"Container-Diebesbande" hielt Kreis Cuxhaven in Atem - 2004 klickten Handschellen
Neun Männer stehen wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Hamburg vor Gericht, darunter ein Hemmoorer. Bereits 2004 stand ein Mann aus Hemmoor im Fokus eines großen Prozesses in Stade - wegen Containerdiebstählen, Einbrüchen und Steuerhinterziehung.
Derzeit müssen sich neun Männer wegen (teils bandenmäßigen) Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Unter den Angeklagten ist auch ein Mann aus Hemmoor. Bereits 2004 stand ein Hemmoorer als Teil der "Container-Diebesbande" im Mittelpunkt eines spektakulären Prozesses um Diebstähle, Einbrüche und Steuerhinterziehung mit Millionenschaden.
Mit dem Prozess vor dem Landgericht Stade fand im November 2004 eine spektakuläre Serie von Containerdiebstählen und Einbrüchen ihren vorläufigen juristischen Höhepunkt. Im Mittelpunkt standen ein damals 35-jähriger Mann aus Hemmoor sowie die Brüder Ewald und Peter J. aus Hadeln. Nach Auffassung der Ermittler bildeten sie den Kern einer Bande, die über Jahre hinweg Lastwagen und Container mit hochwertiger Fracht plünderten.
Zigaretten im Verkaufswert von 1,8 Millionen Euro
Die Ermittlungen hatten bereits Jahre zuvor begonnen. Zwischen 2002 und Anfang 2004 sollen mehrere Männer aus dem Raum Hemmoor und dem ehemaligen Landkreis Hadeln gemeinsam mit weiteren Beteiligten zahlreiche Ladungsdiebstähle begangen haben.
Nach Angaben der Ermittler lief das Vorgehen häufig nach demselben Muster ab. Die Brüder, beide gelernte Lastwagenfahrer, sollen Informationen über wertvolle Ladungen weitergegeben haben. Anschließend wurden Container oder Lastwagen gezielt geöffnet, die Ware in Transporter umgeladen und später verkauft. Zu den gestohlenen Gütern gehörten unter anderem Motorsägen, Heckenscheren, Unterhaltungselektronik, Möbel, Motorenöl und Kleidung. Wie hoch der Gesamtschaden tatsächlich war, ließ sich damals noch nicht beziffern. Die Polizei ging jedoch davon aus, dass zahlreiche Speditionen und Auftraggeber erheblich geschädigt worden waren.
Den entscheidenden Schlag gegen die Gruppe landeten die Ermittler in der Nacht zum 5. Februar 2004.
Im Hamburger Hafen wollten die Täter einen Container entwenden, der kurz zuvor per Schiff aus Rotterdam angekommen war. Mit gefälschten Ladepapieren und falschen Kennzeichen gelang es ihnen zunächst, die Fracht aus dem Hafen zu bringen. Als die Polizei zugriff, stellte sich heraus, dass sich hinter zwei Paletten mit Kleiderbügeln unverzollte Zigaretten im geschätzten Verkaufswert von 1,8 Millionen Euro befanden. Der Coup scheiterte durch eine gemeinsame Aktion von Ermittlern aus Cuxhaven, Stade, Hamburg und dem Landeskriminalamt. Sieben Tatverdächtige wurden damals noch auf frischer Tat festgenommen.
Gemeinsam über 930.000 Euro Steuern hinterzogen
Vor Gericht wiesen die Angeklagten einander jeweils die Hauptverantwortung zu. Während zwei Mitangeklagte umfangreiche Geständnisse ablegten, bestritt der Hemmoorer, Drahtzieher der Gruppe gewesen zu sein. Er räumte lediglich eine geringere Beteiligung an einzelnen Taten ein. Das Verfahren zog sich über mehrere Monate hin. Dabei spielten unter anderem abgehörte Telefongespräche eine wichtige Rolle bei der Beweisaufnahme.
Am 19. November 2004 verkündete das Landgericht Stade sein Urteil. Der Hemmoorer wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sieben Monaten verurteilt und erhielt damit die höchste Strafe der Angeklagten. Die beiden Brüder aus Hadeln kamen jeweils mit einer zweijährigen Freiheitsstrafe davon, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Für sie stand damals allerdings noch ein weiteres Verfahren vor der Wirtschaftsstrafkammer im Raum.
Das Motiv sei bei allen gleich gewesen. Sie litten unter Geldnot. Alle drei gingen ihrer Spielleidenschaft nach, jedoch habe "keine pathologische Spielsucht" vorgelegen. "Es lag kein Kontrollverlust vor", so Richter Voß damals. Die Unterschiede zwischen T. und den Brüdern beim Strafmaß begründete das Gericht vor allen Dingen mit den unterschiedlichen Vorgeschichten. Während Ewald und Peter J., damals 46 und 44, "nahezu nicht vorbestraft" seien, weise T. "einschlägige erhebliche Vorstrafen" vor. Er sei außerdem ein "massiver Bewährungsversager", weil er eine frühere Bewährung im Jahr 2002 auch schon nicht geschafft habe.
Der Hemmoorer und einer der Brüder hatten Revision gegen das Urteil eingelegt, aber keinen Erfolg gehabt. Weil es sich bei dem letzten Coup um unverzollte Zigaretten handelte, mussten sich die drei und ein weiterer Angeklagter im August 2005 auch vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stade wegen Steuerhinterziehung verantworten. Insgesamt sollen sie mit dem Zigarettenschmuggel knapp über 932.000 Euro Steuern hinterzogen haben.
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