Hoher Zuschuss, wenig Akzeptanz? In Hechthausen gibt es viel Gesprächsstoff
Die "Dorfregion Burweg-Hechthausen" ist ein Vorzeigeprojekt: Die landkreisübergreifende Kooperation sorgt seit vielen Jahren für hohe Zuschüsse durch das Land. Doch ist auch jedes Projekt notwendig? Darüber wird in Hechthausen zurzeit diskutiert.
Eine derart hohe und kontinuierliche Bezuschussung von Projekten ist die absolute Ausnahme für Kommunen: 90 Prozent! In Hechthausen und Burweg (Kreis Stade) ist dies jedoch durch die vom Land erfolgte Anerkennung als landkreisübergreifende "Dorfregion" seit vielen Jahren Realität. Es sind bereits mehrere Millionen Euro geflossen und etliche Projekte auf beiden Seiten der Oste realisiert worden. Eine weitere halbe Million Euro als Zuschuss könnte nun in ein weiteres Vorhaben unter dem Stichwort "Verkehrsberuhigung" fließen. Doch das ist in Hechthausen-Laumühlen nicht unumstritten.
Konkret geht es um die Straße "Bauernreihe" im Ortsteil Laumühlen, die Laumühlen und Bornberg verbindet. Wer sich dort tagsüber aufhält, wird sich unweigerlich fragen, welcher Verkehr dort eigentlich beruhigt werden soll, denn die Zahl der Fahrzeuge hält sich in Grenzen. "Das sieht hier in der Zeit des Berufsverkehrs aber ganz anders aus", sagt der Gemeindedirektor und designierte Hechthausener Bürgermeister Jan Tiedemann. Er muss es eigentlich wissen, denn er wohnt dort und verteidigt auch die Pläne für die Neugestaltung.
"Bäume im Straßenseitenraum"
So ist unter anderem vorgesehen, die Einmündungsbereiche der Straßen "Am Heuberg" und "Kleine Straße" baulich zu verändern. Zur "weiteren Verkehrsberuhigung und zur gestalterischen Aufwertung des Straßenraumes" sollen zudem - so heißt es in einer Verwaltungsvorlage - , soweit "die örtlichen Gegebenheiten dies zulassen", Bäume im Straßenseitenraum gepflanzt werden. Die Bepflanzung solle neben der optischen Aufwertung dazu beitragen, den "Straßenraum stärker zu gliedern und die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmenden auf den Straßenverlauf zu erhöhen".
Außerdem solle der vorhandene Fahrradrastplatz am "Heuberg" neu gestaltet und "aufgewertet" werden: "Ziel ist es, einen attraktiven und ansprechend gestalteten Rast- und Aufenthaltsbereich für den Radverkehr zu schaffen", lautet die offizielle Begründung für diese Maßnahme.
"Besondere Belange der Landwirtschaft"
In der Vorhabenbeschreibung ist jedoch auch ein Passus enthalten, der Matthias Blanken, der an der Kreuzung Kleine Straße/Bauernreihe einen Betrieb hat und auch noch in Richtung Bornberg über ein Stallgebäude und Ländereien verfügt, überhaupt nicht gefällt. In der Vorlage steht nämlich: "Bei der Planung und Ausführung der verkehrsberuhigenden Maßnahmen werden die besonderen Belange der Landwirtschaft berücksichtigt. Insbesondere werden die vorgesehenen Aufpflasterungen als sogenannte 'Berliner Kissen' ausgeführt. Diese ermöglichen es landwirtschaftlichen Fahrzeugen aufgrund ihrer Bauweise, die Aufpflasterungen zu überfahren. Auch für den Busverkehr bleiben die entsprechenden Bereiche überfahrbar. Dadurch soll eine wirksame Verkehrsberuhigung erreicht werden, ohne die Befahrbarkeit der Straße für den landwirtschaftlichen Verkehr wesentlich einzuschränken. Zur weiteren Verkehrsberuhigung und zur gestalterischen Aufwertung des Straßenraumes sollen, soweit die örtlichen Gegebenheiten dies zulassen, Bäume im Straßenseitenraum gepflanzt werden", heißt es in der Verwaltungsvorlage.
Blanken warnt davor, die Straße an neuralgischen Punkten durch Bäume einzuengen: "Wenn sich zwei Autos begegnen, ist es jetzt schon eng. Bei größeren Fahrzeugen ist dies kaum noch machbar, sodass speziell in der Erntezeit Ausweichmöglichkeiten vorhanden sein müssen. Die gibt es bislang auch noch." Nach den vorliegenden Plänen sei dies aber wohl auf absehbare Zeit nicht mehr der Fall.
Wenn zusätzliche Bäume dann auch noch an Stellen gepflanzt werden, wo man ein- oder abbiegen müsse, sei dies ein Sichthindernis. Zudem wundere er sich ohnehin, dass es gerade in dieser Straße verkehrsberuhigende Maßnahmen geben solle: "Hier gibt es keinen Kindergarten, keine Schule und keine Bushaltestelle. Und ein Unfallschwerpunkt ist die Bauernreihe meiner Meinung nach auch nicht." Die Maßnahme hänge wahrscheinlich mit den hohen Zuschüssen aus der "Dorfregion" und den dort verankerten Bedingungen für solche gestalterischen Maßnahmen zusammen.
"Noch ist doch nichts beschlossen"
Jan Tiedemann mahnt zur Gelassenheit. Die Gemeinde habe einen ersten Entwurf in Auftrag gegeben, um zu klären, ob die Maßnahme überhaupt die Chance auf eine Förderung aus den "Dorfregion"-Mitteln hätte. Danach werde man das Projekt natürlich noch den Laumühlenern vorstellen und auch auf möglicherweise berechtigte Einwände eingehen: "Noch ist doch nichts beschlossen." Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 557.000 Euro; 90 Prozent davon könnte es als Förderung geben.
Matthias Blanken hätte sich gewünscht, dass die Einbeziehung der Bevölkerung eher passiert wäre: "Das hat mit Transparenz nichts zu tun. Hier gab es schon Vermessungsarbeiten, bevor man wusste, was das eigentlich soll."
Jan Tiedemann beschwichtigt: "Wir stehen doch noch am Anfang."
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