Christoph Frauenpreiß (M.) und seine Mutter Christa verfolgen die Ergebnisse aus den Wahlbezirken im Norddeutschen Hof mit Spannung, die Lars Birner (l.) live aufruft. Foto: Kramp
Christoph Frauenpreiß (M.) und seine Mutter Christa verfolgen die Ergebnisse aus den Wahlbezirken im Norddeutschen Hof mit Spannung, die Lars Birner (l.) live aufruft. Foto: Kramp
Bundestagswahl 2025

Spannung bis zum Ende: Christoph Frauenpreiß (CDU) holt Wahlkreis Cuxhaven-Stade II

von Kai Koppe | 23.02.2025

So klar der Abstand zwischen Union und SPD auf Bundesebene war -  im hiesigen Wahlkreis wurde es am Wahlabend spannend. Wenige Prozentpunkte trennten Daniel Schneider und seinen CDU-Herausforderer Christoph Frauenpreiß.

Um 22.10 Uhr waren 306 von 307 Wahllokalen im Wahlkreis ausgezählt. Christoph Frauenpreiß (CDU) hatte sich zu diesem Zeitpunkt 32,72 Prozent der Erststimmen gesichert. Daniel Schneider (SPD) stand bei 30,34 Prozent. Er habe Frauenpreiß soeben zum Gewinn des Wahlkreises gratuliert, teilte Uwe Santjer in seiner Funktion als Oberbürgermeister der Stadt Cuxhaven mit. Der mutmaßliche Direktmandatsgewinner, der in Altenbruch zuhause ist, hatte den Wahlabend im Kreise seiner Parteifreunde im "Norddeutschen Hof" (Lüdingworth) verfolgt. Sein Vorsprung gegenüber dem Mitbewerber dürfte sich auf circa 3600 Stimmen belaufen.

Christoph Frauenpreiß (CDU) bei der Stimmabgabe in der Altenbrucher Schule. Foto: Kramp

Frauenpreiß: "Mit meinem Ergebnis und dem Zuspruch sehr zufrieden"

"Insgesamt bin ich mit meinem Ergebnis und dem Zuspruch sehr zufrieden", kommentierte Christoph Frauenpreiß das sich abzeichnende Ergebnis in einer kurz vor Redaktionsschluss abgegebenen ersten Stellungnahme. Zu diesem Zeitpunkt stand allerdings noch nicht fest, ob der Christdemokrat es tatsächlich geschafft hat, als Wahlkreissieger in den Bundestag einzuziehen. Die Ungewissheit hielt an, so richtiger Jubel mochte nicht aufkommen. Um kurz vor 21.30 Uhr war Enak Ferlemann in Lüdingworth ans Mikro getreten - allerdings noch nicht, um Frauenpreiß zu beglückwünschen. Jener habe zwar einen Stimmenvorsprung, allerdings stehe noch nicht fest, ob es für das Ticket nach Berlin reiche. Daher bat der CDU-Kreisvorsitzende und scheidende Bundestagsabgeordnete die Gäste der Wahlparty weiterhin um Geduld. Landrat Thorsten Krüger hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon weiter aus dem Fenster gelehnt und Frauenpreiß gratuliert. Ferlemann sagte aber. Die Tendenz sieht gut aus."

Christoph Frauenpreiß bei der Stimmabgabe im Wahllokal. Foto: Kramp

Christoph Frauenpreiß hatte sich im Wahlkampf für Stärkung der Wirtschaft, Bürokratieabbau, bessere Bildungsangebote und gute Lebensbedingungen im ländlichen Raum sowie den Ausbau der Erneuerbaren Energie stark gemacht. Am Wahlsonntag stand für den Altenbrucher morgens zunächst der Gottesdienstbesuch in der St. Nicolaikirche auf seinem Terminplan. "Ich gehe zwar nicht jeden Sonntag in die Kirche, aber diesmal war es mir doch sehr wichtig", meinte Christoph Frauenpreiß.

Wahlkampf bis zur letzten Minute

Jede Menge aufmunternde Worte, wohlwollendes Schulterklopfen und freundliche Umarmungen gab es dann beim Wahllokal in der Altenbrucher Schule. Aus jeder Altersgruppe wünschten etliche Wählerinnen und Wähler ihrem Bürgermeister an diesem Sonntagvormittag persönlich Glück und Erfolg. "Dann mach‘ mal Dein Kreuz an der richtigen Stelle", ermunterte ein älteres Ehepaar den CDU-Kandidaten. Bevor er selbst allerdings seine beiden Kreuze setzten konnte, musste sich Christoph Frauenpreiß in Begleitung seiner jüngsten Tochter Sophie (4) erst einmal in die Schlange einreihen, so groß war kurz vor Mittag in Altenbruch der Ansturm.

