Relativ jung sind Statistiken, die zum Tatmittel Messer geführt werden. Symbolfoto: Reichwein/dpa
Relativ jung sind Statistiken, die zum Tatmittel Messer geführt werden. Symbolfoto: Reichwein/dpa
Straftaten im Cuxland

Warum man im Kreis Cuxhaven in einer sicheren Region lebt

von Kai Koppe | 14.03.2024

Insgesamt ist die Kriminalitätszahl im Beritt der Polizeiinspektion Cuxhaven 2023 kaum merklich gestiegen. Prozentual gesehen sind hier und da aber deutliche Zunahmen zu verzeichnen. Dennoch gibt es Anlass zur Beruhigung.

Im Cuxland lebt man in einer sicheren Region: Das hob Michael Hasselmann, Leiter der Polizeiinspektion Cuxhaven, anlässlich der Vorstellung der für den Kreis geltenden Kriminalstatistik 2023 hervor. Im Dreieck zwischen Hagen, Cuxhaven und Hechthausen liegt die Kriminalitätsbelastung demnach deutlich unter dem Landesschnitt, zudem ist die Gesamtzahl der vor Ort erfassten Straftaten nicht nennenswert (von 10.633 auf 10.812) angestiegen. In einigen Deliktgruppen gibt es im Jahresvergleich allerdings "Ausreißer" nach oben.

Cuxhavener Ermittler erzielen gute Aufklärungsquote

Aufhorchen lässt unter anderem der Anstieg bei Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (plus 52 Prozent gegenüber 2022) und der prozentuale Zuwachs bei den Straftaten gegen das Leben, die sich - nicht vollendeter Versuchstaten eingeschlossen - im Laufe eines Jahres mehr als verdoppelt haben. Als beruhigend wertet die Polizei im Kontext dieser elf Fällen aber die zu verbuchenden Ermittlungserfolge: Infolge "erheblicher Bemühungen" (Zitat Zentraler Kriminaldienst) lag die Aufklärungsquote bei Straftaten gegen das Leben im vergangenen Jahr bei 100 Prozent.

Tatort liegt mitunter in den eigenen vier Wänden  

Auch in der Gesamtbetrachtung müssen sich die Bediensteten der Polizeiinspektion (PI) Cuxhaven nicht verstecken, ganz im Gegenteil. Gelang es ihnen doch, die landesweit geltende Erfolgskennziffer (62,5 Prozent) mit einer deliktübergreifenden Aufklärungsquote von 63,8 Prozent zu toppen.

So hat sich das Kriminalitätsgeschehen im Cuxland entwickelt: Die Grafik zeigt in Dunkelblau die den jeweiligen Jahren zugeordneten Fallzahlen. Hellblau dargestellt: die Anzahl aufgeklärter Fälle. Die Aufklärungsquote wiederum wird durch den grauen Graphen angezeigt. Grafik: PI Cuxhaven.

Noch besser wäre es freilich, wenn die Polizei erst gar nicht aktiv werden müssten - ein frommer Wunsch, nicht zuletzt, wenn es um die sogenannten Rohheitsdelikte (sprich: Körperverletzung, Raub, Freiheitsberaubung) geht. In diesem Bereich gibt es einen Anstieg von kreisweit 1854 Fällen (2022) auf 1996 (2023) zu beklagen, wobei die Cuxhavener Inspektion explizit auch auf eine Zunahme häuslicher Gewalt (um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr) hinweist. "Jeder, der schon mal Opfer einer Körperverletzung geworden ist, weiß, wie traumatisierend ein solches Erlebnis sein kann. Taten im sozialen und häuslichen Umfeld können diesen Faktor weiter verstärken", betont Polizeidirektor Michael Hasselmann.

Jugendliche teilten vermehrt pornografisches Material  

Steigende Fallzahlen verbuchte seine Inspektion auch im Bereich Kinder- und Jugendkriminalität. Vermehrt  wurden Diebstähle aktenkundig; die Entwicklung in diesem Bereich, so heißt es von offizieller Seite, ergebe sich aber auch durch die Verbreitung pornografischer Inhalte, die über Messenger-Dienste oder in den Sozialen Medien geteilt wurden. Rechtlich gilt, dass "jeder Empfänger eines Bildes oder eines Videos mit entsprechendem Inhalt in einer WhatsApp (...) dabei automatisch zum Tatverdächtigen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischem Material" wird: Darauf wies der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Dominikus Wolking, hin. Er sprach davon, dass sich Teenager oft weder der juristischen Konsequenzen bewusst sind, noch daran denken, was die Weitergabe der Aufnahmen bei den möglichen Opfern auslöst. Was das angeht, sieht die Polizei Eltern oder Lehrkräfte in der Pflicht, Kinder und Jugendliche stärker zu sensibilisieren.

Besonderer Fokus auf dem Tatwerkzeug Messer

Relativ jung sind Statistiken, die zum Tatmittel Messer geführt werden. Dass diese Fokussierung ihre Berechtigung hat, zeigte sich insbesondere im vergangenen Jahr: In Erinnerung bleiben wird etwa der tödliche Angriff auf einen Cuxhavener in der Nacht vor Heiligabend - eine von insgesamt 52 Messerattacken im Betrachtungszeitraum, bei welchen 67 Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Diese Delikte seien geeignet, große Verunsicherung in der Bevölkerung hervorzurufen, räumte PI-Leiter Hasselmann ein. Und unterstrich dabei die Bedeutung eines schnellen Fahndungserfolgs wie im Heiligabend-Fall.

Tatmittel Messer: Das Foto zeigt eine Straße in Ritzebüttel, auf deren Pflaster ein Opfer am Morgen des 24. Dezember auf gefunden wurde. Foto: Reese-Winne

Während das sich Thema Internet-Kriminalität im vergangenen Jahr auf gleichbleibend hohem Niveau (745 Taten) bewegte, war die Zahl der Wohnungseinbrüche  weiter rückläufig. Anstatt von beinahe 500 Einbrüchen (wie vor zehn Jahren) sprach man für 2023 im PI-Zuständigkeitsbereich nur noch von 159 Delikten, wobei laut Polizei mehr als 40 Prozent im Versuchsstadium scheiterten.

Mehr Opfer als noch 2022

Keine Veränderung soll es beim Verhältnis von deutschen und nicht-deutschen Tatverdächtigen zu verzeichnen sein. Letztgenannte stellen einen Anteil von circa 22 Prozent - und das offenbar schon seit Jahren. Entgegen dem Landestrend, so Hasselmann, gebe es im PI-Gebiet also keinen Anstieg von Straftaten, die mutmaßlich auf das Konto von Migranten gehen. Was sich dagegen im Laufe eines Jahres im Cuxland erhöht hat, ist die Zahl der Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind. Ihre Ziffer stieg von 2386 auf 2500.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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