Ursula Kirchberg liest in der Lamstedter Bücherstube aus ihrem Buch „Clara – Das Nashorn mit den rosa Socken“ und nimmt ihr Publikum mit auf eine Reise ins 18. Jahrhundert. Foto: Brettschneider
Ursula Kirchberg liest in der Lamstedter Bücherstube aus ihrem Buch „Clara – Das Nashorn mit den rosa Socken“ und nimmt ihr Publikum mit auf eine Reise ins 18. Jahrhundert. Foto: Brettschneider
Autorenlesung mit Herz

Wiedersehen in Lamstedt: Kinderbuchautorin Ursula Kirchberg liest in der Bücherstube 

von Bengta Brettschneider | 16.02.2026

Nach 14 Jahren kehrt Ursula Kirchberg, die ausgezeichnete Kinderbuchautorin und Illustratorin, in ihre alte Heimat Lamstedt zurück. Dort teilt sie faszinierende Einblicke in ihre Werke und erzählt die Geschichte des historischen Nashorns Clara.

Das Gästebuch von Ruthild Ohlrogge von der Bücherstube Lamstedt liegt bereits aufgeschlagen auf dem Tisch. Es ist ein großes Wiedersehen im Gemeindehaus der Börde, denn schon seit 14 Jahren lebt Ursula Kirchberg, ihre langjährige Freundin, nicht mehr in Lamstedt. Aber es fühlt sich an wie nach Hause kommen, verrät die Kinderbuchautorin.

Als Kirchbergs Sohn zehn Jahre alt war und sie 40, wollte sie mehr Garten - und zog nach Lamstedt. 30 Jahre nannte sie den Ort in der Börde ihr Zuhause. Ihr erstes Bilderbuch "Die alte Linde Gundula" erschien bereits im Jahr 1967. Im Jahr 1984 wurde Ursula Kirchberg mit dem Kinderliteraturpreis der Ausländerbeauftragten der Stadt Berlin für "Selim und Susanne" ausgezeichnet. Die 87-Jährige ist bescheiden und sichtlich gerührt, dass so viele Weggefährten gekommen sind. Ruthild Ohlrogge hatte die Illustratorin zur Bücherstube eingeladen.

Bereits 2011 wurde die Bücherstube gegründet. Ein kleiner Raum im Gemeindehaus gleicht einer Bibliothek, mit deckenhohen Regalen, voll mit Büchern.  "Aber wo sind denn eure Enkel", fragt Kirchberg lachend als sie in die Runde schaut - "ich bin doch Kinderbuchautorin."

Clara - eine historische Figur des 18. Jahrhundert

Ihr Buch "Clara - Das Nashorn mit den rosa Socken", erschien 2012, herausgegeben von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Viele Jahre habe es bei einem Verlag in der DDR gelegen, der nach der Wiedervereinigung auf Geld gehofft hatte, erzählt Kirchberg. Als die Gelder ausblieben, wurde auch die Veröffentlichung gecancelt.

Clara das Nashorn ist eine historische Figur aus dem 18. Jahrhundert. Es lebte in einer Zeit, als noch nicht viel Wissen über exotische Tiere bekannt war. "Sie mochte gerne Orangen - und sie wurde Monate lang quer durch Europa gefahren. Auch das Bild, das später von ihr angefertigt wurde, wurde hin und her gereicht", erklärt Kirchberg.

Mit sichtbarer Freude erzählt Ursula Kirchberg von der Entstehung ihres Buches und dem bewegten Weg des verschwundenen Clara-Gemäldes. Foto: Brettschneider

Das verschwundene Gemälde

Viele Jahre war das Gemälde von Clara wie vom Erdboden verschluckt, bis es nach der Wende im Schloss Ludwigslust gefunden wurde. Das Getty Forum in Los Angeles restaurierte das Bild schließlich. In dem Buch der Illustratorin dreht sich alles um den Moment als Clara, in Form des Gemäldes, zurück in das Schloss Ludwigslust kehrt und dort von der Maus Rosa empfangen wird.
Ihre Illustrationen spiegeln dabei wider, wie es wirklich im Schloss aussieht. "Vieles ist aus Pappmache", erzählt Kirchberg, die während ihrer Recherche das gerade in Restauration befindliche Schloss besichtigen durfte.

Ursula Kirchbergs Buch verbindet historische Fakten mit einer Geschichte über Freundschaft - und rosa Socken. Diese bekommt Clara nämlich von Rosas Verwandten gestrickt. Und auch wenn das Publikum an diesem Tag viele Jahre älter ist, als Kirchbergs eigentliche Zielgruppe, steckt die Freude, mit der die gebürtige Hamburgerin das Buch vorliest alle Anwesenden an. 

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