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Auch in die Rolle von Eisbären schlüpften die jungen Akteure auf der Bühne in Hemmoor. Foto: Schröder
Auch in die Rolle von Eisbären schlüpften die jungen Akteure auf der Bühne in Hemmoor. Foto: Schröder
Klima-Krise

Kinder in Hemmoor fragen: "Hört ihr den Schrei der Erde?"

von Egbert Schröder | 04.10.2026

"Eure Schuld? Unsere Zukunft" - unter diesem Motto stand ein ungewöhnliches Musical-Projekt in Hemmoor, das sich mit dem rasanten Klimawandel und dem Versagen von Erwachsenen bei dessen Entstehung und Bekämpfung auseinandersetzte. Es war ein Weckruf.

Wer noch kein schlechtes Gewissen hatte, durch sein eigenes Verhalten auch ein wenig am Klimawandel beteiligt zu sein und nichts gegen diese Krise zu unternehmen, bekam es nach einer besonderen Musical-Aufführung am Warstader Gymnasium. Dort redeten die "Ostekinder" den Erwachsenen ins Gewissen und hielten ihnen den Spiegel vor.

Man merkte: Sie hatten sich lang und intensiv auf ihren Auftritt vorbereitet. Entsprechend groß war die Aufregung, wie denn die Inszenierung des Stückes des Ostener Kinderchores am Wochenende im Hemmoorer Gymnasium ankommen würde. Am Ende großes Aufatmen: Es gab stehenden Applaus für die Jungen und Mädchen.

Versagen auf ganzer Linie

Applaus von denen, die mehrheitlich eine Mitschuld auch im ganz privaten Bereich an der fatalen Klimaentwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte tragen. Umweltbelastende Flugreisen in weit entfernte Urlaubsregionen, kurze Autofahrten mit dem SUV bis zum nächsten Supermarkt, Wegwerfmentalität, Desinteresse an Fakten für die sich lange abzeichnenden Klimaveränderungen, Ignoranz bei einem Thema wie "Nachhaltigkeit" und mahnenden Worten von Wissenschaftlern: Das, was die Erwachsenengeneration verbockt hat, werden jetzt ihre Kinder, Enkel und Urenkel zu spüren bekommen. Hitzewellen und Starkregen sind nur zwei Beispiele; Dürre in ohnehin armen Ländern und halbherzige Ankündigungen des Gegensteuerns zwei andere. Entsprechend lautete der Titel des Musicals: "Eure Schuld? Unsere Zukunft".

Botschaften waren nicht zu überhören

In mehreren Choreografien stellten die Kinder dar, wie und wo sich die Klimakrise bemerkbar macht und welchen Einfluss sie inzwischen auf ihr eigenes Erleben und ihre Wahrnehmung hat. Dokus über Eisbären, denen quasi der Lebensraum durch die erhöhten Temperaturen wegschmilzt ("Das Eis nimmt immer mehr ab, das Meer immer mehr zu"), Artensterben durch fehlende Nahrungsquellen ("Wo sind nur die Blumen hin?"), Abholzung des Regenwaldes mit weltweiten Auswirkungen ("Ohne Bäume ist die Erde kahl und leer"), Verharmlosung gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse und die fehlende Bereitschaft, sich Protestaktionen gegen die Klimakrise anzuschließen ("Wir brauchen nicht nur 'Fridays for Future', sondern jeden Tag den Einsatz für unsere Zukunft"): Die Botschaften waren nicht zu überhören und zu übersehen beim eindrucksvollen Musical in Hemmoor.

Es war auffallend, wie sich die Kinder unterschiedlichsten Alters gekonnt im Chor oder bei Solo-Gesangseinlagen in das Stück einbrachten. Die Sache ist ihnen wichtig. Und eine Frage stimmte besonders nachdenklich und rief sicherlich bei vielen Zuschauern Gewissensbisse hervor: "Hört ihr den Schrei der Erde?"

Vielleicht ja, aber wahrscheinlich schon viel zu spät ...

Klimawandel für Anfänger - also für die Erwachsenen: Die "Ostekinder" übten nicht nur in verschiedenen Szenen Kritik, sondern lieferten auch einige grundsätzliche Fakten durch ihre "Professoren", warum es überhaupt zu den Klimaveränderungen und in welchen Zeiträumen gekommen ist. Foto: Schröder

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