Am Nachmittag hätte es eigentlich mit der Familie ins Kino gehen sollen, aber weil die älteste Tochter Charlotte (8) noch kränkelte, blieb Familie Frauenpreiß doch lieber zu Hause, holte die Spiele aus dem Schrank und verbrachte bei Uno & Co. ein paar entspannende und politikfreie Stunden. Das war Frauepreiß noch ein Verlierer:

Quasi bis zur letzten Minute hatte der 40-jährige Bankbetriebswirt noch bis zum Sonnabendabend um jede Stimme gekämpft. Am Freitagabend war er mit der Jungen Union in Geestland und der Börde Lamstedt unterwegs und am Sonnabend in Cuxhaven auf Tour -  morgens auf dem Wochenmarkt, dann in der Innenstadt und schließlich bis 19 Uhr Haustürbesuche im Musikerviertel.

Schneider (SPD): "Kein richtiger Partyabend"

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Daniel Schneider hatte Freunde und Unterstützer für den Wahlabend in die Cuxhavener Hapag-Hallen eingeladen. Die 18 Uhr-Prognose, mit dem sich im Laufe des Abends verdichtenden Bundestrend wurde von den Gästen (darunter Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens und die beiden Landtagsabgeordneten Oliver Lottke und Oliver Ebken) mehr oder weniger schweigend zur Kenntnis genommen. Kurz vor 19 Uhr wandte sich der Kandidat dann an die im Kuppelsaal versammelten Mitstreiter: Daniel Schneider gratulierte der CDU zum bereits ablesbaren Wahlsieg auf Bundesebene. "Ich sage euch ganz klar", schob er nach einer kurzen Pause an die Genossinnen und Genossen gerichtet nach, "ich bin kein Merz-Fan".

SPD-Bundestagskandidat Daniel Schneider (M.), hier mit (v. l.) Oliver Lottke, Daniela Behrens und Uwe Santjer. Foto: Koppe

Zuvor hatte der 48-Jährige eingeräumt, dass das Get-Together am Steubenhöft "kein richtiger Partyabend" werden würde: Von einem "Wahlabend" wollte Daniel Schneider lieber sprechen als von einer Feier. "Trotzdem will ich euch sagen: Mir geht es gut!", betonte der Sozialdemokrat, der 2021 mit 36,8 Prozent der Erststimmen in den Deutschen Bundestag eingezogen war. Er gehe nicht davon aus, dass er zu Wochenbeginn seine Arbeit in Berlin fortsetzen werde, sagte Schneider am frühen Sonntagabend - die bundesweiten Verluste seiner Partei vor Augen.

Ob die Liste zieht, ist derzeit noch offen

Auf Wahlkreisebene ließ sich die Frage um Sieg oder Niederlage zunächst aber gar nicht so leicht beantworten: Mit fortschreitender Zahl der ausgezählten Wahllokale verkürzte sich Schneiders Abstand auf den CDU-Wahlkreiskandidaten Christoph Frauenpreiß. "In der Nachspielzeit gewinnen - das wär doch was!", frohlockte der SPD-Bezirksvorsitzende Uwe Santjer, nachdem das persönliche Ergebnis des Kandidaten auf Stadtgebietsebene für (an diesem Abend selten) frenetischen Jubel gesorgt hatte. Santjers Hoffnung, dass sich der Wahlkreis zugunsten der SPD drehen würde, bestätigte sich am Ende nicht. Unklar bleibt zur Stunde noch, ob es dem gebürtigen Cuxhavener Daniel Schneider gelingen wird, über die Liste der Landespartei in den nächsten Deutschen Bundestag einzuziehen.

Der Genannte hatte selbst am Sonntagmittag gewählt. In Begleitung seiner Frau Silja und seinen beiden Söhnen hatte er im Wahllokal in der Otterndorfer Kindertagesstätte am Medembogen seine Stimme abgegeben. Den Rest des Tages werde er im Kreise von Familie, Freunden und Unterstützern verbringen. Er sei froh, dass der Wahlkampf vorbei sei. "Er war kurz, aber eiskalt", kommentierte der Sozialdemokrat.

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Kai Koppe

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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