"Stadtvillen" statt Pflegeheim auf innerstädtischem Areal in Hemmoor?
In der Hemmoorer Politik ist die Nutzung einer Fläche im Stadtteil Basbeck umstritten. Noch gibt es Fragezeichen, was und in welcher Form dort tatsächlich geplant ist. Eine Ausschusssitzung sorgte für neue Fragen statt für Antworten.
Dreh- und Angelpunkt ist eine knapp 8000 Quadratmeter große Fläche, die südöstlich der Bahnhofstraße, nördlich des Tannenweges und westlich der Straße "Hoher Weg" im Stadtteil Basbeck liegt. Das Areal einer ehemaligen Gärtnerei war bereits vor rund fünf Jahren Thema im Stadtrat, denn der Grundstückseigentümer Rüdiger Hinck wollte dort ursprünglich eine Pflegeeinrichtung bauen. Das Konzept wurde jedoch nicht umgesetzt: "Ein Neubau der im Plangebiet vorgesehenen Pflegeeinrichtung für Senioren ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr tragfähig und soll daher auch kurz- bis mittelfristig nicht realisiert werden", heißt es in der Begründung der sogenannten "Vorentwurfsplanung", über die der Ausschuss für Stadtentwicklung unter der Leitung von Birgit Meyn-Horeis diskutierte.
Der Eigentümer hat einen Kurswechsel vollzogen und möchte nunmehr auf der planerisch noch als "Sondergebiet Pflegeeinrichtung" festgelegten Fläche eine Wohnbebauung umsetzen. Nach Angaben des Planungsbüros Dörr (Hechthausen) sind dort auch Appartements in "Stadtvillen"-Form geplant, wobei es sich jeweils um vier bis sechs Wohneinheiten handeln könne. Die Verkehrserschließung - so die erste Planung - soll "über die Bahnhofstraße über private Grundstückszufahrten" erfolgen, um dann die "innere Erschließung der geplanten Wohnbebauung über private Zuwegungen" zu ermöglichen. "Eine verkehrliche Anbindung des Plangebietes an den südöstlich verlaufenden Tannenweg ist weiterhin nicht vorgesehen worden, um das Entstehen eines Durchgangsverkehres zu vermeiden", heißt es. Zur Einordnung: Beim Tannenweg handelt es sich um eine Sackgasse in einem bestehenden Wohngebiet.
Was passiert mit der anderen Fläche?
Im Laufe der Sitzung wurde mehrfach die Frage aufgeworfen, ob das auch in Stein gemeißelt ist. Hinter dem rund 8000 Quadratmeter großen Areal, wo die Stadtvillen gebaut werden sollen, befindet sich nämlich noch eine weitere Fläche des Eigentümers. Was passiert, wenn auch dieser Bereich erschlossen werden soll? Wie wird dann die Verkehrserschließung geregelt?
Das Ratsmitglied Dirk Brauer (CDU-Fraktion) bezeichnete die "südlich gelegene unbeplante Fläche" als ein "Problemgebiet". Um auch mittel- und langfristig ein tragfähiges Verkehrskonzept zu bekommen, seien Gespräche unter anderem mit Anliegern und weiteren Grundstückseigentümern in diesem Bereich notwendig. Er forderte ein "städtebauliches Gesamtkonzept", um "Zwangssituationen" in der Zukunft zu vermeiden. Es wäre falsch, sich nur auf die aktuell geplante "Teilbebauung" dieses großen Areals zu fokussieren. Die Planung müsse schon "Hand und Fuß haben". Auch Jens Kleen (SPD) sieht noch Gesprächsbedarf: "Wir möchten keine Helikopterplanung für einzelne Bereiche."
"Das möchten wir schon genau wissen"
Zugleich warf Brauer die Frage nach einer alten Zeder auf, die bei den bereits vor Jahren erfolgten Rodungsarbeiten nicht abgesägt worden ist. In der Vorlage für die Sitzung hatte das Planungsbüro angemerkt, dass die im Nordwesten stehende Zeder an der Bahnhofstraße "aufgrund der reduzierten Vitalität des Baumes nicht erhalten werden solle". Dieser pauschalen Einschätzung kann Brauer noch nichts abgewinnen. Da geht es ihm wie Johannes Schmidt (Bürgerforum): "Das möchten wir schon genau wissen." Möglicherweise kann nur ein Baumgutachter klären, ob die Zeder tatsächlich ein Fall für die Kettensäge ist. Genau wissen möchte Tobias Söhl (Grüne) zudem, wie die geplanten "Stadtvillen" überhaupt aussehen sollen.
Auf Vorschlag der Ausschussvorsitzenden Birgit Meyn-Horeis (SPD) wurden mehrere Punkte auf die "To-do"-Liste gesetzt, die vor der möglichen Zustimmung zu einem Aufstellungsbeschluss für das "Stadtvillen"-Areal geklärt werden sollen. Eine Beschlussempfehlung an den Stadtrat gab es im Ausschuss nicht.