Hemmoor und Couhé: Sport und Schulen als Fundament für europäischen Gedanken
2027 besteht die Partnerschaft zwischen Hemmoor und Couhé seit 60 Jahren. Ein schönes Jubiläum - aber wie geht es perspektivisch weiter? Darüber wurde ausführlich bei einem Treffen an der Oste gesprochen. Auch das Feiern kam dabei nicht zu kurz.
Das Problem trifft auf viele Städte und Gemeinden im Cuxland zu: Partnerschaften mit Kommunen im europäischen Ausland bestehen zwar noch auf dem Papier, aber gelebt werden sie nicht mehr. Um eine solche Entwicklung zu vermeiden, haben am Wochenende die Partner aus Hemmoor und dem französischen Couhé ausgelotet, wie man ihrer Verbindung neue Impulse geben kann; es gibt vielversprechende Ansätze. Im nächsten Jahr besteht die Partnerschaft bereits seit 60 Jahren.
"Zu Gast bei Freunden": Das wäre wohl die passende Formulierung, wenn man die Begegnungen der Franzosen und Deutschen beschreiben sollte. Auch in diesem Jahr waren die Gäste aus dem rund 350 Kilometer südwestlich von Paris gelegenen Ort in Hemmoorer Gastfamilien untergebracht. Für manche war es die Auffrischung lange bestehender Freundschaften; für andere die erste Begegnung.
Warstader stellten die Weichen
Nach einem offiziellen Empfang durch die Stadt ging es in die Familien. Am nächsten Tag standen unter anderem ein Arbeitstreffen zur Zukunft der Städtepartnerschaft, der Besuch der Cuxland-Ausstellung (mit französischem Stand) und abends ein Grillen an, bevor dann der Sonntag individuell zur freien Gestaltung genutzt werden konnte.
Treffen dieser Art gab es in den vergangenen knapp sechs Jahrzehnten regelmäßig. 1967 hatte die damals eigenständige Gemeinde Warstade - heute ein Hemmoorer Stadtteil - den Kontakt mit Couhé geknüpft und einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Da die Franzosen zu diesem Zeitpunkt eine enge Verbindung zu Swaffham (Großbritannien) unterhielten, entstand die Idee zu einer sogenannten "Ringpartnerschaft". Inzwischen hat Swaffham jedoch die Beziehungen zu den Partnerkommunen gekappt.
Alle zwei Jahre fanden bis zu diesem Zeitpunkt die Partnerschaftstreffen statt. Dabei soll es auch bleiben - aber eben nur zwischen Hemmoor und Couhé. Bleibt die Frage: Wie führt man eine solche Beziehung abseits einer rein offiziellen Ebene fort? Darum ging es insbesondere bei dem Arbeitstreffen am Sonnabendnachmittag. Klar wurde dabei, dass man versuchen möchte und muss, verstärkt Kinder und Jugendliche für die Möglichkeit einer Partnerschaftsidee zu begeistern.
Beziehung auch zwischen zwei Grundschulen
Zum Teil geschieht dies bereits durch einen Schüleraustausch und auch durch Verbindungen zwischen den Grundschulen in Couhé und Wingst im Bereich der Umweltbildung. Doch da ist sicherlich noch Luft nach oben. "Entscheidend für die langfristige Perspektive ist, wie früh wir beide Seiten für die Begegnungen interessieren - je jünger, je besser", sagt Hemmoors Bürgermeisterin Sabine Wist.
Die stellvertretende Verwaltungschefin Karina Kramer bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: den Sport. Die Idee, eine gemeinsame "Woche des Sports" oder ein Sportwochenende zu initiieren, sei bei dem Treffen einhellig begrüßt worden.
"Wir müssen einfach neue Wege finden"
Im Rahmen von Videokonferenzen sollen die in Hemmoor entwickelten Ansätze in den kommenden Wochen noch vertieft werden, um im Jubiläumsjahr 2027 auch ganz praktisch die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Klar ist für die Vorsitzende des Hemmoorer Städtepartnerschaftsclubs, Sabine Cordes, dass derartige Beziehungen über Landesgrenzen hinweg wichtiger denn je sind. Cordes: "Solche Partnerschaften sind ganz zentrale Elemente in Europa." Und man müsse alles daran setzen, nicht nur gemeinsame Ziele zu definieren, sondern sie auch zu erreichen: "Wir müssen einfach neue Wege finden und neue Erfahrungen sammeln für ein Miteinander in Europa."
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