Innovatives Konzept und Hort-Aus in der Samtgemeinde Hemmoor
Die Horte in der Samtgemeinde Hemmoor haben mittel- und langfristig keine Zukunft mehr. Ein alternatives Konzept zur Ganztagsschulbetreuung soll zunächst an zwei Grundschulstandorten getestet werden.
Von Egbert Schröder
Hemmoor/Hechthausen. In Niedersachsen wird es ein Hort-Sterben geben. Das ist die Folge der schrittweisen Einführung eines Rechtsanspruchs auf eine Ganztagsbeschulung für alle Grundschüler. In der Samtgemeinde Hemmoor könnte es besonders zügig gehen: Bereits zum neuen Schuljahr 2026/2027 wird es wohl in Hechthausen und Althemmoor die Einführung eines innovativen "Trägerschaftsmodells" an den Grundschulen als Hort-Ersatz geben.
Die Hortbetreuung ist in Niedersachsen ein Auslaufmodell, nachdem der Rechtsanspruch auf ein Ganztagsschulangebot besteht; zunächst jedoch nur für die Erstklässler ab dem Schuljahr 2026/2027. Sukzessive wird dieser Anspruch aber Jahr für Jahr auch auf die drei höheren Klassenstufen ausgedehnt. Spätestens dann dürfte das Ende des Hortangebotes besiegelt sein, denn finanziell müssten die Kommunen einen Hortbetrieb künftig alleine finanzieren. Im Fall der Samtgemeinde Hemmoor handelt es sich bereits jetzt um einen Zuschuss von rund 300.000 Euro pro Jahr. Die Summe würde sich ohne Co-Finanzierung von Land und Kreis noch erhöhen.
Doch dazu kommt es nicht, denn die Hort-Standorte in Hechthausen und Hemmoor (Räumlichkeiten in der ehemaligen Förderschule) dürften nach aktuellem Stand Anfang kommenden Jahres geschlossen werden. Für eine "Doppelstruktur" mit einem Nebeneinander von Ganztagsschule und Hort werde es - so die stellvertretende Verwaltungschefin Karina Kramer im Hemmoorer Samtgemeinderat - keine Zuschüsse aus Mitteln des Landes und des Kreises geben: "Wir sollten das Thema Hort für uns beenden." Das unterstrich auch Lasse Weritz (CDU), der im Samtgemeinderat und im Kreistag aktiv ist: "Dafür gibt es langfristig kein Geld mehr." Zugleich hob er hervor, dass die Samtgemeinde Hemmoor im kommunalen Vergleich beim Thema Ganztagsschule bereits aktuell gut aufgestellt sei.
Ergänzung durch offene Jugendarbeit
Das Zukunftskonzept sieht zunächst für zwei Grundschulen (Althemmoor und Hechthausen) ein innovatives "Trägerschaftsmodell" vor, das vom Ganztagsschulkoordinator Arne Schlösser in Absprache mit dem Landkreis und der Samtgemeinde entwickelt worden ist. Dabei geht es um Folgendes: Der Paritätische, der in der Samtgemeinde bereits seit vielen Jahren mit der offenen Jugendarbeit betraut ist, würde nach dem offiziellen Schulschluss ein Ganztagsangebot für alle Klassenstufen anbieten. Zugleich stellt der "Pari" in Hemmoor und Hechthausen auch in den Ferien eine Betreuung von Schülerinnen und Schülern zwischen 7.30 und 15.30 Uhr sicher. In Hemmoor würde das Jugendzentrum mit seinen Räumlichkeiten und der Außenanlage für die Ferienzeit infrage kommen. In Hechthausen wären es die Schule und der Jugendtreff. Ferner können die Kinder auch die zusätzlichen Angebote der offenen Jugendarbeit wahrnehmen.
200 Betreuungsplätze in den Ferien
An beiden Orten würde es sich um jeweils 100 Ferienbetreuungsplätze handeln, die grundsätzlich übrigens für alle Kinder aus dem Landkreis zur Verfügung stünden. Die Finanzierung des Gesamtpaketes sollen der Landkreis zu 75 Prozent und das Land zu 24 Prozent tragen. Die (überschaubare) Aufgabe der Samtgemeinde wäre es weitgehend, die Räumlichkeiten zu stellen.
In den beiden Grundschulen Osten und Basbeck liefe im Ganztagsschulbetrieb zunächst das bislang praktizierte Modell weiter, das die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern beinhaltet (unter anderem mit Sportvereinen). Wann und ob die beiden Schulen auch auf das alternative "Trägerschaftsmodell" einschwenken wollen, wird sich zeigen.
Finanziell würde die Schließung der Horte die Samtgemeinde um rund 300.000 Euro entlasten. Gleichzeitig wäre das Ganztagsschulangebot für alle Klassenstufen inklusive der Ferienbetreuung gesichert.
