Trotz sengender Hitze bringt das Trommelensemble „Hot Hands“ die Bühne beim Tag der offenen Tür der Musikschule an der Oste in Hemmoor zum Beben. Foto: Brettschneider
Trotz sengender Hitze bringt das Trommelensemble „Hot Hands“ die Bühne beim Tag der offenen Tür der Musikschule an der Oste in Hemmoor zum Beben. Foto: Brettschneider
Tag der offenen Tür

Musikschule an der Oste in Hemmoor lädt zum Entdecken und Mitmachen ein

von Bengta Brettschneider | 28.06.2026

Instrumente ausprobieren, Ensembles erleben und mit Lehrkräften ins Gespräch kommen: Beim Tag der offenen Tür zeigt die Musikschule an der Oste in Hemmoor ihre ganze Vielfalt. Trotz großer Hitze nutzen viele Besucher die Gelegenheit zum Mitmachen.

Im Schatten der Pavillons lauschten rund 20 Besucherinnen und Besucher den Klängen der Band "MadO". Die sengende Mittagshitze hatte den Tag der offenen Tür der Musikschule an der Oste fest im Griff. Bereits am Vormittag hatten die Cuxland Brass den Auftakt gestaltet, außerdem hatte ein Flohmarkt für Musikinstrumente zahlreiche Interessierte angelockt.

"Wir fühlen uns wie die Bands beim Hurricane", scherzte der Sänger von "MadO". Mit Fleetwood Macs "Don't Stop" eröffnete die Gruppe ihr Programm. 

Den offiziellen Start übernahm dann der erste Vorsitzende der Musikschule, Ralf Drossner. "Das Wetter können wir uns nicht aussuchen, aber wir ziehen das eiskalt durch - oder besser gesagt heiß", sagt er mit einem Augenzwinkern.

"Man ist nie zu alt, ein Instrument zu lernen"

Gleichzeitig schlug er auch nachdenkliche Töne an. Ein schweres Jahr liege hinter der Musikschule. Im vergangenen Jahr war Musikschulleiter Wolfgang Haack verstorben. Nun gebe es aber wieder einen Blick nach vorn: Anfang August werde der neue Musikschulleiter seinen Dienst antreten. Drossner warb zudem dafür, den eigenen "inneren Schweinehund" zu überwinden. "Man ist nie zu alt, ein Instrument zu lernen", betonte er. Auch für Erwachsene gebe es passende Angebote und sogenannte Spätzünder-Klassen. Wer sich noch vor den Sommerferien anmelde, könne nach den Ferien direkt starten.

Die offizielle Eröffnung übernahm der erste Vorsitzende der Musikschule, Ralf Drossner. Foto: Brettschneider

Anschließend öffneten sich die Unterrichtsräume. Musikschullehrerinnen und Musikschullehrer stellten ihre Instrumente vor, beantworteten Fragen und luden zum Ausprobieren ein. Im Klavierraum saß Ronja Vetter mit ihrer Familie. Nach den Sommerferien besucht sie die sechste Klasse des Gymnasiums und möchte Klavier lernen. Erste Erfahrungen konnte sie bereits auf dem Keyboard sammeln. Klavierlehrerin Anja Wackhusen unterrichtet gemeinsam mit drei Kolleginnen und Kollegen an mehreren Tagen in der Woche. Rund 25 Schülerinnen und Schüler lernen bei ihr - die meisten zwischen acht und neun Jahre alt. Die jüngste Schülerin ist fünf, der älteste Schüler ist 68 Jahre alt.

Ronja Vetter und ihre Familie genießen den Tag der offenen Tür der Musikschule Hemmoor. Foto: Brettschneider
Seit inzwischen 41 Jahren unterrichtet Anja Wackhusen an der Musikschule. Foto: Brettschneider

Wie einen großen Hund streicheln

"Blockflöte bildet häufig die Basis", erklärte Wackhusen. Dadurch bekämen viele Kinder bereits in der Grundschule ein Gefühl für Noten und Musik. Ronja habe sich schon im Kindergarten für die Gitarre interessiert, erzählte ihre Mutter. Damals sei das Instrument allerdings noch zu groß gewesen. Seit inzwischen 41 Jahren unterrichtet Wackhusen an der Musikschule - länger als jede andere Lehrkraft. Schon ihr Vater war dort 28 Jahre lang tätig.

Im Nachbarraum zeigte Geigenlehrer Hans Helmut Desch einem Fünfjährigen die ersten Bewegungen mit dem Bogen. "Du musst den Arm bewegen, als würdest du einen ganz großen Hund streicheln", erklärte er und führte vorsichtig die Bewegung.

Hans Helmut Desch begann mit sechs Jahren, Geige zu spielen. Seitdem er 26 Jahre alt ist, unterrichtet er. Foto: Brettschneider

Desch begann selbst im Alter von acht Jahren mit dem Geigenspiel und unterrichtet seit seinem 26. Lebensjahr. Auf Anfängergeigen helfen kleine Aufkleber auf dem Griffbrett dabei, die richtigen Töne zu finden. "Aber irgendwann müssen sie weg - wie Stützräder beim Fahrrad."

Anfangs würden Kinder zunächst auf den leeren Saiten üben, erklärte er. Gleichzeitig lernen sie die ersten Noten. Vieles entwickle sich Schritt für Schritt. "Es geht viel ums Zuhören, Ausprobieren und immer wieder neu versuchen", führte er weiter aus. Gerade das gemeinsame Musizieren sei wichtig. "Man möchte gehört werden. Dafür muss man aber auch den anderen zuhören." Seine älteste Schülerin ist inzwischen 80 Jahre alt.

Besucher trotzen der Hitze beim Tag der offenen Tür. Foto: Brettschneider

Vom Klassenzimmer auf die Bühne

Während drinnen ausprobiert wurde, gehörte draußen die Bühne den jüngsten Musikerinnen und Musikern. Die Gruppen der musikalischen Früherziehung sangen das Lied vom Papagei "Kokoko". Anschließend übernahm der Chor "O-Tones" unter der Leitung von Christian Clasen. Mit Humor kündigte er das erste Lied an: Es gehe um eine Straße der Liebe - "aber nicht die Bahnhofstraße". Es folgt "Champs Élysées". Mittlerweile verfolgten rund 40 Besucherinnen und Besucher das Programm.

Clasen machte deutlich, wie viel Arbeit hinter einem kurzen Auftritt stecke. Ein zweieinhalb Minuten langes Lied werde oft ein ganzes Jahr lang geprobt. Bis ein Chorstück richtig gewachsen sei, brauche es häufig sogar noch länger. Zum Abschluss sang der Chor "You Are the Voice". "Es soll uns daran erinnern, dass jeder von uns eine Stimme hat", sagte Clasen. "Wir können sie erheben, wenn wir für oder gegen etwas sind."

Danach übernahm das Trommelensemble "Hot Hands" - ebenfalls unter der Leitung von Christian Clasen. Stolz präsentierte er zwei neue Instrumente: eine Dunun und eine Sangban, zwei westafrikanische Trommeln, die das Ensemble bei traditionellen Rhythmen einsetzt.

Am Ende zeigte der Tag der offenen Tür vor allem eines: Trotz hochsommerlicher Temperaturen stand die Musik im Mittelpunkt - und diese kennt weder Altersgrenzen noch Hitzepausen.

Besucher genießen im Schatten die musikalischen Darbietungen beim Tag der offenen Tür der Musikschule an der Oste in Hemmoor. Foto: Brettschneider

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