Er riecht uns 270 Meter gegen den Wind, sieht mehr und hört besser als wir, Der Wolf ist ein faszinierendes Tier, aber gleichwohl eine akute Bedrohung für Weidetierhalter. Foto: picture alliance/dpa
Er riecht uns 270 Meter gegen den Wind, sieht mehr und hört besser als wir, Der Wolf ist ein faszinierendes Tier, aber gleichwohl eine akute Bedrohung für Weidetierhalter. Foto: picture alliance/dpa
Debatte um den Wolf

"Kneipengespräch" im Kreis Cuxhaven: Wie lässt sich Nutztierriss-Risiko eindämmen?

von Kai Koppe | 21.01.2023

Wie sich das Risiko von Nutztierrissen eindämmen lässt, war die herausragende Frage, die am Donnerstag beleuchtet wurde. Zum "Kneipengespräch" hatte der Ortsverband Cuxhaven von Bündnis 90/Die Grünen zur Diskussionsrunde zum Thema Wolf eingeladen.

Den fachlichen Hintergrund lieferte dabei Silas Neuman, Wolfsberater aus der Gemeinde Wanna. Einfache Lösungen gibt es nicht - auf diese Einschätzung konnten sich die "Kneipengespräch"-Teilnehmer nach zwei Stunden Vortrag und Diskussion unter dem Stichwort Herdenschutz einigen. Spezielle Schutzzäune (die an und für sich ein hohes Maß an Sicherheit bieten) bedeuten hohen Aufwand in Unterhalt und sind nicht Außendeichbereich möglicherweise nicht das Gelbe vom Ei. Der Einsatz von Herdenschutzhunden setzt Erfahrung voraus, ist kostspielig und birgt das Risiko von Konfrontationen zwischen Hund und unbedarft handelnden Spaziergängern. Und die bislang nur über Ausnahmegenehmigungen mögliche "Entnahme" (sprich: der Abschuss einzelner Wölfe) ist aus Neumans Sicht ebenfalls kein Garant für ein konfliktfreieres Miteinander zwischen Tierhaltern und dem Isegrim: Andere Wölfe könnten jederzeit nachdrücken, sagte der Wolfsberater, der in einem Impulsreferat beschrieben hatte, welche Distanzen die Tiere an einem  Stück überwinden. Etappen von 75 Kilometern und die Größe der jeweiligen Wolfs-Territorien (100 bis 350 Quadratkilometer) rücken den Ruf nach einer "wolfsfreien Zone am Deich" in den Bereich unerfüllbarer Wünsche. Meint jedenfalls Neuman, der in diesem Zusammenhang auch die Schwierigkeit ansprach, einzelne Tiere aufzuspüren.

Mythen und Fakten

Im Laufe des Abends ging es wiederholt um Mythen und Fakten: Wolfsangriffe auf Menschen sind unwahrscheinlich, aber trotzdem nicht komplett auszuschließen. Internationale Zahlen legen einen Zusammenhang mit dem in heimischen Breiten erledigten Thema Tollwut nahe. Dass sich der Beutegreifer aufgrund strenger FFH-Schutzlinien "ungehindert" ausbreiten kann, ist auch nicht ganz richtig: Manches Wolfsleben endet vorzeitig am Kühlergrill eines Autos - die häufigste unnatürliche Todesursache.   

Seine Ausführungen stützte der Wolfsberater dezidiert auf Tatsachen: Mutmaßlich der beste Weg, um in einer oft emotional geführten Debatte nicht zwischen die Fronten zu geraten. Auch beim "Kneipengespräch" im "Unikat" wurde es stellenweise etwas lauter: Ein Zuhörer verurteilte die "Angstmache" in Verbindung mit dem Thema Wolf, andere verteidigten die Idee eines aktiven Populationsmanagements. Zu den Rednerinnen und Rednern zählte auch Ada Fischer: Die Landwirtin aus Arensch hatte im November ein Rind durch einen Wolfsangriff verloren. Sie prophezeit einen Rückzug der Weidetierhalter aus der Fläche, sofern jene mit der Wolfsproblematik im Regen stehen gelassen würden: Dann, so Fischer sinngemäß, sei eine Renaissance von industriellen Haltungsformen vorprogrammiert.

Gutes Monitoring ist das A und O

Für ihn stehe außer Frage, dass Tierhalter so ausgestattet werden müssten, dass sie ohne Mehraufwand wirtschaften könnten, sagte Neuman zur Frage, inwieweit der Staat beim präventiven Herdenschutz mithilft. Ein großes Anliegen war ihm darüber hinaus, auf die Bedeutung des Wolfs-Monitorings hinzuweisen. Hierbei geht es um die Erfassung, von Rudeln, Einzeltieren und um die Fortschreibung von Stammbäumen über im Kot oder an Rissen zu sicherndes Gen-Material. Ein gutes Monitoring, betonte der Wolfsberater, sei letztlich die "Basis für eine Problemlösung": Tiere, die sich auffällig verhalten, können mit diesem Werkzeug genauso erfasst werden wie die Wolfspopulation, deren Bestand in Niedersachsen wohlkaum noch als bedroht gelten darf: Von 225 Wolfsterritorien, die deutschlandweit gezählt wurden, befinden sich 50 im hiesigen Bundesland.  Was Details  angehe, tappt man nach Neumans Wortden jedoch ziemlich im Dunkeln. "Dabei wäre es so einfach", betont der Wolfsberater: Spaziergänger, die auf im Regelfall prominent platzierte Wolfslosung stoßen, könnten den Ablageort dieser "Haufen" melden, ebenso eventuelle Wolfssichtungen.  

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Kai Koppe

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