Das große Klärbecken auf der Abwasserreinigungsanlage in Hemmoor. Im Hintergrund ist der Faulturm zu erkennen, in dem Methangas produziert wird. Foto: Kramp
Das große Klärbecken auf der Abwasserreinigungsanlage in Hemmoor. Im Hintergrund ist der Faulturm zu erkennen, in dem Methangas produziert wird. Foto: Kramp
Zum Tag des Wassers

"Klo wird oft zum Mülleimer": Was Abfall in Toiletten im Klärwerk Hemmoor anrichtet

von Wiebke Kramp | 23.03.2025

So ein Schiet aber auch - das darf in einem Klärwerk wie in Hemmoor durchaus mal wörtlich genommen werden. Aber hier wird dafür gesorgt, dass Abwasser mit moderner Technik gereinigt wird. Der Wasserverband Wingst lud zum Blick hinter die Kulissen.

Offene Türen im Klärwerk Hemmoor: Dazu hatte am internationalen Tag des Wassers der Wasserverband Wingst geladen. Die Idee dazu kam von der Verbandsvorsteherin Carmen Sodtke - und sie traf damit ins Schwarze. Das Interesse war riesig, ausnahmsweise hinter die Kulissen blicken zu können, was aus dem Schmutzwasser wird, wenn es aus dem Klo oder der Dusche beim Klärwerk landet und wie es dort behandelt wird.

Seit Anfang 2024 ist der Wasserverband Wingst (WVW) in Verantwortung für das Klärwerk in Hemmoor-Sethlerhemm direkt hinter dem Ostedeich. Er hat die vor fünf Jahren grundsanierte Anlage von der Samtgemeinde Hemmoor übernommen. Der WVW hat jetzt mit Hemmoor und Oberndorf zwei eigene Abwasserreinigungsanlagen, übernimmt aber noch für die beiden kommunalen Anlagen in Oerel und Lamstedt die Betriebsführung.

Abwasser von rund 21.000 Einwohnern aus der Umgebung

Das Klärwerk Hemmoor entsorgt das Abwasser von rund 21.000 Einwohnern aus der Umgebung. Dafür sind 46 Pumpstationen, 90 Kilometer Kanalnetz und 23 Kilometer Druckleitungen in Betrieb. Zum Vergleich: Die Anlage in Oberndorf ist auf 2000 Einwohner ausgerichtet, hat Pumpstationen, 5,6 Kilometer Kanalnetz, 1,3 Kilometer Druckleitung sowie 1,4 Kilometer Vakuumleitung.

Abwassermeister Niklas Meyn, Verbandsvorsteherin Carmen Sodtke, Verbandsgeschäftsführer Sören Raap, Abwassermeister Christian Roth und stellvertretender Verbandsgeschäftsführer Patrick Pawlowski (v.l.) waren sehr zufrieden mit der Resonanz. Foto: Kramp

Im Faulturm wird Methangas erzeugt, mit dem die Steuerung des Blockheizkraftwerkes der Kläranlage erfolgt. Das in den Becken gereinigte, schadstofffreie Wasser wird schließlich in die Oste abgeleitet. Der verbliebene Schlamm, der durch den Einsatz einer Zentrifuge so wenig Wasseranteil wie möglich haben soll, wird zur Verbrennung nach Bremen abgefahren.

Feuchttücher und Putzlappen zerstören die Pumpen

Der leitende Abwassermeister Christian Roth, Abwassermeister Niklas Meyn und ihr Abwasserteam erläuterten den zahlreichen interessierten Gästen, wie die Reinigung in verschiedenen Klärbecken erfolgt und dass hier moderne Steuerungstechnik im Leitstand zum Einsatz kommt. Jede Pumpstation ist per Mausklick anwählbar. Das sei besonders bei Fehlermeldungen wichtig. Und daran seien häufig die Einwohner nicht unschuldig.

"Das Klo wird leider oft zum Mülleimer", ärgerte sich Christian Roth und zeigte, welche Dimensionen das annehmen kann, wenn Feuchttücher oder Putzlappen in der Toilette weggespült werden, im Abwasserkanalnetz landen, die Pumpen verstopfen und so schließlich Motorwellen zerstören können. Problematisch können aber auch Wurzeleinwüchse im Kanalnetz sein, die zeitnah mit einer Fräse und Abdichtungen beseitigt werden müssen, weil es durch Sandeinrieselungen dazu kommen kann, dass der Asphalt einbricht.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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