Veranstaltung der "ProvinzWerkstatt": Unzufriedenheit in Hemmoor treibt Wandel voran
"Was uns verbindet" bringt Menschen in Hemmoor ins Gespräch - organisiert von der "ProvinzWerkstatt". Mit festen Regeln und Zeit zum Zuhören geht es darum, wie aus Ideen konkrete Schritte werden und was davon in der Politik und Verwaltung ankommt.
Zum zweiten Mal fand eine Veranstaltung in Kooperation zwischen der Stadt Hemmoor und der "ProvinzWerkstatt" statt. Unter dem Titel "Was uns verbindet - über Gräben hinweg ins Gespräch kommen" sollte ein Raum entstehen, in dem Austausch trotz unterschiedlicher Meinungen möglich wird.
Grundlage ist das demokratische Gesprächsformat "Sprechen und Zuhören". Alle Teilnehmenden erhalten exakt gleich viel Redezeit - in diesem Fall drei Minuten. Während eine Person spricht, hören die anderen ausschließlich zu, ohne zu unterbrechen oder direkt zu reagieren. Erst wenn die eigene Redezeit beginnt, wird gesprochen.
Hemmoorer Erklärung als Ausgangspunkt
Die Diskussionen knüpfen an eine Entwicklung aus dem Spätsommer 2024 an: die sogenannte Hemmoorer Erklärung. Ein Arbeitskreis hatte sich damals mit grundlegenden Fragen beschäftigt: Wie wollen wir künftig in unserer Stadt miteinander leben? Welche Regeln gelten im Umgang miteinander? Und wie lassen sich Toleranz und Wertschätzung stärken?
Das Ergebnis waren sieben Thesen unter dem Leitgedanken "Wir in Hemmoor stehen für etwas …". Sie formulieren Grundsätze für das Zusammenleben: Alle Menschen sind willkommen, haben den gleichen Wert und sollen sich sicher fühlen. Respekt und Wertschätzung gelten als Grundlage, Toleranz wird betont - allerdings mit klaren Grenzen.
Am ersten Treffen der aktuellen Reihe hatten rund 30 Personen teilgenommen. In der Hemmoorer Kulturdiele wurde deutlich, wo viele der Teilnehmenden in Hemmoor Handlungsbedarf sehen. Leitfrage war: "Was wünschst du dir von einem besseren Hemmoor?" Die Unzufriedenheit mit Politik und Verwaltung war spürbar. Themen wie Miteinander, Bürgerbeteiligung, Verkehr oder Kommunikation standen im Mittelpunkt. Auch zwei Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirats waren zu der Veranstaltung gekommen. Der Altersdurchschnitt lag jedoch überwiegend über 45 Jahren, die Gruppe war insgesamt wenig divers.

Von der Unzufriedenheit zum Handeln
Die zweite Veranstaltung fand im DRK-Familienzentrum Hemmoor statt. Moderiert wurde sie erneut von Barbara und Ulrich von der "ProvinzWerkstatt". Die Gruppe hatte sich vorab auf das Duzen verständigt.
Ziel war es dieses Mal, den Blick nach vorn zu richten. "Was machen wir mit der Unzufriedenheit? Wenn sie bleibt, lähmt sie", erklärte Barbara. Statt Probleme zu wiederholen, ging es darum, konkrete Lösungen zu entwickeln.
Zum Einstieg wurde reflektiert, was vom ersten Treffen geblieben ist. Dabei kamen auch Vorbehalte gegenüber der Anwesenheit der Presse zur Sprache. Es wurde die Sorge vor nicht neutraler Berichterstattung geäußert, die Mehrheit sprach sich jedoch dafür aus, die Veranstaltung begleiten zu lassen.
Anschließend arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen an selbst gewählten Themen. Bürgermeisterin Sabine Wist übernahm die "Hummel-Funktion" und wechselte zwischen den Gruppen, um sich ein umfassendes Bild zu verschaffen. Wie zuvor galt das Prinzip der gleichen Redezeit ohne Unterbrechungen. In den Gruppen wurde die Frage bearbeitet, welche konkreten Schritte notwendig sind, um Hemmoor zu verbessern. Einzelne Teilnehmende übernahmen dabei organisatorische Aufgaben wie Zeitkontrolle, Moderation oder Dokumentation.

Ergebnisse und offene Fragen
Offen blieb jedoch die zentrale Frage: Wie gelangen die Ergebnisse in Politik und Verwaltung? Die Erfahrung, dass Ergebnisse zwar erarbeitet, anschließend aber nicht weiterverfolgt werden und "im Keller verschwinden", sorgte schon in der Vergangenheit für Frust. Beteiligung kann dann als wenig wirksam erlebt werden.
Ein Teilnehmer schlug vor, zu der Abschlussveranstaltung alle Fraktionsvorsitzenden des Rates einzuladen. Die "ProvinzWerkstatt" verwies darauf, dass entsprechende Einladungen bereits auch für die vergangene Veranstaltung ausgesprochen worden seien.
Finale Veranstaltung in der Osteschule Hemmoor
Die dritte und finale Veranstaltung soll sich damit beschäftigen, wie die erarbeiteten Ansätze verstetigt werden können. Sie findet am Montag, 11. Mai, um 18 Uhr in der Oste-Schule Hemmoor statt. Auch neue Interessierte können teilnehmen.
Die "ProvinzWerkstatt" ist ein eigenständiger Verein, der seit Oktober 2021 Angebote für Soziokultur und demokratische Entwicklungen im ländlichen Raum entwickelt.