Windenergie in Lamstedt: Neuer Windpark trotz fehlenden Vorranggebiets geplant
In der Börde Lamstedt plant die SAB Projektentwicklung einen neuen Windpark. Währenddessen entscheidet der Landkreis Cuxhaven demnächst über neue Vorranggebiete für Windenergie. Der Lamstedter Gemeinderat hat den Planungen bereits zugestimmt.
Die in Itzehoe ansässige SAB Projektentwicklung betreibt eine ehrgeizige Planung für einen Windpark in der Börde Lamstedt. Das Gebiet umfasst Flächen in Mittelstenahe, Stinstedt und Lamstedt. Jetzt hat sich der Lamstedter Gemeinderat mit dem Vorhaben beschäftigt.
Die Projektierer beplanen Potenzialflächen von 384 Hektar auf Mittelstenaher Gemeindegebiet, 155 Hektar in Stinstedt und 20 Hektar in Lamstedt. Letztlich musste der Gemeinderat darüber entscheiden, ob eine Erweiterung der Flächenkulisse für den Windpark um diese 20 Hektar - nur knapp 4 Prozent der gesamten Potenzialfläche - in Frage kommt. Der Rat hat diesem Antrag bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung der Einbeziehung der Fläche zugestimmt.
Großflächiger Windpark erstreckt sich über das Gebiet von drei Gemeinden
Das Besondere an dieser Windparkplanung ist, dass sie im aktuellen Entwurf zum Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Cuxhaven nicht als Standort enthalten ist. Die Samtgemeindeverwaltung hat aufgrund entsprechender Beschlüsse in Stinstedt und Mittelstenahe sowie im Samtgemeindeausschuss die gemeindliche Bauleitplanung eingeleitet. Der Investor übernimmt die dafür anfallenden Kosten. Voraussetzung für die Planung war, dass die in Frage kommenden Flächen nicht in festgelegten Gebieten für die Grünlandbewirtschaftung liegen, die raumordnerisch Vorrang genießen. Das Planungsgebiet umfasst Flächen im Bereich der Landesstraße 116 in Richtung Moorausmoor und der Kreisstraße 34 in Richtung Stinstedt sowie anschließender Flächen auf Lamstedter Gemeindegebiet. Über die Anzahl der Windkraftanlagen, die hier eines Tages entstehen sollen, ist noch nichts bekannt.
Die SAB Wind Team GmbH betreibt rund 100 Windenergieanlagen in Deutschland und Frankreich in Eigenregie. Hinzu kommen etliche Vorhaben als Projektierer für Investoren.
Kreisweit müssen über 6900 Hektar bis Ende 2032 für Windenergie ausgewiesen werden
Die Börde Lamstedt ist natürlich auch Gebietskulisse für die Windenergieplanung des Landkreises Cuxhaven im Rahmen der Neuaufstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms. Der Landkreis treibt den Sachliche Teilabschnitt Windenergie voran, um Flächenvorgaben zu erfüllen. Danach muss der Landkreis bis Ende 2027 2,6 Prozent seiner Fläche als Vorranggebiete für die Erzeugung von Windenergie ausweisen. Das sind etwa 5355 Hektar. Bis Ende 2032 müssen es 3,37 Prozent sein, etwa 6930 Hektar. Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode des Kreistages im Herbst dieses Jahres soll über das insgesamt 2000 Seiten starke Werk entschieden werden. Derzeit läuft das Beteiligungsverfahren in den Kommunen. Die öffentliche Auslegung der Unterlagen endet am 11. August. Dass Auslegung und Beteiligung mitten in die Sommerferien gefallen sind, ist für viele ein Ärgernis. Allerdings ist der Zeitdruck bis zur Beschlussfassung im Kreistag erheblich.
Flächen im Gemeindegebiet für Teilabschnitt Windenergie
Auch der Lamsteder Gemeinderat befasste sich mit dem Konvolut und fasste bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung einen Beschluss über die Stellungnahme der Gemeinde zum Teilabschnitt Windenergie. Vier Flächen auf Gemeindegebiet kommen als Vorranggebiete für Windenergie in Frage. Da ist zum einen der Standort Westlich Westerberg mit rund 200 Hektar Größe, dann Am Zuschlag mit etwa 112 Hektar, das Areal Winzeler Heide im Bereich "Neues Moor", das, aufgeteilt auf vier Teilbereiche insgesamt 404 Hektar groß ist. Weitere Planungen sind im Teilplan nicht enthalten, denn sie werden - wie im Gebiet Nindorf oder auch im Bereich Hackemühlen/Ihlbeck/Wohlenbeck - über das Baugesetzbuch durch gemeindliche Bauleitplanung bearbeitet.
Sollte die Regionale Raumordnung mit der Ausweisung von Vorranggebieten für die Windkraft politisch oder womöglich auch per Gerichtsentscheidung - nicht zustande kommen, greift die so genannte "Superprivilegierung", die eine mehr oder weniger ungesteuerte Genehmigung von Windenergieanlagen zur Folge hätte.
Anzahl vom Kreis genehmigter Windenergieanlagen im Landesvergleich gering
In diesem Jahr hat der Landkreis Cuxhaven acht neue Anlagen im Windpark Lamstedt genehmigt, die acht vorhandene im Wege des "Repowering" ersetzen. Aus einer aktuellen Kleinen Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten im niedersächsischen Landtag Jozef Rakicky (Werteunion, ehemals AfD) nach der Anzahl genehmigter Windenergieanlagen im Abstand von weniger als 1000 Meter bis zu 2000 Meter zu denkmalgeschützten Objekten, Ensembles und Kulturlandschaften in den Jahren 2024, 2025 und im ersten Quartal 2026 geht hervor, dass im Landkreis Cuxhaven eine Anlage mit 1500 Meter Abstand und vier Anlagen mit 2000 Meter Abstand genehmigt wurden. Zum Vergleich: In der Region Hannover waren es 20 (2024), 114 (2025) und 137 (erstes Quartal 2026). In der Region Uelzen waren es 55, 129 und 148. Nach den genannten Kriterien wurden landesweit nur im Ammerland weniger Anlagen genehmigt (3).
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