Kritik an kleinen Krankenhäusern: Otterndorfer Klinik sieht Versorgung in Gefahr
Im Kreis Cuxhaven stehen kleine Krankenhäuser und Versorgungszentren vor Herausforderungen. Die Geschäftsführerin des Krankenhauses Land Hadeln betont die Notwendigkeit dieser Einrichtungen in Zeiten des Hausärztemangels.
Irritation hat das Interview vom vergangenen Sonnabend mit dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Stade, Dr. Stephan Brune, bei Jennifer Schroth, Geschäftsführerin des Krankenhauses Land Hadeln Otterndorf gGmbH, ausgelöst. Brune hatte unter anderem Sparpotenzial bei kleinen Krankenhäusern gesehen und das RVZ-Modell (Regionales Versorgungszentrum) kritisiert.
Dazu äußert sie sich: "Ich möchte vorab erläutern, dass die ambulante Versorgung von Patienten zur Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gehört. Die KV hat die Aufgabe, die ambulante, medizinische Versorgung für die Versicherten flächendeckend und wohnortnah zu garantieren. Hierzu gehört auch die Sicherstellung des ärztlichen Notdienstes.
Als Geschäftsführerin des Krankenhauses in Otterndorf gehöre ich zu den von Herrn Brune angesprochenen ,kleinen, teuren Krankenhäusern'. Im Krankenhaus Land Hadeln werden jedes Jahr rund 12.000 ambulante Patienten versorgt. Wir versorgen die Patienten, die eigentlich von der KV gesteuert werden müssten.

"Die Bevölkerung hat gar keine andere Chance"
Natürlich ist die Versorgung ambulanter Patienten in einem stationären Kontext teurer als in reinen ambulanten Strukturen. Da aber die Bevölkerung in weiten Teilen des Landkreises gar keine andere Möglichkeit hat, da Herr Brune ja ebenfalls erläutert, dass die auskömmliche hausärztliche Versorgung auch in den nächsten Jahren immer schwieriger wird, ist es gut so, dass diese Patienten eine Anlaufstelle in einem Krankenhaus haben. Im ländlichen Raum wird es immer schwieriger werden, in die geeignete haus- und fachärztliche Versorgung oder in die Notfallversorgung zu kommen.
Ein Grund- und Regelversorger mit einer Notaufnahme soll beispielsweise innerhalb von 30 Minuten erreicht werden können. Nach den aktuellsten Zahlen des GKV-Spitzenverbandes erreichen 24 Prozent der Bevölkerung des Landkreises Cuxhaven vom Standort der Klinik aus gesehen kein Krankenhaus innerhalb der 30 Minuten. Wenn dann noch die ambulante Versorgung und die Notfalldienste außerhalb von Sprechzeiten nicht in einem ausreichenden Maß vorhanden sind, kann man sich ausmalen, wie dramatisch es um die Gesundheitsversorgung im Landkreis steht.
Ebenfalls irritiert der Teil des Interviews, in dem Herr Brune darstellt, dass sich Regionale Versorgungszentren (RVZ), wie in Nordholz etabliert oder im weiteren Landkreis in Planung, langfristig finanziell nicht tragen lassen. Die RVZ sind ein Mittel - aus der Not heraus entstanden -, sich der Herausforderung des Hausärztemangels in ländlichen Regionen zu stellen, die regionale Daseinsvorsorge zu stärken und die Attraktivität des ländlichen Raumes nicht zu schwächen.
Kosten allein dürfen nicht entscheidend sein
Ich möchte an diesem Punkt sehr deutlich machen, dass man nicht auf die Kosten schauen kann, wenn die Gesundheitsversorgung am Abgrund steht. Wenn also bekannt ist, dass es in einem Versorgungsbereich schwierig wird, dann sollte man sich vor Ort die Situation anschauen und dann auch die gerade "teurere Gesundheitsversorgung" in Kauf nehmen und dann daran arbeiten, wie Strukturen zu optimieren sind. Sicherlich müssen die Sektoren besser miteinander agieren. Die Finanzierung muss dahingehend auch kostendeckend optimiert werden.
Schön, dass sich Herr Brune in der KV bemüht, aber das reicht leider nicht. Die Antwort darauf haben Krankenhäuser, Medizinische Versorgungszentren oder eben Kommunen mit einem RVZ gegeben, indem sie die Patientenversorgung gewährleisten; wenn es auch zu einem höheren Preis ist."
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