Bereits am Freitag nutzten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Unterschrift unter die "Hemmoorer Erklärung" zu setzen. Foto: Egbert Schröder
Bereits am Freitag nutzten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Unterschrift unter die "Hemmoorer Erklärung" zu setzen. Foto: Egbert Schröder
Spielregeln für Gesellschaft

"Hemmoorer Erklärung": Eine Stadt zeigt Haltung und kämpft gegen Spaltung

von Egbert Schröder | 04.04.2025

Es ist keine alltägliche "Unterschriftensammlung": Am Freitag wurde die "Hemmoorer Erklärung" von vielen Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet, die ein "klares Signal" gegen die Spaltung der Gesellschaft und Ausgrenzung bestimmter Gruppen setzen.

Wie wollen wir künftig in unserer Stadt miteinander leben? Welche gesellschaftlichen Spielregeln gelten untereinander? Wie kann man Toleranz und Wertschätzung in der selbst ernannten "Miteinander-Stadt" fördern? Das sind nur drei Fragen, die sich die Mitglieder eines Arbeitskreises im Spätsommer 2024 stellten, als sie sich zum Meinungsaustausch und zur Formulierung gemeinsamer Grundsätze trafen.

Städtetag war Vorbild

Auslöser war die im Januar 2024 vom Deutschen Städtetag herausgegebene "Trierer Erklärung", in der dieser kommunale Spitzenverband klar Stellung gegen rechtsextreme Tendenzen bezog. "Das jüngst bekannt gewordene Treffen von AfD-Funktionären mit Mitgliedern der Identitären Bewegung und die dort diskutierte Deportation von Millionen Menschen aus Deutschland hat uns alle schockiert. Wir nehmen es nicht hin, dass rechtsextreme Kräfte eine Atmosphäre der Verunsicherung, der Angst und des Hasses in unserem Land und in unseren Städten schüren. In unseren Städten leben Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen - als Nachbarinnen und Nachbarn, als Kolleginnen und Kollegen, als Freundinnen und Freunde, als Familie. Das ist die Lebensrealität in unseren Stadtgesellschaften. Das macht unsere Städte aus. Unsere Städte gehören allen Menschen, die hier leben", hieß es unter anderem in dem Schreiben.

Kurz und knapp sind die Grundsätze zusammengefasst, die vom Arbeitskreis formuliert und vom Rat verabschiedet worden sind: Foto: Egbert Schröder

Arbeitskreis gegründet

Der Hemmoorer Gerd Drewes nahm diese Initiative zum Anlass, um den Hemmoorer Stadtrat zu bitten, sich ebenfalls zu positionieren. Der Rat griff diese Idee auf und suchte Freiwillige für einen Arbeitskreis, um vor Ort Stellung zu beziehen. "Es ging und geht um Toleranz, Respekt, Wertschätzung und die Überzeugung, dass jeder in unserer Stadt willkommen ist. Es geht um unsere gemeinsame Zukunft", sagte Bürgermeisterin Sabine Wist am Freitag bei der offiziellen Präsentation der "Sieben Thesen", die später von Jugendlichen der Hemmoorer Osteschule vorgetragen und von Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen kurz erläutert wurden. Dass diese Aussagen nicht nur deklaratorischen Charakter haben, sondern in die Realität umgesetzt werden müssen, machte die Bürgermeisterin unmissverständlich deutlich: "Es ist ein Versprechen, das wir uns gegenseitig geben, um ein Umfeld zu schaffen, in dem Vielfalt geschätzt und gelebt wird."

Bürgermeisterin Sabine Wist (am Rednerpult) dankte allen Mitwirkenden für die Formulierung und Präsentation der "Hemmoorer Erklärung". Foto: Egbert Schröder

"Wir in Hemmoor stehen für etwas…"

Und das sind die Thesen unter dem Motto "Wir in Hemmoor stehen für etwas …": Jede/r ist in Hemmoor willkommen. Jede/r soll sich in Hemmoor sicher fühlen. Jede/r hat in Hemmoor den gleichen Wert. Wir in Hemmoor gehen respektvoll und wertschätzend miteinander um. Wir sind "Hemmoor-tolerant" - Toleranz hat Grenzen (man darf auch NEIN sagen). Wir in Hemmoor sehen nicht weg. Wir wollen zusammen ein besseres Hemmoor schaffen." Es sind sieben kurze Grundsätze für ein besseres Miteinander, deren Umsetzung aber unbewusst in der Praxis manchmal nicht erfolgt oder zielgerichtet von bestimmten Interessengruppen unterwandert werden ...

Man kann noch unterschreiben

Übrigens: In den kommenden Tagen soll die "Hemmoorer Erklärung" noch im Rathaus ausgelegt werden, damit jeder Bürger und jede Bürgerin die Möglichkeit hat, zu unterschreiben und Solidarität zu zeigen.

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