Der Lack ist ab: Was wird aus dem Zementmuseum in Hemmoor?
Eigentlich hätte man in Hemmoor 2025 einen Grund, um im Zementmuseum zu feiern: Vor einem Jahrhundert erfolgte der Stapellauf der Zementschute "Hemmoor 3". Doch von Feierlaune keine Spur: Vielmehr befindet sich das Areal in einem schlechten Zustand.
"Deutsches Zementmuseum" ist auf einem großen Schild an der Ortsdurchfahrt (B 73) zu lesen. Große Lettern; vielleicht zu groß für den Hinweis auf ein angeblich lohnendes Ausflugsziel oder einen Zwischenstopp. Bei einem Blick auf die Exponate - vom Drehofen über einen Elektromotor bis hin zur kleinen Lok - wird schnell klar, dass das Museum als kulturgeschichtliches Angebot seit vielen Jahren nur ein Nischendasein fristet. Rost hat längst die Oberhand gewonnen, an morsche Holzbänke erinnern nur noch Metallgerüste, viele Hinweistafeln sind kaum noch zu entziffern und für ein Abstecher in die Schute "Hemmoor 3" gibt es keine festen Öffnungszeiten mehr. Dass - wie berichtet - die mannshohe Metallskulptur "Zementpacker" von Metalldieben entwendet und in Einzelteilen verhökert wurde, passt da irgendwie in das Bild der Gesamtsituation.
Viele Ehrenamtliche
halfen mit
Der Enthusiasmus aus der Anfangszeit des Zementmuseums ist verflogen. Vorwiegend ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger hatten damals dafür gesorgt, dass die mit der Zementproduktion verbundene Historie Hemmoors nicht in Vergessenheit geriet. Allein 6000 Arbeitsstunden leisten sie in ihrer Freizeit, um die 26 Meter lange Zementschute "Hemmoor 3", die mit ihren "Schwesterschiffen" den Zement auf der Oste nach Hamburg transportiert hatte, in ein Museum mit zahlreichen Exponaten zu verwandeln. Unter den Freiwilligen befanden sich auch zahlreiche ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des seit rund 40 Jahren stillgelegten Zementwerks.
Viele leben heute nicht mehr oder sind derart betagt, dass sie einfach nicht mehr helfen können. Der Kulturstiftung "Zement aus Hemmoor" fehlen genügend Mitstreiter, um den Museumsbetrieb zu garantieren und das Gelände in Schuss zu halten. Einen deutlichen Hilferuf an die Politik gab es bereits und auch das Bekenntnis des Rates, dass das Museum "saniert und modernisiert wird". Das war 2018. Auf die Umsetzung wartet die Kulturstiftung immer noch.
"Zukunftsräume
Niedersachsen"
Doch inzwischen ist Bewegung in die Angelegenheit gekommen. In dem vom Land Niedersachsen aufgelegten Förderprogramm "Zukunftsräume Niedersachsen" ist auch Hemmoor mit der Neukonzeption für das Zementmuseum berücksichtigt worden. Vor einem knappen Jahr hatte das Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten signalisiert, dass ein Zuschuss in einer Größenordnung von 300.000 Euro fließen könnte. Das Programm richtet sich an niedersächsische Klein- und Mittelstädte sowie Gemeinden und Samtgemeinden in ländlichen Räumen ab 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, in denen sich - raumplanerisch - ein "Grund- oder Mittelzentrum" befindet.
"'Zukunftsräume Niedersachsen' ist bewusst als niedrigschwelliges Programm konzipiert, um Raum zum Experimentieren zu bieten und so innovative Konzepte zu fördern. Gefördert werden sowohl konkrete Projekte als auch Beratungsleistungen. Die projektbezogene Förderung liegt bei 60 Prozent und für Kommunen mit geringer Steuereinnahmekraft bei 90 Prozent; jeweils gemessen an den zuwendungsfähigen Gesamtausgaben", lauten grundsätzliche Vorgaben seitens des Ministeriums für die Zuschussgewährung.
Noch zahlreiche
offene Fragen
In den Reihen der Politik wird zwar eigentlich die Förderung begrüßt, allerdings fehlt so manchem Ratsmitglied noch der Dialog bei der genauen Ausgestaltung dieses Projektes. So stellt sich die Frage, ob möglicherweise eine Kooperation der Zementstiftung und des Geschichts- und Heimatvereins Synergieeffekte schaffen könnte und welche Sanierungsmaßnahmen überhaupt notwendig sind.
Solche Gespräche sollen zunächst intern geführt werden, bevor dann die politische Diskussion beginnt und eine Entscheidungsfindung erfolgt. Allerdings: Klar ist, dass etwas passieren muss, denn aktuell wird die Bezeichnung "Deutsches Zementmuseum" angesichts des Erscheinungsbildes der Erwartungserhaltung an einen Museumsbesuch nicht gerecht.


