Johannes Hartmann aus Nordleda hört nicht auf zu schreiben, ist an seinem vierten Buch dran – inspiriert von seiner Leidenschaft für Science-Fiction. Foto: May
Johannes Hartmann aus Nordleda hört nicht auf zu schreiben, ist an seinem vierten Buch dran – inspiriert von seiner Leidenschaft für Science-Fiction. Foto: May
Vom Rettungswagen ins All

Johannes Hartmann aus Nordleda erfüllt sich mit Debütroman einen lang gehegten Traum

von Denice May | 07.03.2026

Johannes Hartmann rettet Menschenleben - und schickt in seiner Freizeit Raumschiffe in ferne Galaxien. Der 37-Jährige aus Nordleda arbeitet im Rettungsdienst und hat nebenbei einen Science-Fiction-Roman geschrieben. Auslöser war ein Unfall.

Wenn Johannes Hartmann morgens seinen Dienst im Rettungswagen beginnt, prüft er Beatmungsgerät, Notfallrucksack und Medikamente - Routine für den erfahrenen Notfallsanitäter. Doch nach Feierabend tauscht der 37-Jährige Einsatzkleidung gegen Fantasie: Dann schreibt er Geschichten über Raumschiffe, ferne Sternensysteme und politische Intrigen.

Der gebürtige Westerwälder lebt seit 2016 im Landkreis Cuxhaven. Erst zog er nach Cuxhaven selbst, inzwischen wohnt er in Nordleda. Der Schritt an die Nordseeküste war bewusst gewählt. "Ich wollte in eine ländliche Region", sagt Johannes Hartmann. Sein beruflicher Weg begann allerdings ganz anders. Ursprünglich machte er eine Ausbildung zum Tischler. Ein handwerklicher Beruf, bodenständig und praktisch. Doch irgendwann merkte er, dass er mehr wollte - einen Beruf mit direktem Kontakt zu Menschen, mit Verantwortung. 2011 wechselte er in den Rettungsdienst. Später absolvierte er beim Deutschen Roten Kreuz die Ausbildung zum Notfallsanitäter. Heute fährt er Einsätze in den Bereichen Otterndorf, Cadenberge und Hemmoor.

Schon 2017 begann er, erste Ideen aufzuschreiben

Der Arbeitsrhythmus ist speziell. 24-Stunden-Dienste, danach mehrere Tage frei. Für viele ist das eine echte Herausforderung. Für Johannes Hartmann wurde genau dieser Rhythmus zu einer Chance. Denn in seiner Freizeit begann er zu schreiben. "Eigentlich sind Konsolen meine Leidenschaft", sagt er und lacht. Computerspiele waren lange sein wichtigstes Hobby. Doch gleichzeitig habe er immer Geschichten im Kopf gehabt. "Ich hatte immer so eine Welt wie im Buch im Kopf." Schon 2017 begann er, erste Ideen aufzuschreiben. Skizzen, Figuren, Handlungsstränge. Doch dabei blieb es zunächst. Der Alltag kam dazwischen: "Ich habe es dann nicht weiter verfolgt." Dass daraus schließlich doch ein Roman entstand, lag an einem unglücklichen Zufall.

Er hat acht bis zehn Stunden am Tag geschrieben

Im vergangenen Jahr brach Johannes Hartmann sich das Bein. Wochenlang war er zu Hause, hatte viel Zeit - und viel Langeweile. Er setzte sich an den Computer und begann zu schreiben. "Ich habe acht bis zehn Stunden am Tag geschrieben", erzählt er. Und das über zehn Wochen hinweg. Am Ende stand ein Manuskript mit 29 Kapiteln. Der Titel: "Raumschiff Vanguard".

Der Roman ist eine epische Science-Fiction-Geschichte, angesiedelt im Jahr 2201. Eine handverlesene Besatzung bricht zu einer Mission in ein Sternensystem auf - 39 Lichtjahre von der Erde entfernt. Doch die Reise ist gefährlich: Politische Intrigen, Verrat in den eigenen Reihen und eine feindliche Galaxis stellen die Crew vor extreme Entscheidungen. "Eigentlich habe ich das Buch nur für mich geschrieben", sagt Johannes Hartmann bescheiden. Bis ein Arbeitskollege das Manuskript lesen wollte. Die Reaktion überraschte ihn. "Er hat danach gesagt, ich soll es veröffentlichen."

Johannes Hartmann ist ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler: Der Autor von "Raumschiff Vanguard" genießt die Natur in seiner Heimat Nordleda. Foto: May

Johannes Hartmann versuchte es zunächst klassisch. Er schrieb Verlage und Literaturagenturen an. Doch er bekam monatelang keine Antworten. Also entschied er sich für einen anderen Weg: den Selbstverlag. Er fand eine Lektorin, überarbeitete das Manuskript und bereitete das Buch für die Veröffentlichung vor. Eine Einschätzung der Lektorin habe ihn besonders motiviert: Leser, die Science-Fiction-Autoren wie Dan Admitt mögen, könnten auch an seinem Roman Gefallen finden. Hartmanns Geschichte lebt von Action, militärischer Strategie und intensiven Konflikten. Gleichzeitig legt er großen Wert auf seine Figuren. "Mir war wichtig, dass die Charaktere Tiefe haben", sagt er.

"Bei medizinischen Szenen merkt man, dass ich Sanitäter bin."

Und ein wenig Heimat steckt ebenfalls im Buch. Der Commander des Raumschiffs stammt ausgerechnet aus Cuxhaven und war zuvor im Marinefliegerstützpunkt Nordholz stationiert. Auch sein eigener Beruf hinterlässt Spuren in der Geschichte. "Bei medizinischen Szenen merkt man, dass ich Sanitäter bin." Seine Zielgruppe sieht er vor allem bei Männern zwischen 18 und 55 Jahren. Doch die Crew der "Vanguard" besteht nicht nur aus Soldaten und Technikern. Auch mehrere starke weibliche Figuren spielen zentrale Rollen. "Weil im Buch viele starke Frauen an Bord sind, könnte es auch Frauen ansprechen", sagt er.

Mit 21 Jahren wurde bei ihm Tourette diagnostiziert

Das Schreiben hat für Johannes Hartmann übrigens noch eine andere Bedeutung. Es hilft ihm, mit seiner eigenen Situation umzugehen. Mit 21 Jahren wurde bei ihm Tourette diagnostiziert. Sport und Konzentration helfen ihm, die Symptome zu kontrollieren. Mehrmals pro Woche trainiert er im Fitnessstudio. Auch das Schreiben wirkt stabilisierend. Neben Beruf und Autorentätigkeit engagiert sich der 37-Jährige außerdem in der Freiwilligen Feuerwehr und arbeitet nebenbei als Erste-Hilfe-Ausbilder.

Sein Debütroman "Raumschiff Vanguard" erscheint Anfang Mai. Für Johannes Hartmann ist das ein besonderer Moment. "Es ist ein riesiger Traum, den ich mir damit erfülle", sagt er. "Es fühlt sich immer noch surreal an." Und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Zwei weitere Bände hat er bereits fertiggeschrieben, am vierten arbeitet er derzeit. "Wenn ich das Geld dafür habe, würde ich das Buch gern ins Englische übersetzen und als Hörbuch umsetzen." Doch bis dahin wird Johannes Hartmann weiter zwischen Rettungswagen und Raumschiff pendeln.

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Denice May

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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