"Kein Kinderzimmer-Spielzeug": Kaninchenverein aus Lamstedt gibt wichtige Tipps
Kaninchen sind sensibel, sozial und oft missverstanden. Ein Verein aus Lamstedt (Kreis Cuxhaven) zeigt, wie artgerechte Haltung aussieht und warum viele Halter unbewusst Fehler machen. CNV-Medien war vor Ort und hat bewegende Einblicke gewonnen.
Eine große Fläche an der frischen Luft zum Hoppeln und Buddeln, mehrere kleine Häuser und verschiedene Räume drinnen - so vielfältig ist das Angebot des Vereins "Artgerechte Kaninchenliebe" in Lamstedt. Dort leben aktuell knapp 40 Kaninchen - jeder Größe und Fellfarbe.

"Es ist mein Herzensprojekt", sagt Anni Hansen gegenüber cnv-medien.de. Sie ist die Gründerin und Vorsitzende des Vereins. Privat hat sie sich bereits seit fünf Jahren mit artgerechter Haltung von Kaninchen beschäftigt - den Verein gibt es offiziell seit dem 18. Februar 2026. Hansen ist in Hoppegarten bei Brandenburg aufgewachsen. Ihre Familie hatte immer schon Kaninchen - diese wurden in einem kleinen Käfig gehalten. Bis heute habe sie deswegen ein schlechtes Gewissen. "Wir wussten es damals nicht besser." Vor zehn Jahren ist sie dann wegen der Liebe nach Lamstedt gezogen und hat jetzt dort den Verein gegründet. Eine Zeit lang ging es der 46-Jährigen nicht gut. "Die Kaninchen haben mich jeden Tag aufstehen lassen."

"Kein Kinderzimmer-Spielzeug"
"Wir bringen Verantwortung mit und vermitteln Verantwortung" ist der Leitsatz des Vereins. Es soll ein Umdenken bei den Menschen bewirkt werden, erklärt Jessica Hartung vom Verein im Gespräch mit CNV-Medien. Kaninchen seien unterschätzte Tiere. "Sie sind aber kein Kinderzimmer-Spielzeug", betonen die Vereinsmitglieder.

Die häufigsten Fehler, die Menschen bei der Haltung von Kaninchen machen: "Trockenfutter geben, die Haltung im Käfig und mangelndes Wissen", fasst Jessica Hartung zusammen. Kaninchen müssen beispielsweise immer mindestens zu zweit gehalten werden. "Ein einzelnes Kaninchen kommt nie zur Ruhe, da normalerweise immer einer auf den anderen aufpasst", erklärt Hansen. Zudem wollen Kaninchen nicht hochgenommen werden, sagt die Vorsitzende. "Sie kommen zu dir, wenn sie etwas möchten."

Der Verein besteht aus acht aktiven und 104 passiven Mitgliedern. Hilfe werde immer gebraucht. "Wenn Leute eine Tüte Löwenzahn pflücken und vorbeibringen, freut mich das tierisch", sagt die 46-Jährige. Kaninchen sind Frischköstler: "Artgerechtes Futter ist beispielsweise Petersilie, Dill, Grünkohl oder Schwarzkohl", erklärt sie. Möhren seien wegen des hohen Zuckeranteils nicht gut, Trockenfutter sei schlecht für die Zähne. Insgesamt 100 Kilogramm Frischfutter benötigt der Verein pro Woche für die Verpflegung der Tiere. Zudem hat die Gründerin einen Tipp für Kaninchenbesitzer: Bei der Wahl des Tierarztes sollte darauf geachtet werden, dass der Arzt auf Heimtiere spezialisiert ist.
Eine Lovestory
"Die Geschichte von Luis ist ganz besonders", erzählt die 46-Jährige. Sie wurde über Facebook angeschrieben - eine Frau wollte ein Kaninchen aus Bremen abgeben, welches im Käfig gehalten wurde. Als Luis zum Verein kam, sei er krank und aggressiv gewesen. Er verbrachte ein halbes Jahr abgesondert von den anderen, da er mit der Situation überfordert war, erzählt sie. Letztlich probierten sie, Luis mit Flocke, einem weißen Kaninchen, das aufgrund herunterhängender Ohren nicht so gut hört, zusammenzubringen, und es hat funktioniert. "Es ist seine große Liebe", sagt die Vorsitzende. Flocke und Luis werden daher auch dem Verein erhalten bleiben und nicht wieder getrennt.

Aktuell darf der Verein maximal 40 Kaninchen aufnehmen - eine Vorgabe vom Veterinäramt. "Wenn man ein Kaninchen adoptiert, rettet man eigentlich zwei Tiere", meint Jessica. So entsteht schließlich der Platz für ein neues Tier. Bei der Vermittlung werde genau geschaut, ob Tier und Mensch wirklich zusammenpassen. "Anni kennt die Tiere gut", sagt Nina Baas, die ebenfalls im Verein tätig ist.

Einige der Kaninchen sind Qualzuchten erklärt Jessica Hartung - "Asterix" hat einen viel zu kleinen Kopf. "Die werden extra niedlich gezüchtet und das macht sie krank", sagt sie. "Der Charakter sollte mehr zählen als das Aussehen", fügt Nina Baas hinzu.

Den Verein gegründet hat Anni Hansen zum einen, weil sie mehr Leute um sich haben wollte zum unterstützen. Aber auch aus einem anderen Grund: "Ich bin nur eine kurze Zeit auf der Erde und ich möchte etwas Gutes für die Tiere tun."
Wer mehr über den Verein erfahren möchte, findet hier alle Informationen: www.artgerechte-kaninchenliebe.org


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