Ein Verbrechen im Kreis Cuxhaven, ein Prozess in Frankreich: Der Fall "Maskenmann"
Die Entführung des neunjährigen Dennis aus einem Schullandheim in Wulsbüttel (Kreis Cuxhaven) führte die Ermittler zum sogenannten Maskenmann. Nun steht der verurteilte Mörder Martin N. in Frankreich vor Gericht. Die Chronologie.
Ein verschwundener Junge aus dem Kreis Cuxhaven, jahrelange Ermittlungen und die Jagd auf einen Serientäter: Der Fall des "Maskenmanns" hielt Deutschland über Jahre in Atem. Nach der Entführung und Ermordung des neunjährigen Dennis aus einem Schullandheim in Wulsbüttel wurde Martin N. später wegen mehrerer Morde verurteilt. Nun rückt ein weiterer mutmaßlicher Fall in Frankreich in den Fokus. Die wichtigsten Stationen der Chronik.
31. März 1992: Stefan J. (13) verschwindet aus einem Internat in Scheeßel im Kreis Rotenburg. Fünf Wochen später entdecken Spaziergängerinnen die gefesselte Leiche des Jungen bei Verden.
24. Juli 1995: Dennis R. (8) wird aus einem Zeltlager am Selker Noor (Schleswig-Holstein) entführt. Knapp drei Wochen später findet ein Jogger seine Leiche in den Dünen nahe der dänischen Stadt Holstebro.
5. September 2001: Der neunjährige Dennis K. verschwindet in der Nacht aus dem Schullandheim in Wulsbüttel im Kreis Cuxhaven.

11. September: Die Soko "Dennis" wird eingerichtet.
20. September: Pilzsammler finden die Leiche eines Kindes 40 Kilometer von Wulsbüttel entfernt.
22. September 2001: Die DNA-Analyse gibt traurige Gewissheit. Es handelt sich um Dennis. Er wurde erstickt.
22. Dezember 2001: Die Polizei geht jetzt davon, dass Dennis K. und die anderen beiden Jungen einem Serientäter zum Opfer gefallen sind.
21. Mai 2004: Die Soko Dennis sieht Parallelen beim Verschwinden von Jonathan. Der Junge wird an der französischen Atlantikküste in der Nähe von St. Nazaire tot aufgefunden. Auch er war aus einem Schullandheim entführt worden.
10. Februar 2011: Es gibt neue Hinweise und Zeugenaussagen zu den drei Morden. Ein Missbrauchsopfer erinnerte sich, dass er seinem damaligen Betreuer auf einer Jugendfreizeit eine Skizze des elterlichen Hauses zeichnete, mit den Angaben, wer wo schläft. Dies schildert er der Polizei.
13. April 2011: Die Polizei nimmt in Hamburg einen Verdächtigen fest.
14. April 2011: Der aus Bremen stammende Pädagoge Martin N. gesteht die drei Morde und weitere sexuelle Missbrauchsfälle.
27. Februar 2012: Martin N. wird wegen dreifachen Mordes und mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt. Das Landgericht Stade verurteilte den 41-Jährigen zu lebenslanger Haft. Zudem stellte es die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete die Sicherungsverwahrung an.
10. Januar 2013: Der Bundesgerichtshof gab der Revision der Verteidigung statt und hob die verhängte Sicherungsverwahrung für Martin N. auf. Seine Chancen auf eine vorzeitige Haftentlassung steigen damit aber nicht.
8. Mai 2017: Speichermedien aus der Wohnung von Martin N. hatten jahrelang Anlass zu Spekulationen über weitere Verbrechen gegeben. Deren Passwörter konnten aber nicht entschlüsselt werden. Mehr als fünf Jahre nach seiner Verurteilung hat der Maskenmann einige Passwörter zu seinen bisher verschlüsselten Datenträgern verraten.
Januar 2021: Martin N. wird zeitweise nach Frankreich ausgeliefert. Dort wird gegen ihn wegen des Verschwindens und Todes des zehnjährigen Jonathan aus dem Jahr 2004 ermittelt. Er soll das Kind aus einem Schullandheim entführt und getötet haben.
September 2021: Mangels ausreichender Beweise kehrt N. zunächst in die Haftanstalt in Deutschland zurück.
19. Mai 2026: In Nantes in Frankreich startet ein neuer Prozess gegen Martin N. Ihm wird nun der Mord an Jonathan vorgeworfen. Martin N. bestreitet die Tat.
Von Tobia Fischer
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