Brandserie in Hemmoor: Polizei verschärft Bewertung - Angst in der Stadt wächst
Nach mehreren Feuern in Hemmoor ordnet die Polizei die Taten neu ein - und verschärft die Bewertung. Außerdem ist von wachsender Sorge in der Stadt zu hören - insbesondere im mehrfach betroffenen Stadtteil.
Die Brandserie in Hemmoor nimmt kein Ende. Seit Anfang März hat es in der Stadt mindestens zehn Brandereignisse gegeben, mehrfach geht die Polizei von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Nach den beiden jüngsten Feuern in der Nacht vom 14. auf den 15. August verschärft die Polizeiinspektion Cuxhaven ihre Bewertung der Vorfälle: "In der Gesamtheit" müsse aufgrund der kriminalistischen Bewertung von einer "Tatserie von Brandstiftungen" ausgegangen werden, teilt Polizeisprecher Stephan Hertz mit. Die weiteren Ermittlungen übernimmt das zuständige Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes in Cuxhaven.
Zuletzt waren die Feuerwehren innerhalb weniger Stunden zweimal ausgerückt. Am Freitagabend (14. August) gegen 22.40 Uhr brannte in der Hollenworther Straße in Basbeck eine hohe Hecke direkt neben einem Wohnhaus und einem Carport. Zeugen berichteten von einer Person, die vom Brandort weggelaufen sein soll. Feuerwehrleute beobachteten zudem eine Drohne über dem Einsatzort.

Vier Stunden später brannte an der Ecke Industriestraße/B 495 ein großer Werbebanner einer Partei. Auch die Grasfläche darunter hatte Feuer gefangen. In beiden Fällen bestand früh der Verdacht auf vorsätzliche Brandstiftung.

Welche weiteren Brände der Serie zugeordnet werden können, werde weiterhin geprüft, erklärt Hertz. Details zu Tatverdächtigen, Spuren oder Ermittlungsmaßnahmen nennt die Polizei wegen der laufenden Verfahren nicht. Weitere Taten seien nicht auszuschließen. Die Polizei bittet deshalb darum, auf auffällige Personen und Fahrzeuge zu achten.
Bürgermeisterin: Brände sind "Riesenthema"
In Hemmoor hinterlässt die Serie längst Spuren. Bürgermeisterin Sabine Wist machen die Taten "sprachlos". Die Brände seien ein "Riesenthema". Besonders im stark betroffenen Ortsteil Basbeck hätten viele Menschen Angst. Einige Hausbesitzer hätten ihre Grundstücke bereits mit Kameras und anderen Sicherheitssystemen ausgestattet.
Wist denkt auch an die ehrenamtlichen Feuerwehrleute, "die nicht mehr zur Ruhe kommen". Anfang August waren innerhalb von rund zwölf Stunden vier Brände ausgebrochen, mehr als 100 Einsatzkräfte waren zeitweise gefordert. Gemeindebrandmeister Björn Müller sprach anschließend von einer Häufung, wie er sie in mehr als zwei Jahrzehnten Feuerwehrdienst nicht erlebt habe.

Besonders beunruhigend findet Sabine Wist die Beobachtung einer Drohne beim jüngsten Heckenbrand. Sollte sie tatsächlich etwas mit dem Täter zu tun haben, wäre das "richtig perfide", sagt die Bürgermeisterin. Zugleich beobachtete sie neben Angst, Verdächtigungen und Mutmaßungen auch eine andere Reaktion: Nachbarn rückten zusammen und passten gegenseitig aufeinander auf. Eine Art Bürgerwehr lehnt Wist allerdings entschieden ab. Wachsamkeit sei wichtig, eigenmächtige Ermittlungen dagegen nicht. "Das gehört in die Hände der Polizei", sagt sie. In deren Arbeit habe sie Vertrauen.
Die Reihe verdächtiger Brände reicht bis Anfang März zurück. Betroffen waren unter anderem ein Gartenhaus, ein Feuerholzunterstand, Mülltonnen, Autos und Container. Im Sommer brannten außerdem Stackbuschballen auf einem Lagerplatz sowie eine Bio-Mülltonne an einem Wohnhaus. Den bisherigen Höhepunkt bildeten vier Feuer am 2. und 3. August. Auf einem Lagerplatz an der Fährstraße brannten mehrere hundert Stackbuschballen und Baumstämme. Später folgten ein Heu-Rundballen, ein reetgedeckter Schuppen sowie ein Carport und ein Auto. Beim letzten Feuer griffen die Flammen auf den Dachstuhl eines Zweifamilienhauses über; eine Frau kam ins Krankenhaus.

Die Polizei hatte zudem mögliche Verbindungen zu drei Bränden in Hechthausen zwischen November 2025 und Januar 2026 geprüft. Anfang August wollte sie noch offenlassen, ob hinter mehreren Taten ein einzelner Täter oder eine Gruppe steht. Nun spricht sie erstmals ausdrücklich von einer Tatserie.
Wie ticken Serienbrandstifter, was treibt sie an? Ein einheitliches Täterprofil gibt es nach Einschätzung des Psychiaters Dr. Dirk Hesse, ärztlicher Direktor des Maßregelvollzugs in Moringen (Landkreis Northeim), nicht. Die Hintergründe könnten von psychischen Erkrankungen bis zu bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen reichen.
Häufiger anzutreffen seien ein geringes Selbstwertgefühl und mangelnde Selbstwirksamkeit. Durch ein Feuer könne sich das schlagartig ändern: Feuerwehr und Polizei rückten an, möglicherweise berichteten Medien. Es entstehe "eine Aufmerksamkeit, die mit nur einem Zündholz entstanden ist". Bei wiederholten Taten könne zudem eine Dynamik entstehen, die Hesse mit Suchtverhalten vergleicht: "Die Dosis reicht nicht mehr."

Politisches Motiv gilt als eher unwahrscheinlich
Dass zuletzt auch ein Werbebanner einer Partei brannte, lässt Bürgermeisterin Sabine Wist aufhorchen. Dadurch bekomme die Brandserie "noch eine ganz andere Couleur". Angriffe auf Politiker und mögliche Einschüchterungsversuche bereiteten ihr Sorgen. Die Polizei hält ein politisches Motiv derzeit allerdings für eher unwahrscheinlich. Der Staatsschutz sei informiert, aber nicht in die Ermittlungen eingebunden, so Polizeisprecher Stephan Hertz. Die Prüfung möglicher Hintergründe dauere an.
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