Eiserne Hochzeit in Hemmoor: Ihre Geschichte begann auf dem Schützenfest
Ein Sofa, zwei Menschen und 65 Jahre voller gemeinsamer Erinnerungen. In Hemmoor wird ein besonderes Jubiläum gefeiert, das nicht nur von Liebe, sondern auch von einem unerwarteten Hochzeitsessen erzählt.
Für das Foto rücken Werner und Hildegard Mentzler auf dem Sofa ein Stück zusammen. Ein kurzer Blick zur Seite, direkt zum anderen. Vertraut, aufmerksam, mit einem kleinen Lächeln. 65 Jahre Ehe liegen zwischen diesem Moment und jenem Schützenfest, auf dem alles begann.
15 Jahre alt war die gebürtige Cuxhavenerin damals, ihr Ehemann Jürgen bereits 20, als sie sich kennenlernten. Drei Jahre später folgte die Verlobung und nach weiteren drei Jahren, im Jahr 1961, die Hochzeit. Am Mittwoch (26. August 2026) feiern sie nun ihre Eiserne Hochzeit.
Gefeiert wurde die Hochzeit damals bei der Firma Jürgens in Warstade, erinnert sich Werner Mentzler. Eigentlich gehörte zu einer richtigen Hochzeit zu dieser Zeit eine Suppe. Das Paar hatte jedoch andere Pläne. "Wir wollten Braten", erzählt Hildegard Mentzler.
Ganz so einfach ließen Freunde und Nachbarn ihnen das nicht durchgehen. Die fehlende Hochzeitssuppe wurde nachgeholt. "Damit es auch vernünftig gemacht wird", erinnert sich das Ehepaar und muss lachen.
Ein Haus für die Familie
Zwei Jahre nach der Hochzeit folgte das nächste große gemeinsame Projekt. 1963 bauten sie ihr Haus. "Selbst gebaut und finanziert", betonen beide. Es ist ein Satz, in dem noch heute Stolz steckt. In Hemmoor wuchsen ihre beiden Söhne auf. Der ältere Sohn ist inzwischen 63 Jahre alt und lebt seit 18 Jahren in Kanada, der zweite Sohn lebt in Frankfurt. Vier Enkel gehören heute zur Familie.
Besonders die Reisen nach Kanada sind dem Ehepaar in Erinnerung geblieben. Sie schwärmen von den Wäldern und der Weite, die sie bei den Besuchen ihres Sohnes erlebt haben. Heute sind solche Reisen schwieriger geworden. Auch mit dem Autofahren ist inzwischen Schluss. Man müsse wissen, wann es nicht mehr sicher sei, sagt Werner Mentzler. Beim Einkaufen wird das Ehepaar von ein paar Nachbarn unterstützt.

Zwei Lebenswege treffen sich in Hemmoor
Hildgard Mentzler verbrachte viel Zeit bei ihrer Großmutter im Hemmorer Stadtteil Basbeck. "Ich war ein Oma-Kind", sagt sie von sich selbst. Ihr Großvater war nach dem Krieg als Bürgermeister von Basbeck, von den Briten eingesetzt worden. 1955 begann sie eine Ausbildung im Bäckerhandwerk. Später arbeitete sie als Verkäuferin in einem Spielwarengeschäft und bei Kaufmann Schröder - dort half sie auch noch aus, als das zweite Kind bereits geboren war.
Seit 50 Jahren ist sie nun schon Mitglied im Deutschen Roten Kreuz, 30 Jahre war sie als Bezirksdame tätig. Dazu kam die ländliche Erwachsenenbildung, in der sie als Dozentin arbeitete. Handarbeiten sind bis heute ihr Hobby. "Wir beide hatten immer unsere Hobbys", betont sie.
Werner Mentzler kam mit zehn Jahren gemeinsam mit seiner Mutter als Flüchtlingskind aus Oberschlesien in die Region. Eigentlich wollte er Schlachter werden, später arbeitete er jedoch in verschiedenen Berufen. Auch gesellschaftlich engagierte er sich. Er war in der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands) und im Bund der Vertriebenen aktiv. 30 Jahre gehörte er der CDU an - und seit inzwischen ebenfalls rund 30 Jahren nicht mehr.
"Nichts geht ohne den anderen"
Wenn Hildegard und Werner Mentzler von ihrer Ehe erzählen, geht es weniger um ein Geheimrezept als um etwas sehr Alltägliches: miteinander reden und Verständnis füreinander haben. Getrennt seien sie in all den Jahrzehnten eigentlich nur gewesen, wenn einer von ihnen ins Krankenhaus musste. "Nichts geht ohne den anderen", sagen sie.
"Wir haben schon immer miteinander geredet, aber jetzt im Alter noch mehr", erzählt Hildegard Mentzler. Und so sitzen sie auch 65 Jahre nach ihrer Hochzeit nebeneinander auf dem Sofa und haben sich noch immer etwas zu sagen.
Am Mittwoch wird es dort vermutlich etwas voller. Die Hemmoorer Bürgermeisterin Sabine Wist, die Landrätin sowie Vertreter von Kirche und DRK haben sich zum Jubiläum angekündigt. Die Nachbarn wissen dagegen noch gar nichts von der Eisernen Hochzeit.
Das Ehepaar freut sich auf den Tag. Und auf das, was danach kommt. Große Pläne brauchen sie dafür nicht. Sie wollen vor allem eines: das Leben, das sie seit so vielen Jahrzehnten miteinander teilen, noch möglichst lange gemeinsam genießen.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.