Nächste Hiobsbotschaft: Insolvente Helgoland-Klinik muss sich von Neurologie trennen
Die Nordseeklinik auf Helgoland steht vor finanziellen Herausforderungen. Der Bürgermeister der Hochseeinsel betont unmissverständlich: "Unser Krankenhaus muss erhalten bleiben." Allerdings weiß er auch von der nächsten Hiobsbotschaft.
Die Nordseeklinik Helgoland mit 24 Betten und 40 Beschäftigten hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Hintergrund für die finanzielle Schieflage sollen laut Klinikgeschäftsführer Sten Wessels vornehmlich Rückforderungen der Krankenkassen sein, die damit zusammenhängen, dass die Insel wegen ihrer exponierten Lage für chirurgische Notfälle rund um die Uhr gerüstet ist und Manpower vorhält.
Helgolands Bürgermeister Pollmann ist in großer Sorge
Jetzt spricht auch Helgolands Bürgermeister Thorsten Pollmann. Er ist in großer Sorge. "Wir brauchen das Krankenhaus vor allem aufgrund unserer Abgeschiedenheit so weit draußen. Hinzu kommt, dass wegen des Klimawandels immer häufiger kein Verkehr zum Festland möglich ist - manchmal sind wir über mehrere Tage hinweg abgeschnitten - und dann können auch die Hubschrauber nicht mehr fliegen. Umso notwendiger ist eine Versorgung vor Ort. Das unterscheidet uns von den anderen Inseln und Halligen. Schließlich dient die medizinische Versorgung nicht nur unseren 1500 Einwohnern, sondern auch den Handwerkern und unseren Gästen." Eine Chirurgie brauche man rund um die Uhr - gerade auch bei Verletzten, die nicht ausgeflogen werden müssen.
"Die Neurologie mit ihrer Parkinson-Versorgung fällt weg"
Der Bürgermeister der Inselgemeinde lässt im Gespräch mit CNV-Medien eher in einem Nebensatz durchblicken, dass es eine weitere gravierende Veränderung an der Klinik geben werde - und die dürfte viele Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen betrüben: "Die Neurologie mit ihrer Parkinson-Versorgung fällt weg." Im Zuge der Krankenhausreform sei entschieden worden, dass künftig das Westküstenklinikum Heide für die Neurologie zuständig sei, so Pollmann gegenüber der CN/NEZ-Redaktion: "Wir verstehen diese Entscheidung aufgrund von Kostengründen und müssen mit Bedauern die Nachteile in Kauf nehmen." Die Neurologie mit Parkinson-Spezialisierung war nach der Privatisierung der Klinik Mitte der 1980er Jahre aufgebaut worden.

Das Insolvenzverfahren der heute zur Park-Klinik GmbH gehörenden Nordseeklinik hat zum Ziel, die internistische, aber auch die chirurgische Versorgung auf der einzigen Hochseeinsel Deutschlands zu sichern. Für die Vorhaltung eines Chirurgen setzt die Klinik auf eine Rechtsverordnung des Landes, doch aus dem Gesundheitsministerium in Kiel sind andere Töne zu hören.
"Wir bedauern die finanziellen Probleme der Nordseeklinik"
Das Schleswig-Holsteiner Gesundheitsministerium erklärt zum Insolvenzverfahren des Krankenhauses: "Wir bedauern die finanziellen Probleme der Nordseeklinik Helgoland. Dennoch gehen wir davon aus, dass die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Besucherinnen und Besucher der Insel Helgoland nach wie vor sichergestellt werden kann." Das Gesundheitsministerium beabsichtige, Gespräche mit Vertretern der Krankenkassen, dem Bürgermeister, dem Träger des Rettungsdienstes und der Geschäftsführung des Krankenhauses zu führen, um die Versorgung auch weiterhin sicherzustellen. Das Kieler Ministerium kündigt an, dass eine erste Terminabstimmung erfolgt sei.
Landesregierung will medizinische Versorgung sicherstellen
Zur Aussage, dass es lediglich einer landesrechtlichen Verordnung bedürfe, um der regionalen Besonderheit Rechnung zu tragen und die Versorgung zu sichern, stellt der Ministeriumssprecher klar: "Diese Annahme trifft nach einer ersten Prüfung nicht zu." Die Ursachen für die Einleitung des Insolvenzverfahrens lägen nicht in der durch die Krankenhausreform vorgesehenen Umwandlung der Klinik in eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung. "Erklärtes Ziel der Landesregierung ist, die stationäre und die Notfallversorgung auf Helgoland weiterhin sicherzustellen", heißt es abschließend in der Presseerklärung.
Auch die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) betont, dass die medizinische Notfallversorgung auf der Insel gesichert sei. "Die Sicherstellung der Notfallversorgung auf Helgoland hat für uns höchste Priorität. Die bewährte Zusammenarbeit zwischen der Nordseeklinik und der RKiSH bleibt bestehen. Für die Menschen auf der Insel und ihre Gäste ist entscheidend, dass sie sich auch künftig auf eine verlässliche medizinische Notfallversorgung verlassen können", erklärt Sönke Lase, Geschäftsführer der RKiSH in einer Pressemeldung. Die bestehenden Strukturen und Abstimmungen in der Notfallversorgung würden demnach unverändert fortgeführt. Damit sei gewährleistet, dass sowohl die Bewohner als auch die Gäste weiterhin auf die etablierten notfallmedizinischen Versorgungsstrukturen zurückgreifen können.
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