Zufahrtsstraßen.

Mann sticht mehrfach mit Messer auf sein Opfer ein

Was ist bislang bekannt? "Ein zunächst unbekannter Täter hat gegen 8 Uhr an der Wohnungstür des Opfers geklopft", sagte Polizeisprecher Rainer Bohmbach. Die Wohnungsinhaberin habe die Tür geöffnet. Der dunkel gekleidete und vermutlich maskierte Mann habe "mehrfach" mit einem Messer "auf sie eingestochen". Damit wäre das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt.

Anschließend sei der Tatverdächtige geflüchtet, berichtete Bohmbach. Die 40-Jährige habe lebensgefährliche Verletzungen erlitten.

Offen ist, wer den Notruf absetzte. Der Notarzt und die Notfallsanitäter sowie die AED-Gruppe der Ortsfeuerwehr Apensen waren schnell vor Ort. Nach der Erstbehandlung wurde die Apenserin mit dem Rettungswagen in das Elbe Klinikum in Buxtehude transportiert. Das Klinikpersonal kämpfte um ihr Leben. Vergeblich. "Trotz sofortiger Operation verstarb sie noch am Vormittag", berichtete der Sprecher der Polizei.

Streifenwagen kontrollieren Zufahrten, Ermittler durchsuchen das Haus und befragen Nachbarn - doch vom mutmaßlichen Täter fehlt bislang jede Spur. Foto: Vasel

Großfahndung nach dem Täter läuft

Die Polizei löste eine Großfahndung nach dem verdächtigen Mann aus. Diese dauert aktuell noch an. Aufgrund der Ermittlungen und nach Zeugenaussagen vor Ort habe sich laut Bohmbach "sehr schnell" der dringende Tatverdacht gegen den 57-jährigen "in Trennung lebenden Ex-Partner der Toten erhärtet".

Die Tote und ihr Ex-Mann hinterlassen vier Kinder im Alter zwischen 6 und 20 Jahren. Die noch minderjährigen Kinder des Ex-Paares wurden durch das Jugendamt beim Kreis Stade in Obhut genommen. Die Kinder wurden bereits vor Ort von einem Notfallseelsorger betreut. Nach Informationen des Stader Tageblatts stammt die Familie der in Apensen Getöteten aus Aserbaidschan.

Aktuell läuft die Großfahndung. Tagsüber seien die Nachbarn befragt worden. Zu weiteren Details wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen noch keine Auskunft geben. Bohmbach: "Die Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter und seinem Fluchtfahrzeug, an der Streifenwagen aus diversen umliegenden Dienststellen beteiligt sind, läuft auf Hochtouren."

Laut Angaben des Bundeskriminalamts sind 132 Frauen in Deutschland im Jahr 2024 durch ihren (Ex-)Partner getötet worden. Auch in Apensen ist die Rede von einem Femizid.

Femizide auch in Buxtehude und Horneburg

Als Femizid wird die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts bezeichnet. Was bedeutet das? Gemeint sind Frauentötungen, die durch hierarchische Geschlechterverhältnisse motiviert sind. Oft werden diese in (Ex-)Partnerschaften ausgeübt. Wissenschaftler sagen, dass einem Femizid häufig ein Besitzdenken oder die Vorstellung zugrunde liegt, dass Frauen weniger wert seien. Kurzum: Geschlechtsspezifische Gewalt basiere auf einem tief sitzenden patriarchalen Verständnis.

Ermittler der Polizei untersuchen den Tatort eines mutmaßlichen Femizids in Apensen. Foto: Vasel

In mehr als 40 Prozent der vom Bundeskriminalamt als Femizid im Rahmen des sogenannten Lagebilds "Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten" erfassten Fälle war der (Ex-)Partner der Täter. Im Jahr 2023 gab es mit 360 getöteten Mädchen und Frauen laut BKA beinahe jeden Tag einen Femizid in Deutschland.

Eine Frau, die von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet wurde, war im Jahr 2023 Renata S.: Ihr Noch-Ehemann tötete sie am 19. September in der Moorstraße in Horneburg mit Messerstichen. Das Landgericht Stade verurteilte ihn wegen Mordes zu einer Haftstrafe von zehn Jahren.

Ein Jahr später gab es einen weiteren Femizid. Der Täter war der vom Opfer getrennt lebende Ehemann, und er hatte ein Kontaktverbot. Am 11. November 2024 kam es aber trotzdem zu einem bestialischen Verbrechen. Der Mann überschüttete sich und seine Frau in Buxtehude in der Schröderstraße mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie und sich selbst an. Der Täter (47) überlebte sein eigenes Verbrechen nicht, die Frau starb einen Tag später im Krankenhaus. Es folgten Mahnwachen.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Birgit Butter aus Buxtehude kämpft seitdem für die schnelle Einführung der elektronischen Fußfessel. Allerdings will die rot-grüne Koalition in Hannover diese erst im Zuge der Polizeirechtsreform einführen - frühestens in eineinhalb Jahren.

Von Björn Vasel

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