Da stand sie noch: Kurze Zeit, nachdem dieses Foto entstand, wurde am Montag mit dem Abriss der Splethwegbrücke begonnen. Foto: Schröder
Da stand sie noch: Kurze Zeit, nachdem dieses Foto entstand, wurde am Montag mit dem Abriss der Splethwegbrücke begonnen. Foto: Schröder
Infos auf den letzten Drücker

Brückenabriss in Cadenberge sorgt für Wut: Anwohner erst kurz vor Sperrung informiert

von Egbert Schröder | 14.07.2026

Anwohner in Cadenberge sind wütend: Viel zu spät haben sie von einem Brückenabriss erfahren. Nur noch auf Umwegen können sie ihre Ländereien erreichen. Die Straßenverbindung ist auf Monate hinaus gekappt. 

Marco Sander ist sauer. Und zwar mächtig sauer. Erst am Sonnabend hatten er und seine Nachbarn über eine Anzeige in der Niederelbe-Zeitung und ein wohl noch nicht mal flächendeckend verteiltes Flugblatt erfahren, dass die Splethwegbrücke in Cadenberge abgerissen wird. Am Montag wurden bereits Tatsachen geschaffen. "Eine Sauerei", sagt Sander. Bis Ende Oktober könnten Landwirte nun ihre Ländereien nur noch über einen kilometerlangen Umweg erreichen. Die Samtgemeinde und die Baufirma räumen inzwischen Fehler bei der Kommunikation ein. 

Dienstagmorgen im Bereich Altkehdinger Weg/Splethweg in Cadenberge. Mehrere Nachbarn stehen dort, wo die alte Brücke bis zum Wochenende noch ein verbindendes Element war - wenn auch nur eingeschränkt. Sie hatte eine maximale Tragkraft von 3,5 Tonnen. Das hieß aber nicht, dass dort keine schweren Geschütze unterwegs waren. 3,5 Tonnen sind selbst bei landwirtschaftlichen Maschinen und Fahrzeugen schnell erreicht. Außerdem beobachtete Sander immer wieder, wie auch Lastwagen den schmalen und tonnenbegrenzten Weg genutzt haben. "Erst neulich habe ich mich auf die Straße gestellt und mit dem Fahrer eines Baufahrzeuges Klartext geredet", sagt er. Mindestens in den nächsten drei Monaten ist dort nun aber für eine Verkehrsberuhigung gesorgt. Die Splethwegbrücke ist nicht mehr passierbar. Bauarbeiter tragen die Holz- und Metallelemente nach und nach ab. Der Neubau soll eine Tragkraft von 40 Tonnen erhalten.

Den Zuschlag hat eine Firma aus Loxstedt erhalten. Sie hatte mit 421.000 Euro das günstigste von sechs Angeboten eingereicht. Die teuerste Variante lag laut Verwaltungsvorlage bei 834.000 Euro. So weit, so gut. Doch seit der Auftragsvergabe sind einige Wochen vergangen. Aber leider wurde ganz offensichtlich erst auf den letzten Drücker daran gedacht, die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner zu informieren, dass ihnen ab Montag der Weg nicht mehr zur Verfügung steht.

Marco Sander (l.) unterhält sich mit einem Nachbarn an der Baustelle, wo die Brücke nach und nach abgetragen wird. Foto: Schröder

"Sicher und zügig durchführen"

Auf den 9. Juli ist ein Flugblatt der Baufirma datiert. Marco Sander hat dieses Schreiben nach eigenen Angaben nicht erhalten. Von einem "Ersatzneubau" und einer Vollsperrung ist darin die Rede. Und: "Die Sperrung ist erforderlich, um die Bauarbeiten sicher und zügig durchführen zu können. Während der Bauzeit ist eine Durchfahrt über die Brücke nicht möglich. Wir sind bemüht, die Beeinträchtigungen für Anwohnerinnen und Anwohner sowie alle Verkehrsteilnehmenden so gering wie möglich zu halten, und bitten um Ihr Verständnis für die unvermeidbaren Einschränkungen."

Nun, mit  dem Verständnis ist das so eine Sache, zumal eine Anzeige in der Niederelbe-Zeitung mit einigen Informationen zum unmittelbar bevorstehenden Baubeginn auch erst am Sonnabend erschien. "Wir waren in der Tat spät dran, was aber auch urlaubsbedingt zu erklären ist", heißt es im Unternehmen. Und auch Samtgemeindebürgermeister und Verwaltungschef Frank Thielebeule möchte die Sache gar nicht schönreden. Für derartige Informationen seien bei solchen Baumaßnahmen in der Regel die Firmen zuständig. "Es ist bedauerlich, dass es Einschränkungen geben wird. Aber wir können ja auch nicht alle Bauarbeiten in der kalten Jahreszeit erledigen lassen", sagt er.

"Wir haben ja gar keine andere Wahl"

Und die Betroffenen? Die werden mindestens in den drei Monaten kilometerlange Umwege in Kauf nehmen müssen, die auch durch den Ort führen: "Wir haben ja gar keine andere Wahl", sagt ein Landwirt, der zweimal am Tag zu seinen Tieren fährt. Wenn man wenigstens eine vor Jahren stillgelegte Brücke in der Nähe für die Dauer der Bauarbeiten wieder freigegeben hätte, würde es ja nicht diesen zusätzlichen Aufwand geben. Aber das sei nicht geschehen.

Marco Sander will die Angelegenheit noch nicht auf sich beruhen lassen, obwohl er natürlich weiß, dass mit dem Abriss der Querung nun einmal Tatsachen geschaffen worden sind: "Uns bleibt ja jetzt gar nichts anderes übrig, als durch das halbe Dorf zu fahren, um zu unseren Ländereien und Tieren zu kommen. Wir sind hier quasi aktuell zwangsenteignet." 

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Egbert Schröder

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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